Russischer Angriff auf Ukraine: Solidarität und Konsequenzen aus der Glücksspiel-Industrie

Veröffentlicht am: 2. March 2022, 01:59 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. March 2022, 04:01 Uhr.

Der russische Angriff auf die Ukraine lässt auch die Glücksspiel-Industrie nicht unberührt. So zeigen sich diverse Akteure der Branche offen entsetzt und bekunden ihre Solidarität mit den Opfern durch Spenden.

Blick auf Globus Weltkarte
Die angespannte Lage der Weltpolitik macht auch vor der Glücksspiel-Industrie keinen Halt. (Quelle: pixabay.com/The Digital Way)

Das glücksspielfreundliche Malta zieht derweil eigene Konsequenzen. Am heutigen Vormittag setzte die Regierung die Prüfung von Einbürgerungsanträgen von Bewerben aus Russland und Belarus mit sofortiger Wirkung aus. Der Eliteklub „Casino Maltese“ widerrief unterdessen die Mitgliedschaft des russischen Botschafters Andrei Lopukhov.

Glücksspiel-Mekka Malta reagiert auf russischen Angriff

In einem am 25. Februar veröffentlichen offenen Brief rief ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen die maltesische Regierung dazu auf, Konsequenzen aus dem Angriff Russland auf die Ukraine zu ziehen.

So müsse die Praxis beendet werden, die es reichen Putin-Unterstützern ermögliche, sich die maltesische und somit EU-Staatsbürgerschaft mithilfe hoher Investitionen auf der Insel zu erkaufen.

Nun scheinen sich die Forderungen, die unter anderem die Daphne Caruana Galizia-Stiftung auf ihrer Webseite veröffentlichte [Seite auf Englisch], erfüllt zu haben.

Am heutigen Vormittag teilte die Regierung von Malta mit, dass es „aufgrund der jüngsten Ereignisse“ nicht mehr möglich sei Bewerbungen aus Russland und Belarus in angemessener Weise zu prüfen. Alle derartigen Verfahren seien deshalb auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

In der vergangenen Woche wies Maltas Premierminister Robert Abela einen Bericht des britischen Daily Telegraph zurück, nach dem die Insel Russland als „sanftes Einfallstor“ in den europäischen Finanzmarkt diene. So habe sich die US-Regierung bereits in einem internen Papier vom 13. Februar besorgt gezeigt, dass Putin Malta „für seine bösartigen Aktivitäten im Mittelmeerraum“ nutze.

Russischer Botschafter fliegt aus Casino Maltese

Bereits zuvor hatte der elitäre maltesische Social Club „Casino Maltese“ ein deutliches Zeichen gegen den Angriff gesetzt und den russischen Botschafter Lopukhov seiner Mitte verwiesen. Medienberichten zufolge habe der Vorstand den erst im vergangenen Oktober von Präsident Putin eingesetzten Diplomaten in einer E-Mail über seinen Ausschluss informiert.

In der in Auszügen auch an die übrigen Mitglieder versandten Nachricht habe der Vorstand das russische Vorgehen harsch verurteilt.

Putins unverhohlener Bruch internationalen Rechts und die Bereitschaft, Menschenleben zu riskieren und auszulöschen, widerspreche dem Ethos der Gemeinschaft, so das Schreiben an den Botschafter:

Aus diesen Gründen und im Geiste der Achtung der Souveränität des Staates, der Solidarität mit der Ukraine und ihrer unschuldigen Bevölkerung sowie der entschiedenen Ablehnung der Gewaltanwendung durch Präsident Putin auf fremdem Territorium setzt das Direktorium Ihre Ehrenmitgliedschaft und die Ihrer Frau Irina Lopukhova mit sofortiger Wirkung aus.

Glücksspiel-Akteure spenden für Ukraine

Während sich das glücksspielfreundliche Malta sowohl von innen als auch von außen Kritik ausgesetzt sieht, positionieren sich diverse Akteure der Branche deutlich zum russischen Angriff in der Ukraine.

So ruft unter anderem Rasmus Sojmark, Gründer und Vorsitzender des Branchenmediums SBC, die Industrie zur Solidarität mit den Opfern auf. Im Rahmen einer Spendenkampagne [Seite auf Englisch] auf der Plattform gofundme zugunsten der Flüchtlingsorganisation Choose Love erklärt er:

Die weltweite Glücksspielindustrie ist eine Familie, und in den letzten Tagen ist deutlich geworden, wie groß die Verantwortung ist, die sie bei der Unterstützung der Menschen in der Ukraine empfindet. Die meisten Organisationen beschäftigen Menschen aus dem Land oder haben in der Region Geschäfte gemacht, mit ihnen ein Getränk geteilt und vor allem Freundschaften mit ihnen geschlossen.

Binnen zwei Tagen sind so bereits über 55.000 GBP an Spenden zusammengekommen, das Ziel liegt bei 250.000 GBP.

Auch der britische Glücksspiel-Konzern Entain erklärte gestern, umgerechnet rund 60.000 EUR für die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung in der Ukraine gespendet zu haben.

Das 1994 im ukrainischen Kiew gegründete und heute auf Zypern ansässige Sportwetten-Unternehmen Parimatch hatte bereits am vergangenen Wochenende mitgeteilt, umgerechnet knapp 1 Mio. EUR für die Versorgung von Menschen in der Ukraine bereitzustellen.