Glücksspielbetrug und Spielmanipulation: Aktive Fußballer in Spanien festgenommen

Veröffentlicht am: 23. June 2022, 02:11 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. June 2022, 02:11 Uhr.

Die spanische Nationalpolizei hat am Dienstag zehn Personen im Zusammenhang mit Spielmanipulation im Fußball verhaftet. Dies berichten spanische Medien unter Berufung auf Polizeikreise. Unter den Festgenommenen befänden sich auch aktive Sportler der dritten und vierten Liga.

Polizeiautos Policia Nacional
Die Policía Nacional nahm in dieser Woche zehn Verdächtige fest (Quelle: twitter.com/@policia)

Die im Rahmen der Operación Conífera aufgedeckten Manipulationen hätten Partien der ersten und zweiten Spielklasse des Verbands RFEF sowie der Nationalliga von Gibraltar betroffen. An der Aktion seien auch EUROPOL und INTERPOL beteiligt gewesen.

Zehn Festnahmen in vier Provinzen

Wie die Ermittler unter anderem via Twitter mitteilten, seien die zehn Beschuldigten am Dienstag in den Provinzen Badajoz, Sevilla, Almería und Cádiz festgenommen worden. Den Verdächtigen werde vorgeworfen, an der Manipulation von Spielen beteiligt gewesen zu sein, um so hohe Gewinne aus Sportwetten zu generieren. Zur Verschleierung hätten die Beteiligten parallel risikoarme Wetten auf reguläre Spiele platziert.

Die Strafverfolger verweisen auf die noch laufenden Ermittlungen. Damit blieben Einzelheiten zu den Ermittlungen bis auf Weiteres Verschlusssache. Derweil mutmaßen diverse Medien, dass die Stadt Sanlúcar de Barrameda im Zentrum des aktuellen Geschehens gestanden habe.

Spielmanipulation? Zeitung nennt Namen

So berichtet [Seite auf Spanisch] die Online-Zeitung El Confidencial aus Madrid, dass es sich bei mindestens vier der Festgenommenen um aus dem Ort stammende Fußballer handele, die seit Jahren enge Verbindungen untereinander pflegten.

Die namentlich genannten Sportler hätten für mehrere Mannschaften der Primera División RFEF und der Segunda División RFEF gespielt und seien daher auch mit weiteren aktiven Spielern in den unteren Klassen befreundet.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der örtliche Fußballklub Atlético Sanluqueño ein Statement auf seiner Webseite veröffentlicht. In diesem erklärte der Verein, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben. Insofern sich der Verdacht gegen eigene Spieler oder mit dem Club in Verbindung stehende Personen bewahrheite, werde man die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Der Klub verurteile derartige und andere illegale Praktiken, die gegen seine und die Grundwerte des Sports verstoßen, aufs Schärfste.

Die Gruppe habe Spieler dazu gebracht, Partien gegen Bargeld zu manipulieren. Aufgrund der höheren Einflussmöglichkeiten hätten die Akteure bei Anwerbeversuchen in erster Linie auf Verteidiger und Torhüter konzentriert. Der lange Arm des Netzwerkes habe bis in die Nationalliga von Gibraltar gereicht.

Ermittlungen laufen weiter

Laut El Confidencial seien die Strafverfolgungsbehörden im Mai 2021 auf die mutmaßlichen Wettbetrüger aufmerksam geworden. Damals habe die dem Finanzministerium unterstellte Glücksspielaufsicht Dirección General de Ordenación del Juego verdächtige Wettbewegungen bei einem Drittliga-Spiel festgestellt.

Bei den Ermittlungen seien die Sonderfahnder des eingeschalteten Nationalen Polizeizentrums für Integrität im Bereich Glücksspiel und Sport (Cenpida) auf weitere potenziell manipulierte Begegnungen gestoßen.

Unter anderem die Beteiligung der internationalen Strafverfolger von EUROPOL und INTERPOL an der Operación Conífera lässt vermuten, dass es sich bei den mutmaßlichen Betrügern um mehr als ein lokales Netzwerk handeln dürfte. El Confidencial mutmaßt, dass es zur Festnahme von bis zu 20 weiteren Personen kommen könnte. Bislang haben sich weder die Betroffenen noch die Ermittler weiter zur Sache geäußert.