Neuer Mega-Konzern in den USA? Fusion von Eldorado und Caesars geplant

Veröffentlicht am: 25. Juni 2019, 01:07 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. Juni 2019, 01:07 Uhr.

Die Casinobetreiber Caesars Entertainment und Eldorado Resorts planen eigenen Angaben zufolge, gemeinsam den größten Glücksspielkonzern der USA zu formen. Stimmen Behörden und Aktionäre zu, wird Eldorado seinen bisherigen Mitbewerber Caesars Entertainment für ein Gesamtvolumen von umgerechnet rund 15,2 Milliarden Euro übernehmen.

Caesars Palace Las Vegas
Auch das legendäre Caesars Palace ist Teil der Fusion von Eldorado und Caesars (Quelle:flickr.com, public domain)

Geld, Aktien und Schuldenübernahme

Wie Sprecher beider Unternehmen am Montag bekanntgaben, sind sich die Führungsgremien von Eldorado und Caesars einig geworden:

Ab 2020 sollen beide Häuser gemeinsam unter dem Namen „Caesars“ operieren. Hauptanteilseigner mit 51 Prozent wären die Aktionäre Eldorados. 49 Prozent der Aktien des künftigen Mega-Konzerns entfielen auf das bisherige Caesars Entertainment. Um den Deal perfekt zu machen, fehlt nur noch die Zustimmung von Aufsichtsbehörden und Aktionären.

Die Entscheidungsgewalt im kommenden Mega-Konzern will Eldorado sich einiges kosten lassen. Insgesamt soll das 1976 in Reno gegründete Unternehmen 7,2 Milliarden US-Dollar in bar und rund 77 Millionen US-Dollar in Aktien für die Übernahme des einstigen Konkurrenten bereitstellen.

Unter Einbeziehung der Schulden des seit Jahren schwächelnden Caesars summiert sich die Investition von Eldorado auf 17,3 Milliarden US-Dollar.

Ein Schnäppchen für 17,3 Milliarden US-Dollar?

Dennoch sehen Experten den Preis als verhältnismäßig niedrig angesetzt:

Mit unter 18 Milliarden US-Dollar zahlt Eldorado weniger als das Achtfache des EBITDAR der Caesars Entertainment. Dieses lag im Jahr 2018 bei rund 2,3 Milliarden US-Dollar.

Die betriebswirtschaftliche Kennzahl EBITDAR steht für „earnings before interest, taxes, depreciation, amortization, and restructuring or rent costs“.

Sie beschreibt die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens vor Einbeziehung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände sowie Kosten für Restrukturierungen und Mieten.

Zudem beinhaltet die Übernahmevereinbarung den Verkauf von Immobilien an die einst von Caesars ins Leben gerufene Investmentgesellschaft VICI Properties. Rund 3,2 Milliarden US-Dollar sollen von dem Fond, der auf Casinoimmobilien spezialisiert ist, an Eldorado fließen. Somit würde auch hier der Schuldendruck, der auf dem Unternehmen lastet, deutlich gemildert.

Großinvestor Icahn als treibende Kraft

Medienberichten zufolge suchte Caesars Entertainment bereits seit einiger Zeit nach einem Käufer. Treibende Kraft hierfür soll der Großaktionär Carl Icahn (83) gewesen sein.

Der Milliardär, der zeitweise als Sonderberater für die Regulierungsreform für US-Präsident Donald Trump tätig war, hält knapp 30 Prozent der Anteile an Caesars Entertainment.

Nachdem es Icahn im März 2019 gelang, drei der Sitze des zwölfköpfigen Caesars Vorstands mit Vertrauten zu besetzen, mehrten sich die Gerüchte um einen baldigen Verkauf des Konzerns.

Icahn gilt als sogenannter „Corporate Raider“ und hatte keinen Hehl aus seinen Verkaufsambitionen gemacht.

Sogenannte Corporate Raider werden in Deutschland auch als „Heuschrecken“ bezeichnet. Die Strategie der Finanzinvestoren besteht darin, Beteiligungen an Unternehmen zu erwerben, um die Konzerne in der Folge gewinnbringend abzustoßen.

Entweder gelingt dies durch eine Mehrheitsbeteiligung oder im Falle einer Minderheitenbeteiligung durch das Ausüben von öffentlichem Druck auf die Unternehmensleitung.

Carl Icahn soll unter anderem trotz einer Beteiligung von nur 2,5 Prozent für die Ausgliederung des Zahlungsdienstleisters PayPal aus dem Hause Ebay verantwortlich gewesen sein soll.

1987 diente Icahn als Vorbild für den skrupellosen Spekulanten Gordon Gekko in Oliver Stones Film „Wall Street“.

Atempause für Caesars-Aktionäre

Durch die angekündigte Fusion der beiden Glücksspielkonzerne können Caesars-Anleger aufatmen. Das Unternehmen hat noch immer mit den Folgen einer Übernahme durch Hedgefonds im Jahr 2008 zu kämpfen.

Caesars Entertainment Logo
Caesars Entertainment hat turbulente Jahre hinter sich (Quelle:wikipedia)

Damals hatten die Investoren TPG und Apollo Global Management 29 Milliarden US-Dollar für das aufgrund der Wirtschaftskrise ins Straucheln geratene Unternehmen bereitgestellt.

Fünf Milliarden gingen direkt an die Betreiber, der Rest sollte in den kommenden Jahren sukzessive zurückgezahlt werden.

Dies gelang nicht: Im Jahr 2015 gab Caesars seine Insolvenz bekannt und beantragte ein Sanierungsverfahren. Der Spielbetrieb in den insgesamt 50 Kasinos des Konzerns wurde nicht beeinträchtigt.

Chancen und Risiken

Mit der Übernahme durch Eldorado würde Caesars nicht nur der Schuldendruck genommen. Auch einer weiteren Expansion im derzeit im Boom begriffenen US-Sportwettenmarkt stünde nichts mehr im Wege.

Diverse Bundesstaaten verlangen im Rahmen ihrer Regulierung die physische Präsenz der aktiven Buchmacher in ihrer Region. Mit den Standorten Eldorados könnte Caesars die Staaten Ohio, Colorado, West Virginia und Florida als potenzielle neue Märkte hinzugewinnen.

Die Ankündigung der Fusion von Eldorado und Caesars erfreute die Anleger des Caesars Palace-Betreibers. Der Wert seiner Aktien stieg am Montag um 15 Prozent. Weniger begeistert zeigten sich die Eldorado-Anteilseigner: Ihr Kurs brach um sieben Prozent ein.

Hintergrund der Skepsis dürfte die Tatsache sein, dass Eldorado als verhältnismäßig kleiner Konzern bei seinen Aktivitäten maßgeblich auf Fremdkapital angewiesen ist. Sollte es in den kommenden Jahren aufgrund wirtschaftlicher Faktoren zu Schwankungen auf dem Glücksspielmarkt kommen, könnte die geplante Übernahme böse Folgen nach sich ziehen.