Michael D. Higgins, der Präsident Irlands, ist gegen die Einblendung von Werbespots von Glücksspiel-Anbietern während der Übertragung von Sport-Events im Fernsehen. Der 77-jährige Politiker hat sich dagegen ausgesprochen, Spots für Wetten oder andere Glücksspiele im Umfeld sportlicher Veranstaltungen ausstrahlen zu lassen.

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Buchmacher sollen künftig keine Werbung bei Sport-Events schalten (Bild: bbc.com)

Der Labour-Politiker, der seit November 2011 Präsident von Irland ist, will mit der Maßnahme “die Integrität des irischen Sports” schützen. Seiner Ansicht nach würde die Aufmerksamkeit auf das eigentliche Event durch die Glücksspiel-Werbung zu stark abgelenkt.

Glücksspiel-Werbung in Irland umstritten

Higgins Vorhaben hat nur einen vorschlagenden Charakter, da der irische Präsident, ähnlich wie sein Pendant in Deutschland, eine eher zeremonielle Rolle spielt. Sein Wort hat jedoch Gewicht, und er trifft den Kern einer aktuellen Debatte in Irland.

So hat der Sportverband der Gaelic Athletic Association Anfang des Jahres beschlossen, künftig jegliches Sponsoring durch Glücksspiel-Anbieter auszuschließen. Ursache für den Schritt waren die unter den aktiven Spielern weit verbreiten Glücksspielprobleme. Demnach förderte eine nicht-repräsentative Umfrage unter ihnen zu Tage, dass 15 Prozent wegen derartiger Probleme extern Hilfe gesucht hätten.

Mit seiner Kritik bezieht Higgins sich insbesondere auf die zahlreichen Anzeigen für Live-Wetten auf das jeweils gerade übertragene Ereignis. Ein Verbot dieser Werbung würde zudem helfen, die auch in Irland gehäuft auftretende Spielsucht zu bekämpfen. In einem Interview mit dem Sender RTÉ Radio One erklärte Higgins seine Beweggründe:

“Ich mache mir viele Gedanken über die Auswirkungen des Glücksspiels auf die Menschen, und jeder Fall von Spielsucht macht mir Sorgen. Wenn es nach mir ginge, gäbe es gar keine Werbung für jedwede Form von Glücksspiel. Auf diese Weise würde der Sport vor den negativen Auswirkungen verschont.”

 

Sportwetten besonders beliebt

Ähnlich wie in Großbritannien sind Sportwetten in Irland unter breiten Teilen der Bevölkerung äußerst beliebt. Ganz vorne rangiert dabei der Fußball, doch auch Sportarten wie Hurling und Gaelic Football, die in der Form in Deutschland kaum jemand kennt, erfreuen sich einer hohen Popularität.

Top-Sportarten für Sportwetten in Irland
Fußball
Hurling
Gaelic Football
Pferderennen
Hunderennen
Rugby

Michael D. Higgins

Michael D. Higgins will keine Glücksspiel-Werbung (Bild: wikimedia)

Neben den unzähligen Angeboten rund um Wetten, Lotterien und Onlinespiele kommen ständig neue, anlassbezogene Produkte auf den Markt. Was bei den Sportwetten die Live-Wetten auf gerade stattfindende Veranstaltungen wie Pferderennen oder Hurling sind, können bei Online Casinos beispielsweise Spielautomaten sein, die extra für den irischen Nationalfeiertag, den St. Patricks Day, entwickelt wurden.

Alle diese Angebote tragen dazu bei, dass die Iren inzwischen jährlich über fünf Milliarden Euro für das Glücksspiel ausgeben. Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten mag das gering erscheinen. Im benachbarten Großbritannien erwirtschaften allein die Online Casinos schätzungsweise 5,2 Milliarden Euro.

Trotzdem sehen Verantwortliche in Politik und bei Spielschutz-Organisationen die Gefahren der Spielsucht, die für die Betroffenen oftmals erheblich finanzielle und soziale Probleme mit sich führen. Etwa 12 Prozent der Iren gehen wöchentlich zu einem Buchmacher und über zwei Prozent spielen regelmäßig in einem der vielen Online Casinos.

 

Glücksspiel-Betriebe werden immer stärker beschränkt

Die Initiative des irischen Präsidenten fällt in eine Zeit, in der Glücksspiel-Betreiber europaweit immer stärkeren Beschränkungen unterliegen. So plant die italienische Regierung ein generelles Verbot von Werbung für Angebote rund um das Glücksspiel.

Ein Vorbild für Higgins ist Australien. Dort besteht seit diesem Jahr ein Verbot jedweder Art von Glücksspiel-Werbung rund um Sportereignisse zwischen fünf Uhr morgens und 20.30 am Abend. Die Spots dürfen ab fünf Minuten vor dem Start bis fünf Minuten nach Beendigung der Veranstaltung nicht ausgestrahlt werden.

Auch in Großbritannien werden die regulatorischen Zügel immer straffer angezogen. Neben der geplanten Reduzierung der Maximaleinsätze bei den populären FOBTs (fixed odd betting terminals) von 100 Pfund auf nur noch zwei Pfund werden Werbeanzeigen zunehmend beschränkt.

Erst im letzten Februar beschlossen die britischen Aufsichtsbehörden verschärfte Werberichtlinien für die Glücksspiel-Branche. Die Einhaltung der Regeln wird streng kontrolliert, und bei Verstößen werden die beanstandeten Anzeigen von der zuständigen Behörde, der Gambling Commission, verboten und es werden zum Teil empfindliche Geldstrafen ausgesprochen.

Um die Briten vor den Gefahren der Spielsucht zu bewahren, wird die Gambling Commission von Organisationen wie GambleAware unterstützt, die mit Hilfe von Kampagnen Betreiber und Bevölkerung gleichermaßen für das Thema sensibilisieren möchten. Inzwischen starten Buchmacher wie William Hill sogar selbst Initiativen, um ihre Kunden auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Da die Gefahr eines Abgleitens in die Spielsucht für viele Kunden der Wettbüros und Online Casinos in Irland ebenso gilt, dürfte das Ansinnen des irischen Präsidenten deshalb auf der grünen Insel auf breite Zustimmung stoßen.