Londoner Casino nach tragischem Selbstmord abgestraft

Veröffentlicht am: 5. Februar 2021, 02:46 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 5. Februar 2021, 02:46 Uhr.

Das Aspers Stratford City Casino in London muss sich wegen schwerer Mängel in den Bereichen Spielerschutz und Geldwäsche-Prävention verantworten. Wie die britische Glücksspielaufsicht, die UK Gambling Commission (UKGC), am Donnerstag mitgeteilt hat [Seite auf Englisch], sei das Casino nach dem Selbstmord eines VIP-Kunden ins Visier der Ermittler geraten.

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Untersuchung des Aspers Stratford Casinos nach Selbstmord eines VIP-Spielers (Bild: Pixabay)

Der Casino-Kunde, von der UKGC als „Kunde X“ bezeichnet, sei am Morgen des 12. Novembers 2018 tot aufgefunden worden. Die Gerichtsmedizin habe bestätigt, dass es ein Selbstmord gewesen sei. Nur einen Tag zuvor habe Kunde X sich im Aspers Stratford aufgehalten.

Aus diesem Grunde seien das Casino und die UKGC unmittelbar in die polizeilichen Ermittlungen einbezogen worden. Neil McArthur, CEO der Glücksspielaufsicht, kommentiert:

Es war ein tragischer Fall und unsere Gedanken sind bei den Angehörigen. Die Umstände seines Todes wurden von der Polizei und der Rechtsmedizin ermittelt. Als Regulierungsbehörde haben wir den Umgang des Casinos mit dem Kunden untersucht und dabei Mängel in der Geldwäsche-Prävention, der sozialen Verantwortung und den Prozeduren zum Kundenkontakt festgestellt.

Die Behörde habe herausfinden wollen, inwieweit die Casino-Besuche von Kunde X zu dessen Freitod beigetragen haben könnten. So seien alle regulierten Glücksspielanbieter in der Verantwortung, ihre Kunden vor dem Risiko krimineller Aktivitäten oder vor persönlichen Spielproblemen zu schützen.

Mehrere schwerwiegende Versäumnisse

Im Umgang mit Kunde X habe das Casino einige Versäumnisse zu verantworten. Der Glücksspielanbieter habe insgesamt gegen mehrere Lizenzvereinbarungen in Bezug auf Spielerschutz und Geldwäsche-Prävention verstoßen.

  • Das Casino habe Kunde X nicht effizient überwacht und keine ausreichende Dokumentation über ihn betrieben.
  • Kunde X habe ohne die geforderte „Enhanced Due Diligence“-Prüfung (EDD) spielen können, im Rahmen derer das Spielverhalten und die Herkunft von Geldern überprüft würden.
  • Aufgrund der fehlenden EDD-Prüfung sei ein großes Geldwäsche-Risiko eingegangen worden.
  • Da Kunde X ein VIP-Kunde gewesen sei, habe das Casino fälschlicherweise angenommen, er könne sich die hohen Verluste leisten. Eine Bonitätsprüfung habe nicht stattgefunden.
  • Zwei Bargeldzahlungen in Höhe von 47.000 respektive 51.000 GBP seien nicht auf ihre Herkunft überprüft worden.
  • Kunde X habe das Einsatzlimit von 5.000 Euro pro Spiel mehrmals überschreiten können.

Versäumnisse dieser Art seien auch bei anderen Kunden festgestellt worden. Die Lizenzbrüche des Anbieters würden damit als besonders schwerwiegend eingestuft. Das Casino sei aufgefordert worden, alle Missstände zu beseitigen. Die UKGC werde den Anbieter weiterhin rigoros überwachen.

Das Aspers Stratford Casino müsse indes eine Geldstrafe von 652.500 GBP an die UK Gambling Commission zahlen. Darüber hinaus würden 78.233 GBP von seinen Glücksspieleinnahmen abgezogen. Dies sei der Betrag, der durch das Glücksspiel von Kunde X eingenommen worden sei.