Die Kritik lässt nicht nach: Michael Ballack nimmt Joachim Löw unter Beschuss

Veröffentlicht am: 12. Oktober 2018, 01:02 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. Oktober 2018, 01:02 Uhr.

Wer nach dem frustrierenden WM-Sommer glaubte, das frühzeitige Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft sei ausdiskutiert, hat sich geirrt.

Jogi Löw
Der Bundestrainer in der Kritik (Quelle: Wikipedia)

In einem Interview mit der Deutschen Welle hat sich nun Ex-DFB-Mannschaftskapitän Michael Ballack zu Wort gemeldet und Nationaltrainer Joachim Löw verbal angegriffen. Ballack erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal, dass er nicht daran glaube, dass Löw dem Team neue Impulse geben könne.

„Irgendwann muss man sich doch eingestehen, dass die Dinge nicht mehr funktionieren, wenn jemand so lange mit einer Mannschaft zusammenarbeitet wie er.

Laut Ballack reiche es nicht aus, die eigenen Fehler zu analysieren. Es müsse eine Reaktion folgen. Der 98-fache Ex-Nationalspieler fordert eine Strukturreform im Deutschen Fußball Bund (DFB) und mahnte an, man habe sich nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien zu sehr auf den eigenen Lorbeeren ausgeruht.

Wer ist Michael Ballack?

Michael Ballack wurde am 26. September 1976 in Görlitz geboren. Der Sachse begann seine Karriere 1994 beim Chemnitzer FC und beendete sie im Jahre 2012 bei Bayer 04 Leverkusen. Er spielte von 1999 bis 2010 für die deutsche Nationalmannschaft und erzielte in 98 Spielen 42 Tore.

Spielerisch und mental nicht auf der Höhe

Ballack sieht aber nicht nur im strategischen Spiel des deutschen Teams ein Problem. Auch sei der WM-Kader der Mannschaft nicht ordentlich besetzt gewesen. Es habe an individueller Spielbereitschaft und dem nötigen Biss gefehlt, um den Titel noch einmal zu gewinnen.

Zudem sei, wie durch die Affäre Özil-Gündogan, große Unruhe in die Mannschaft gekommen. Eine solche Ablenkung könne man im Rahmen einer Weltmeisterschaft nicht gebrauchen. Trotzdem wünsche Ballack Özil für die Zukunft bei Arsenal London viel Glück.

Wie wir im Juli berichteten, hatte Mesut Özil nach dem WM-Debakel die deutsche Nationalmannschaft verlassen. In den Medien wurde die Debatte um Özils Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan immer wieder als einer der Gründe für das frühe Ausscheiden des Nationalteams genannt.

Direkter Konter von Toni Kroos

Nach Ballacks harscher Kritik äußerte sich am Donnerstag Nationalspieler Toni Kroos auf einer Pressekonferenz des DFB zu den Vorwürfen. Kroos räumte ein, dass es unterschiedliche Ansichten zum richtigen Rücktrittszeitpunkt eines Trainers gäbe, er diesen bei Jogi Löw aber noch nicht gekommen sähe. Der Real Madrid-Star erwarte sich auch nach einer solch langen Zusammenarbeit neue Impulse vom Nationaltrainer.

Der Nationaltrainer habe sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Löws Ansprachen, taktische Konzepte und Trainingsmethoden seien heute auf einem viel höherem Niveau als noch vor acht Jahren.

Rückschläge, so Kroos, gehörten zum Fußball dazu. Nun sei es am Bundestrainer zu zeigen, dass er sich weiterentwickelt habe und mit dieser Situation klarkomme.

Toni Kroos
Toni Kroos unterstützt weiter den Bundestrainer (Quelle: Wikipedia)

Auch Timo Werner stellt sich hinter den Trainer

RB Leipzigs Angreifer Timo Werner saß am Donnerstag zusammen mit Toni Kroos auf dem Podium. Der Stürmer, dessen erste WM-Teilnahme sicherlich erfolgreicher hätte sein können, stärkte Löw den Rücken.

Werner habe während der Zeit bei der Nationalmannschaft immer das Gefühl gehabt, gut aufgehoben gewesen zu sein. Der Trainer habe den Spielern zugehört und immer einen freundlichen Umgang gepflegt. Auch auf dem Platz sei die Kommunikation gut gewesen.

Werner äußerte Verständnis dafür, dass man nach einer verloren WM nicht einfach jedes Erfolgsrezept aus der Vergangenheit über den Haufen werfen könne. Im Training mache sich dies bemerkbar. Denn eigentlich habe sich daran wenig geändert, bis auf das Verteidigungstraining.

Die Motivation hinter Ballacks Abrechnung

Doch wieso kritisiert Michael Ballack gerade in dieser Situation den Bundestrainer? Die Motivation für Ballacks Abrechnung könnte eine Pressemitteilung des DFB vom 16.Juni 2011 gewesen sein.

In dieser erklärte der Deutsche Fußball Bund in aller Kürze, dass Joachim Löw in Zukunft keine weiteren Pläne mit dem Mittelfeldspieler habe.

Schon an der WM 2010 in Südafrika konnte Ballack verletzungsbedingt nicht teilnehmen. Philipp Lahm übernahm die Kapitänsbinde, und machte klar, dass er diese nicht mehr kampflos abgeben wolle.

Michael Ballack sollte kein weiteres Spiel im Nationaltrikot absolvieren. Ein ungebührlicher Abgang für einen Spieler, der auf und neben dem Feld viel für den deutschen Fußball geleistet hatte.

Michael Ballack
Ist Ballacks Kritik persönlich motiviert? (Quelle: Wikimedia)

Ein Drama in mehreren Akten

Ob es sich bei Michael Ballacks Äußerungen um sachhaltige Kritik handelt, könnten schon die nächsten Spiele zeigen. Am Samstag, dem 13.10, muss die DFB-Elf gegen die Niederlande ran. Am Dienstag, dem 16.10, wartet die Equipe Tricolore in der UEFA Nations League. Mit zwei klaren Siegen könnte Jogi Löw viele seiner Kritiker, darunter Michael Ballack, verstummen lassen.