Gestern hat Özil, der 29-jährige türkischstämmige Spieler der deutschen Nationalelf, auf Twitter und Facebook verkündet, dass er künftig nicht mehr für das deutsche Team spielen werde. Als Grund dafür gab er eine rassistische Einstellung ihm gegenüber an.

Nationalspieler Özil

Özil verlässt die deutsche Nationalmannschaft aufgrund rassistischer Einstellungen ihm gegenüber. (Bildquelle: web.de)

Özil schon vor der WM im Kreuzfeuer der Kritik

Kurz vor der Fußball Weltmeisterschaft 2018 in Russland war Özil bereits heftiger Kritik ausgesetzt. Den Ausschlag mag das Foto gegeben haben, das Özil gemeinsam mit Gündogan, ebenfalls Spieler der deutschen Nationalmannschaft, und dem türkischen Präsidenten Erdogan zeigte, welches im Rahmen eines dreitägigen Staatsbesuchs Erdogans in Großbritannien aufgenommen wurde.

Auf dem Foto war allerdings nicht nur freundliches Händeschütteln zu sehen, sondern auch ein handsigniertes Trikot mit der Aufschrift „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten“.

Gleich nach Veröffentlichung des Fotos ernteten die beiden Spieler scharfe Kritik, die unter anderem auch von Cem Özdemir, dem Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen, geäußert wurde:

“Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag. Es sitzt in Berlin, nicht in Ankara.”

Es ist wahrscheinlich, dass der Schriftzug auf dem Trikot Stein des Anstoßes war und weniger das gemeinsame Foto mit dem türkischen Präsidenten. Es liegt nahe, dass diese Aussage als Wahlkampfhilfe für die anstehenden Präsidentschaftswahlen in der Türkei hätte interpretiert werden können.

Diese Interpretation ist auch einem weiteren Statement von Özdemir zu entnehmen, der sagte, dass er sich von den Spielern wünsche, dass diese sich auf das Fußballspielen konzentrieren mögen, anstatt diese geschmacklose Wahlkampfhilfe zu leisten.

Auch Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fußball Bundes schritt ein, um die Spieler zur Ordnung zu rufen:

“Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden.”

Während Gündogan sich nach der Kritik aufgrund des Fotos sofort äußerte und auch seinen familiären Bezug zur Türkei unterstrich, schwieg Özil dazu. Könnte dieses Schweigen Grund für den Eklat sein? Denn bereits vor der WM hätte nach Meinung vieler Özil sein Schweigen brechen und sich erklären sollen.

Özil erhebt schwere Vorwürfe und verkündet seinen Rückzug

Nach der Niederlage der deutschen Nationalelf bei der WM 2018 und der harschen Kritik Özil gegenüber entschied sich der Spieler, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten. Diese Entscheidung gab er auf Twitter bekannt.

Darüber hinaus veröffentlichte der Spieler in den sozialen Netzwerken ein dreiteiliges Statement, in dem er unter anderem den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel kritisierte. Nach Özils Ansicht habe der Präsident nur aus persönlicher Eitelkeit gehandelt.

Kritik wegen Erdogan Foto

Fußballfans und Medien kritisieren Foto mit Erdogan. (Bildquelle: bild.de)

Grindel hat bereits vor der WM geäußert, dass es besser gewesen wäre, Özil würde nicht antreten. Allerdings hat sich Bundestrainer Löw dafür eingesetzt, dass er im Kader verbleiben sollte.

Weiterhin bestreitet Özil in seinem Statement, politische Absichten gehegt zu haben. Vielmehr sagte er, dass es einer Missachtung seiner Wurzeln und der seiner Vorfahren gleichgekommen sei, wenn er sich nicht mit dem Präsidenten getroffen hätte.

Für ihn sei es auch nicht um den Wahlkampf gegangen. Sein Beruf sei Fußballspieler und nicht Politiker. Viele Stimmen aber äußerten, dass er dann diesen Termin nicht hätte wahrnehmen sollen, denn in Deutschland leben rund 1,5 Millionen Türken.

Erdogan war der Wahlkampf in Deutschland nicht gestattet. Die Vermutung liegt also nahe, dass der türkische Präsident die Begegnung mit den türkischstämmigen Spielern indirekt für seinen Wahlkampf missbraucht haben könnte, zumal die beiden Fußballer für viele junge Deutschtürken Vorbildfunktion haben.

An dieser Stelle darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich Özil in einer schwierigen Situation befunden hat, denn es wäre problematisch gewesen, der Einladung Erdogans nicht zu folgen. Der Nationalspieler hätte vielleicht sogar Repressalien gegen sich und seine Familie riskiert.

Der türkische Präsident hätte eine Ablehnung als persönliche Beleidigung verstehen können. Beispielsweise drohen Enes Kanter, Nationalspieler bei der NBA, vier Jahre Haft, weil er Erdogan beleidigt haben soll. Deniz Yücel wurde als Terrorist geächtet. Diese Tatsachen sollten vielleicht bei einer Beurteilung Özils mit einfließen.

Trägt Özil Mitschuld an der Niederlage bei der WM 2018?

Nachdem Özil bereits vor der WM angefeindet worden ist, wurde die Kritik nach der Niederlage der deutschen Mannschaft umso heftiger. Für die Buchmacher war das deutsche Nationalteam und der amtierende Weltmeister einer der Favoriten. Umso größer war die Überraschung, als Deutschland bereits in der Vorrunde ausschied.

Özil fühle sich, wie er sagt, als Sündenbock, der nun die Verantwortung für die Niederlage allein tragen solle. Unter anderem schreibt Özil in seinem Statement auf Twitter, dass er rassistisch beleidigt worden sei. Auch sei er in zahlreichen E-Mails und Kommentaren in den sozialen Netzwerken dazu aufgefordert worden, zurück nach Anatolien zu gehen.

Özil WM 2018

Viele geben Özil die Schuld an WM 2018 Niederlage. (Bildquelle: spiegel.de)

Doch auch aus zahlreichen PR Aktivitäten sei er gestrichen worden. Darüber hinaus habe ihn auch ein DFB Sponsor fallen lassen und ihn nachträglich aus Werbekampagnen entfernt.

Als sich dann das Aus in der Vorrunde abzuzeichnen begann, schossen sich einige Experten und die Medien auf den türkischstämmigen Spieler ein. Beispielsweise äußerte sich Lothar Matthäus in zweideutiger Weise darüber, dass sich Özil in dem DFB Trikot nicht wohlfühle.

Weiterhin wählten zahlreiche Magazine zu Artikeln über die Fußballkrise für die Bebilderung ein Foto von Özil. Auch die Auseinandersetzung zwischen Özil und einem Fußballfan im Stadion in Russland schaffte es in die Pressemeldungen.

Uli Hoeneß zu Özils Rücktritt

Mesut Özil ist seit gestern kein Nationalspieler mehr. Für viele bedeutet das einen großen Verlust, für andere ist dies ein Glücksfall. Entsprechend äußerte sich Uli Hoeneß, der den ehemaligen Nationalspieler aufs Schärfste kritisierte.

„Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto.“

Weiterhin sagte Hoeneß, dass Özil sportlich seit Jahren nichts mehr in der Nationalmannschaft verloren habe.

Uli Hoeneß

Uli Hoeneß kritisiert Özil aufs Schärfste. (Bildquelle: spiegel.de)

Dennoch kann der 29-jährige türkischstämmige Spieler der deutschen Nationalelf auf große Erfolge zurückblicken. 2009 hat er seine Karriere im Nationalteam beim Spiel gegen Norwegen begonnen.

2010 trug er dazu bei, dass Deutschland bei der WM in Südafrika immerhin den dritten Platz belegen konnte.

2014 feierte er mit seinen Mannschaftskameraden den Gewinn des Weltmeistertitels. Özil absolvierte insgesamt 92 Länderspiele und erzielte dabei 23 Treffer.

Verlust für die deutsche Nationalmannschaft

Özil war sehr erfolgreich, dennoch kam er bereits in der Vergangenheit häufig unter Beschuss. Beispielsweise habe er lustlos gespielt, was seine Körperhaltung ausdrücke. Auch war oft Kritik zu hören, dass Özil sich stets geweigert habe, die deutsche Nationalhymne zu singen.

Allerdings steht nun die Frage im Raum, wo die anderen Spieler des deutschen Nationalteams stehen. Mats Hummels, der Abwehrspieler von Bayern München, schweigt ebenso zu diesem Vorfall wie Thomas Müller oder Mannschaftskapitän Manuel Neuer.

Es ist ein schwieriges Thema, das nun den Bereich des Sports verlassen und sich auf eine politische Ebene begeben hat.