Niederlande: Rapider Anstieg der Glücksspiel-Werbung

Veröffentlicht am: 21. Dezember 2021, 11:58 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. Dezember 2021, 11:58 Uhr.

Seit der Legalisierung des Online-Glücksspiels [Seite auf Niederländisch] am 1. Oktober 2021 in den Niederlanden ist die Präsenz der iGaming-Werbung stark angestiegen. Laut einer neuen Studie des Londoner Marktforschungsunternehmens Nielsen habe sich die Menge der Glücksspiel-Werbung innerhalb eines Jahres verdoppelt.

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Experten und Politiker besorgt wegen Anstieg der Glücksspiel-Werbung in den Niederlanden. (Bild: shutterstock.com)

Wie Daten nach einer Analyse des niederländischen Glücksspiel-Markts gezeigt hätten, sei die Anzahl der Werbeanzeigen für Online-Casinos und Sportwetten, aber auch für terrestrische Glücksspielangebote, von rund 170.000 auf über 360.000 angestiegen.

Millionen für Glücksspiel-Werbung

Derzeit sind elf Online-Glücksspiel-Betreiber in den Niederlanden lizenziert, die Medienberichten zufolge rund 23 Mio. Euro in Werbung investiert hätten. Am meisten ließ sich Holland Casino seine Werbebotschaften kosten. Der Konzern soll 6,4 Mio. Euro für Werbespots ausgegeben haben. Toto investierte 4,6 Mio. Euro, gefolgt von FairPlayCasino mit 3,3 Mio. Euro, BataviaCasino mit 3,2 Mio. Euro und Tombola mit 2,6 Mio. Euro.

Die Daten von Nielsen hätten auch gezeigt, dass rund 88 % der Anzeigen online erschienen sei, einschließlich der Social-Media-Plattformen. Diese seien allerdings nicht so gut reguliert wie Fernsehwerbung, die nur zu bestimmten Tageszeiten ausgestrahlt werden dürfe. Somit dürften auch Minderjährige mit den Glücksspiel-Angeboten im Internet konfrontiert sein.

Glücksspiel-Werbeflut: Experten fordern strengere Vorgaben

Einige Politiker und Suchtexperten hätten aufgrund des massiven Anstiegs an Werbebotschaften aus der Glücksspiel-Branche ihre Besorgnis geäußert und eine Verschärfung der Vorschriften gefordert.

The Tweede Kamer, die Zweite Kammer der Generalstaaten des niederländischen Parlaments, soll ein Verbot von Glücksspiel-Werbung im Internet vor 21 Uhr vorgeschlagen haben.

Auch Experten äußerten sich besorgt über die jüngste Entwicklung. So kommentierte die Gesundheitspsychologin Arie Dijkstra:

Als Individuum sehe ich eine Glücksspiel-Werbung, aber ich weiß auch, dass andere die gleiche Werbung sehen. In Kombination mit der Legalisierung führt dies zu einer Änderung der gesellschaftlichen Normen. Es wird definitiv zu einer Zunahme der Sucht führen.

Rechtsschutzminister Sander Dekker sagte, er werde die Wünsche der Tweede Kamer berücksichtigen. Allerdings halte er es jetzt noch für “zu früh”, um über ein Verbot zu diskutieren.

Die Direktorin der Verbrauchergewerkschaft Sandra Molenaar kommentierte, dass die Interessen der Glücksspiel-Branche im Vergleich zum Wohlergehen der Verbraucher überwögen.

Erste Sanktion wegen Werbeverstoßes verhängt

Auch wenn Abgeordnete und Suchtexperten eine Verschärfung der Regulierung der Glücksspiel-Werbung fordern, gibt es bereits recht strenge Vorgaben, die von den Werbetreibenden einzuhalten sind.

Gemäß den aktuellen offiziellen Werbevorschriften sind im Fernsehen übertragene Glücksspiel-Werbebotschaften zwischen 6 und 19 Uhr verboten. Werbespots dürfen keine Empfehlungen von Personen unter 25 Jahren enthalten oder sich an Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren richten.

Darüber hinaus darf der Werbeinhalt den Spielern das Glücksspiel nicht als Option zum Geldverdienen empfehlen. Zudem müssen die detaillierten Bedingungen für alle angebotenen Boni in den Marketingkampagnen angezeigt werden.

Letzte Woche verhängte die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) ihre erste Sanktion gegen einen der elf lizenzierten Betreiber. Das namentlich nicht genannte Unternehmen soll wegen „irreführender Werbung“ bestraft werden. Ob sich an der derzeit geltenden Gesetzgebung etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.