Betrug in Wett­annahmestelle: Spielsüchtiger Ex-Angestellter nutzte Insider-Wissen

Veröffentlicht am: 30. März 2021, 11:35 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 30. März 2021, 11:35 Uhr.

Ein ehemaliger Angestellter des Glücksspiel-Anbieters Ladbrokes hat sein Wissen über interne Prozesse genutzt, um sich einen EuroMillions-Gewinn in Höhe von 1.500 Euro zu erschleichen. Hintergrund des Betrug, der nun vor einem irischen Gericht verhandelt wurde, war eine schwere Spielsucht, die der 24-Jährige entwickelt hatte, als er für das Unternehmen tätig war.

Gewinnscheine EuroMillions UK
Ein Mann hatte sein Ladbrokes Insider-Wissen verwandt, um ohne Schein an einen EuroMillions Gewin zu gelangen. (Symbolbild, Quelle:flickr.com/Magnus D, licensed under CC BY 2.0)

EuroMillions-Gewinn: Unterschrift statt Lottoschein

Wie lokale Medien berichten [Seite auf Englisch], habe sich Eoghan D. während der Verhandlung vor dem Bezirksgericht in Cork zutiefst reumütig gezeigt. Zum Prozess habe er zudem von sich aus 1.500 Euro mitgebracht, um seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Glücksspiel-Anbieter Ladbrokes, zu entschädigen.

Der 24-Jährige, der bislang nie juristisch auffällig geworden war, hatte bereits zuvor zugegeben, das Ladbrokes-System ausgenutzt zu haben, um sich einen Gewinn von 1.501 Euro zu erschleichen. So habe er bei seiner ehemaligen Arbeitsstelle, einer Ladbrokes-Annahmestelle in der Stadt Mahon, einen Gewinn geltend gemacht, ohne das Ticket vorzulegen.

Durch Unterzeichnung eines Formulars, mit der er den Verlust des EuroMillions-Scheins bestätigte, sei es ihm möglich gewesen, sich den vermeintlichen Lotteriegewinn auszahlen zu lassen. Weitere Details zu dem Betrug wurden nicht öffentlich.

Beim deutschen Lotto ist es nicht möglich, Gewinne ohne entsprechenden Nachweis abzurufen. Dieser muss entweder in Form der von der Annahmestelle ausgegebenen Quittung oder elektronisch in einem Online-Spielerkonto vorliegen.

Der Anwalt des Angeklagten hatte vor Gericht bestätigt, dass ein solches Vorgehen mangels Hintergrundwissen für einen gewöhnlichen Kunden kaum durchführbar gewesen wäre. Vielmehr habe sich Eoghan D. Kenntnisse aus der Zeit, in der er selbst in der Filiale gearbeitet hatte, zunutze gemacht.

„Täglich von Glücksspiel umgeben“

Motiv für die Tat, so die Verteidigung, sei die Spielsucht des Mannes gewesen, die sich während seiner Tätigkeit für Ladbrokes entwickelt habe:

Er wusste, wie das System im Wesentlichen funktionierte. Und als er dort arbeitete, entwickelte er ein Problem mit dem Glücksspiel, von dem er Tag für Tag umgeben war.

Auch nachdem der 24-Jährige den Arbeitsplatz gewechselt habe, habe er sich nicht vom Glücksspiel lösen können. Vielmehr sei sein Spielverhalten weiter außer Kontrolle geraten. So sei es nicht unüblich gewesen, dass der Mann seinen Wochenlohn bereits am Tag der Auszahlung komplett verspielt habe.

Heute arbeite Eoghan D. abseits der Glücksspielbranche und habe sein Spielverhalten im Griff. Als er von der von misstrauisch gewordenen Ladbrokes-Angestellten informierten Polizei aufgesucht worden sei, habe ihn das so sehr erschüttert, dass er nicht nur umgehend gestanden, sondern auch das Glücksspiel aufgegeben habe. Die Tatsache, dass er seine ehemaligen Kollegen belogen und betrogen habe, laste nach wie vor auf seinem Gewissen.

Das Gericht erkannte die Reue und Kooperationsbereitschaft des 24-Jährigen an und sprach ein mildes Urteil. Neben der Rückzahlung des entstandenen Schadens verurteilte es Eoghan D. zu einer Geldstrafe von 750 Euro.