Italien: Erster Entwurf für neues Anti-Spielsucht-Gesetz präsentiert

Veröffentlicht am: 19. April 2022, 01:59 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. April 2022, 01:59 Uhr.

Die italienische Regierung hat einen ersten Entwurf für ein neues Anti-Spielsucht-Gesetz erarbeitet. Dieses könnte das erste Gesetz werden, welches sich dem Thema Spielsucht auf nationaler statt regionaler Ebene widmet. Kern sei daher die Kooperation zwischen Regierungen, Forschungseinrichtungen und dem Gesundheitswesen, berichtet die Zeitung La Repubblica [Seite auf Italienisch].

No Slot Poster
Anti-Glücksspiel-Initiativen wie No Slot befürworten die mit dem Gesetz geplante Reduktion des Spielangebots (Bild: Facebook/NoSlot)

20 Millionen direkt und indirekt von Spielsucht betroffen

Die Zahl der Spielsüchtigen im Land sei in den letzten Jahren dramatisch angestiegen und werde auf zirka 1,5 Millionen Menschen geschätzt. Weitere 1,4 Millionen Personen gehörten zur Risikogruppe. Die wirtschaftlichen und sozialen Schäden hätten ein gigantisches Ausmaß erreicht, erklärt die auf Suchterkrankungen spezialisierte Psychotherapeutin Daniela Capitanucci.

Jeder der eineinhalb Millionen pathologischen Glücksspieler schädigt mit dem eigenen außer Kontrolle geratenen Verhalten mindestens sieben weitere Personen im familiären, freundschaftlichen und beruflichen Umfeld. Wir dürfen diese rund 20 Millionen Menschen daher nicht vergessen. Ziel eines guten Gesetzes zur Neuordnung muss daher sein, die Zahl der Spielsüchtigen in unserem Land zu verringern, um den Dominoeffekt einer wahrhaftigen Epidemie zu vermeiden.

In ihrem Gesetzesentwurf habe die Zentralregierung Italiens anerkannt, dass das Glücksspiel keine rein wirtschaftliche Materie sei. Daher solle die Glücksspielregulierung künftig nicht mehr nur dem Wirtschaftsministerium unterliegen.

Stattdessen sehe das Gesetz die Schaffung einer Art Komitee vor, in welchem sich die jeweiligen Minister für Wirtschaft, Inneres, Arbeit, Sozialpolitik, Gesundheit, Familien und Regionales gemeinsam über die Glücksspielgesetzgebung beraten sollen.

Gemeinsames Ziel trotz regionaler Unterschiede

Gleichzeitig solle das Gesetz die individuellen Gesetzgebungskompetenzen der Regionen berücksichtigen. Während die Zentralregierung für die Regulierung des Online-Glücksspiels zuständig ist, regulieren die einzelnen Regionen das landbasierte Glücksspiel innerhalb ihrer Grenzen.

Daran solle sich grundsätzlich nichts ändern. Allerdings seien die Regionen auf Basis des neuen Gesetzes aufgefordert, an einer allgemeinen Reduktion des Glücksspiel-Angebotes zu arbeiten.

Die italienischen Organisationen, die sich seit Jahren für eine Reduzierung von Spielautomaten engagierten, begrüßten diesen Aspekt des Gesetzes besonders. Eine dieser Organisationen ist „Slot Mob“. Die Initiative zeichnet Bars, Lokale und andere gastronomische Einrichtungen aus, die sich gezielt gegen das Aufstellen von Spielgeräten entscheiden. Zum Gesetzesentwurf kommentiert Organisationsleiter Carlo Cefaloni:

Wir von Slot Mob sind der Ansicht, dass im Rahmen der Reduktion des Massen-Glücksspiels auch über die die staatlichen Konzessionen für multinationale Glücksspiel-Konzerne diskutiert werden sollte.

Auch die Anti-Glücksspiel-Kampagne Mettiamoci befürworte eine gesetzlich motivierte Reduzierung des Spielangebotes. Es sei „unverantwortlich“ vom Staat, sich in diesen Zeiten, in denen die Armut in der Bevölkerung rasant ansteige, weiterhin durch die Glücksspielindustrie zu bereichern, schreibt die Initiative in ihrem Statement.