Niederlande: Lizenzen für Online-Glücksspiel sorgen für großes Interesse

Veröffentlicht am: 18. Juni 2019, 12:43 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Juni 2019, 02:08 Uhr.

Der niederländische Glücksspielregulator Kansspelautoriteit veröffentlichte am Montag vorläufige Interessentenzahlen für Online-Glücksspiellizenzen. Laut der Behörde (Link auf Niederländisch) bekundeten seit dem 5. Juni 2019 schon 79 Online-Glücksspielanbieter potenzielles Interesse an einer niederländischen Online-Glücksspiellizenz.

Niederländische Flagge mit Kansspelautoriteit Logo
Die Kansspelautoriteit reguliert Online-Glücksspiel in den Niederlanden. (Quelle: Casinoonline.de)

Online-Glücksspiel ist in den Niederlanden bislang verboten. Die aktuelle Gesetzgebung bietet Online Casino-Anbietern daher keinerlei Möglichkeit zum Erhalt einer Betriebsgenehmigung. Dies wird sich allerdings durch das am 19. Februar 2019 verabschiedetet Fernspielgesetz ändern, welches erstmals die Vergabe von Online-Glücksspiellizenzen vorsieht.

Es soll am 1. Juli 2020 in Kraft treten. Die Eröffnung des legalen Online-Glücksspielmarktes ist in der Folge für den 1. Januar 2021 geplant.

Erst Interesse, dann Bewerbung

Um in den Besitz einer niederländischen Online-Glücksspiellizenz zu gelangen, müssen Unternehmen einen zweistufigen Prozess durchlaufen. Anfänglich sind die Online Casino-Betreiber dazu verpflichtet, bis zum 21. Juni 2019 eine Interessenbekundung samt vollständiger Selbstauskunft an die niederländische Kansspelautoriteit zu übermitteln.

Der Antrag muss eine Fülle von Unternehmensinformationen, wie Rechtsform, Organisationsgröße und Art der angebotenen Glücksspiele enthalten.

Ein Markt mit strengen Regeln

Obwohl die genauen Lizenzbedingungen für Online-Betreiber nicht im Detail feststehen, kündigte die Kansspelautoriteit bereits an, strenge Regeln für Lizenzhalter einführen zu wollen. Im Fokus hat das Amt besonders den Spielerschutz. So soll ein Fond eingerichtet werden, dessen Einlagen Sucht- und Suchtpräventionsprogrammen zugutekommen sollen.

Auch wird es ein zentrales Spielerausschlussregister geben, an dem sich alle Lizenzhalter beteiligen müssen. Mehr staatliche Kontrolle soll außerdem eine Kontrolldatenbank bringen, die den niederländischen Behörden ermöglichen soll, die Daten von Online-Glücksspielanbietern überprüfen zu können.

Die zweite Stufe, der ab dem 1. Juli 2020 laufende Lizenzbewerbungsvorgang, ist bis dato nicht komplett inhaltlich geregelt. Grund dafür ist, dass die Kansspelautoriteit und das niederländische Justizministerium den Gesamtlizenzierungsprozess nicht abschließend rechtlich ausgestaltet haben.

Die endgültigen Genehmigungsbedingungen müssen also noch festgelegt und publiziert werden, bevor überhaupt einschätzbar sein wird, unter welchen Voraussetzungen eine Lizenzbewerbung für die Online Casinos wirtschaftlich attraktiv sein könnte.

Etwaige Gebühren und Kosten könnten hierbei das Zünglein an der Waage sein. Aktuell wird für die Bearbeitung eines Genehmigungsantrages eine Gebühr in Höhe von 45.000 Euro veranschlagt.

Welche Anbieter sind mit von der Partie?

Obwohl die Kansspelautoriteit nicht bekanntgab, welche Unternehmen namentlich ihr Interesse an einer niederländischen Online-Glücksspiellizenz bekundeten, kristallisieren sich bereits erste Lizenzkandidaten heraus.

René Jansen im Portrait mit Anzug
René Jansen von der Kansspelautoriteit spricht sich für eine schnelle Öffnung des Marktes aus. (Quelle: Twitter)

So zeigte sich Erwin van Lambaart, CEO von Holland Casino, auf der Gaming in Holland Conference sehr interessiert daran, zukünftig virtuelle Spielautomaten, Tischspiele, Sportwetten und Poker in den Niederlanden anbieten zu können.

Die lizenzierten Online Casino-Anbieter können sich von der Regulierung des Marktes vor allem ein härteres Durchgreifen gegen diejenigen Online-Glücksspielbetreiber versprechen, die ihre Angebote noch immer ohne Erlaubnis auf niederländischem Staatsgebiet offerieren und eine wirtschaftliche Konkurrenz darstellen.

Hohe Strafgelder sollen die ohnehin hart sanktionierten Regelverletzungen noch härter bestrafen.

Erst im August 2018 belegte die Kansspelautoriteit die Betsson Tochterunternehmen Oranje Casino und Kroon Casino mit Geldbußen in Höhe von 300.000 Euro. Ein Umstand, der unter anderem dazu führte, dass die Marken seit April 2019 unter dem Label „Casino Winner“ bzw. „Loyal Casino“ laufen.

Doch als Argument allein wird der Schutz der Lizenzhalter womöglich nicht ausreichen, um aus den 79 Lizenzinteressenten tatsächliche Lizenzbewerber zu machen.

Vielmehr könnte es darauf ankommen, dass der Übergangszeitraum zum Bewerbungsprozess und der letztendlichen Lizenzgenehmigung nicht zu lang sein wird. Dies weiß auch René Jansen, der Vorsitzende der Kansspelautoriteit. Bei einer Rede auf der Gaming in Holland Conference sagte er:

„Ich möchte sicherstellen, dass der Übergang zum neuen Fernspielgesetz so problemlos wie möglich verläuft. Dies ist sowohl im Interesse der Industrie als auch in unserem (…). Nur gemeinsam können wir erreichen, dass der legale Online-Glücksspielmarkt in den Niederlanden eine erfolgreiche und schnelle Öffnung erlebt.“

In der Tat könnte nicht nur die Wirtschaft von der schnellen Öffnung profitieren, auch für den Staat verspricht sie potenziell hohe Einnahmen in Form von Lizenz- und Steuerabgaben.