Österreich: Gab es in der Causa Casinos einen Mittelsmann?

Veröffentlicht am: 15. Juni 2020, 11:12 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 15. Juni 2020, 11:49 Uhr.

Mit den fortschreitenden Untersuchungen in der österreichischen Causa Casinos nimmt auch die Zahl der möglicherweise an der Affäre um die Vergabe von Glücksspiel-Lizenzen Beteiligten zu. So hat die „Kronen Zeitung“ heute berichtet, dass es einen bisher unbekannten Mittelsmann gegeben habe. Dieser habe Novomatic-Gründer Johann Graf und den Vorstandsvorsitzenden Harald Neumann mit dem ehemaligen FPÖ-Staatssekretär Hubert Fuchs bekannt gemacht.

Hände, Handschlag, Geld, Euro
In der Causa Casinos soll gegen einen mutmaßlichen Mittelsmann wegen Bestechung ermittelt werden. (Bild: Pixabay/janeb13)

Nach Angaben der Ermittler soll es sich bei dem „Mittelsmann“ um den Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Josef Walch handeln. Er soll vom Glücksspiel-Konzern Novomatic den Auftrag erhalten haben, Kontakt zum für das Glücksspiel verantwortlichen FPÖ-Staatssekretär Fuchs herzustellen.

50.000 Euro für die erfolgreiche Vergabe von Casino-Lizenzen?

Zudem bestehe, wie aus den der Kronen Zeitung vorliegenden Unterlagen hervorgehe, der Verdacht, Walch habe 50.000 Euro für eine Einflussnahme auf Fuchs erhalten. Dieser sollte überzeugt werden, eine „Realisierung der gewünschten Casino- bzw. Onlinelizenz“ zu ermöglichen. Doch nicht nur Mittelsmann Walch sollen finanzielle Vorteile in Aussicht gestellt worden sein, sondern auch Fuchs.

Die FPÖ selbst halte sich bei der Beurteilung der Vorwürfe zurück. So habe FPÖ-Chef Manfred Haimbucher den Journalisten gegenüber geäußert, Walch genieße als Steuerberater sein Vertrauen:

Ich kenne ihn auch persönlich recht gut und habe ihn immer als untadeligen Mann geschätzt.

FPÖ-Vizekanzler strebte nach Aufhebung der Sperre für Online-Glücksspielanbieter

FPÖ-Staatssekretär Fuchs wird derzeit jedoch nicht nur mit dem Vorwurf der illegalen Lizenzvergabe an den Glücksspielkonzern Novomatic konfrontiert. Wie österreichische Medien berichten, hätten sich Fuchs und Vizekanzler Heinz-Christian Strache auch für nicht lizenzierte Online-Glücksspiel-Betreiber aus dem Ausland eingesetzt.

In Österreich ist das Online-Glücksspiel derzeit nur der Casinos Austria AG (CASAG) erlaubt. Ausschließlich deren Online-Casinos sind somit lizenziert. Zugleich offerieren österreichischen Spielern jedoch auch Glücksspiel-Anbieter aus dem Ausland ihre Glücksspiele. Diese operieren zumeist mit Lizenzen aus Ländern wie Malta, Zypern oder Gibraltar und werden vom österreichischen Finanzministerium als illegal eingestuft.

Die FPÖ-Männer sollen, so der Vorwurf, einen Gesetzesentwurf zum IP-Blocking „mit aller Kraft abgedreht“ haben. Diesen hatte das Finanzministerium im Jahr 2018 erfolglos forciert. Die Vorwürfe stützen sich auf ein Papier, das dem österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“ vorliege und den Titel „Steueragenda 2018“ trage.

Auf Nachfrage zu den profil-Investigationen habe Straches Anwalt erklärt, es habe sich um eine Verwechslung gehandelt und man habe sich auf Sportwetten, nicht jedoch auf Online-Casinos bezogen. Strache habe mit dem an Fuchs gemailten Papier lediglich auf Mehreinnahmen für den Sport abgezielt.