Polizei kappt Stromversorgung: Illegales Glücksspiel in Malaysia verlagert sich in Kaffeehäuser

Veröffentlicht am: 5. September 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. September 2020, 03:43 Uhr.

Die malaysische Polizei stellt vermehrt die Stromversorgung verdächtiger Gebäude ab, um illegales Glücksspiel zu bekämpfen. Nun erklärte der Polizeichef der Hauptstadt Kuala Lumpur, dass sich die Kriminellen deshalb auf eine neue Masche verlegt hätten. So missbrauchten sie in jüngster Zeit immer öfter die Cafés der Millionenmetropole als Unterschlupf und Tarnung.

Strassenszene Kuala Lumpur Malaysia
Die Polizei in Kuala Lumpur geht davon aus, dass sich das illegale Glücksspiel in die Cafés der Stadt verlagert hat (Quelle:unsplash.com/Omar Elsharawy)

Kaffee und Glücksspiel

Der Polizeichef von Kuala Lumpur informierte die Öffentlichkeit in dieser Woche über den aktuellen Stand im Kampf gegen das illegale Glücksspiel in der Stadt. Bei einer Pressekonferenz gab Mazlan Lazim bekannt, dass die Anbieter und Nutzer illegaler Angebote nun einer neuen Taktik folgten.

Für ihre Aktivitäten nutzten sie kaum noch eigene Räumlichkeiten, sondern seien vermehrt in Cafés anzutreffen. Das verbotene Glücksspiel erfolge nun in erster Linie über mobile Endgeräte.

Die Tarnung als normale Gäste erleichtere den Verdächtigen im Falle möglicher Razzien die unerkannte Flucht, so der Polizeichef. Als weiteren vermuteten Grund für den Taktikwechsel nannte er die jüngsten Maßnahmen der Behörden:

Es wird angenommen, dass Glücksspielanbieter in Cafés umgezogen sind, weil die Stromversorgung in ihren früheren Räumlichkeiten in Zusammenarbeit mit (dem einzigen Energieversorger Malaysias, Anm. d. Verf.) Tenaga Nasional Berhad (TNB) von der Polizei unterbrochen wurden. Sie taten dies, weil sie realisierten, dass wir ihren Strom abschalten würden, wenn sie die Räumlichkeiten wie zuvor mieten würden.

Eigentümer im Visier der Polizei

Die Polizei hatte vor rund einem Monat landesweit damit begonnen, Immobilien, in denen illegales Glücksspiel vermutet wurde, den Strom abzustellen. So sollten nicht nur die Spieler und Betreiber, sondern auch Eigentümer, die ihnen Räumlichkeiten zur Verfügung stellten, zur Verantwortung gezogen werden.

Laut dem Polizeichef seien in Kuala Lumpur bislang 51 Gebäude betroffen. Für 24 weitere stehe das Kappen der Stromversorgung in naher Zukunft bevor.

Im mehrheitlich islamisch geprägten Malaysia stehen die meisten Formen des Glücksspiels unter Strafe. Während Lotterien und das Wetten auf der Rennbahn durch das Glücksspielgesetz erlaubt sind, verbietet die islamische Gesetzgebung Scharia Muslimen hingegen jegliche Form des Glücksspiels. Das einzige legale Casino des Landes befindet sich im Genting Highlands Resort in den Titiwangsa-Bergen, rund 50 km von Kuala Lumpur entfernt.

Auch die Polizei des südlichen Bundesstaates Johor hatte in dieser Woche mitgeteilt, eine Verlagerung des Glücksspiels in gastronomische Lokalitäten festgestellt zu haben und drastische Maßnahmen angekündigt.

So müssten Eigentümer künftig damit rechnen, ihre Betriebslizenzen zu verlieren, sollte in ihren Räumlichkeiten illegales Glücksspiel stattfinden. Dies gelte sowohl für Vermieter als auch für Lokalbetreiber.