Um seine seine Schulden zu tilgen, hat ein Angestellter eines Autohandels in Kiel von seinem Arbeitgeber insgesamt 78.000 Euro entwendet. Jetzt wurde er für den Diebstahl vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

 

Roulette-Tisch

Casinospiel zwecks Schuldentilgung (Bild: Pixabay)

 

Mit einer glimpflichen Strafe kam der ehemalige Mitarbeiter eines Kieler Autohauses davon. Für die Veruntreuung von mehreren zehntausend Euro wurde der Mann zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Strafmildernd wirkte sich das volle Geständnis des Angeklagten aus, der seine Taten umfassend zugab. Demnach hatte er Ende 2016 während seiner Dienstzeit insgesamt 78.000 Euro entwendet. Auch die positive Zukunftsprognose des therapiewilligen Angeklagten wurde bei der Urteilsverkündung positiv berücksichtigt. Demnach will der Mann mit seiner Fachhochschulreife nun einen anderen Beruf wählen.

 

Von Dezember 2016 bis Februar 2017 hatte der Mann, der damals als Security-Mitarbeiter bei dem Unternehmen angestellt war, das Geld im Casino von Kiel verspielt. Vor Gericht gab er an, sich nicht als spielsüchtig zu bezeichnen. Eine Fachklinik, in die er zwischenzeitlich für eine Therapie überwiesen worden war, attestierte ihm jedoch eine gewisse psychische Anfälligkeit. Darunter seien auch psychotische Symptome und die Wahrnehmung übersinnlicher Phänomene.

 

Gestohlenes Geld als Casino-Startkapital geplant

Dies erklärt vielleicht die Intention des zuvor bereits mit über zehntausend Euro verschuldeten Mannes. Denn anstatt das Geld zu stehlen und zur Begleichung seiner Schulden zu nutzen, sah er die entwendete Summe als eine Art Startkapital. Das Geld wollte er demnach in der Spielbank einsetzen, um daraus ein großes Plus zu erwirtschaften. Als Ziel der geplanten Geldvermehrung wählte der Angeklagte die auf einem attraktiven Areal an der Förde gelegene Spielbank der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Nachdem seine Taktik nicht aufgegangen war, stellt der Mann seine Besuche im Casino ein und legte keinerlei auffälliges Spielverhalten mehr an den Tag.

 

Da der Angeklagte relativ schnell zum Kreis der des Diebstahls Verdächtigten zählte, kam er allerdings auch nicht mehr dazu, die gesamte Summe zu verspielen. So wurden noch 3.500 Euro des gestohlenen Geldes sichergestellt. Sie waren ganz klassisch unter dem Bett versteckt. Neben der zehnmonatigen Bewährungsstrafe wurde die Einziehung der restlichen Schadenssumme von 74.500 Euro angeordnet.

Diebstähle zur Finanzierung von Spielsucht nicht ungewöhnlich

Der Mann aus Kiel ist beileibe kein Einzelfall. So kommen vergleichsweise häufig Fälle vor Gericht, bei denen Angestellte Gelder ihrer Arbeitgeber stehlen, um ihre ausufernde Spielsucht zu finanzieren. Oft geht es dabei um sehr viel höhere Beträge, um die die Unternehmen von ihren Beschäftigten betrogen werden.

 

In diesem Zusammenhang muss sich gerade eine Frau aus Berlin vor Gericht verantworten. Die als Buchhalterin in diversen Unternehmen beschäftigte Angeklagte hatte bei dreien ihrer Arbeitgeber die stolze Summe von insgesamt 1,4 Millionen Euro unterschlagen. Im Unterschied zum Fall aus Kiel beklagt die Frau jedoch ernsthafte Spielsuchtprobleme. Zur Finanzierung ihrer Sucht veruntreute sie den Millionenbetrag, den sie bei unzähligen Sitzungen in Online Casinos verspielte.

 

Sie begann demnach bereits 2010 damit, heimlich und von der Familie unentdeckt, nachts zu spielen, bis ihr damaliges Gehalt nicht mehr ausreichte, um die Einsätze zu tätigen. 2012 sei sie dann auf die Idee gekommen, Gelder von den Konten ihrer Arbeitgeber abzuzweigen, um damit weiter in den Online Casinos zocken zu können.

 

Angesichts der Schadenshöhe kann die Frau nicht damit rechnen, ähnlich glimpflich davonzukommen. Ihr drohen bis zu vier Jahre Freiheitsstrafe und ein Strafbefehl über das veruntreute Geld.