Streit um Markenrechte: Aus für Elvis-Hochzeiten in Glücksspiel-Metropole Las Vegas?

Veröffentlicht am: 1. June 2022, 01:24 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 1. June 2022, 01:24 Uhr.

Hochzeiten mit Elvis-Imitatoren gehören zur Glücksspiel-Metropole Las Vegas wie die berühmten Casino-Resorts und einzigartigen Superstar-Shows. Nun könnte die kitschige Tradition, mit der sich jährlich auch Tausende Deutsche den Traum einer außergewöhnlichen Hochzeit erfüllen, jedoch vor dem Ende stehen.

 Elvis Imitator Las Vegas
Hochzeiten mit Elvis gehören zu Las Vegas wie Casinos und Shows (Quelle: pixabay.com/Travelink)

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge habe die Rechteverwertungsgesellschaft Authentic Brands Group (ABG), die die Hoheit über das Merchandise des King of Rock ‘n Roll besitzt, massenhaft Unterlassungsaufforderungen versandt. Die Kapellenbetreiber sollten auf jeglichen Einsatz des markenrechtlich geschützten Las-Vegas-Idols verzichten.

Heartbreak Hotel statt Viva Las Vegas?

Wie zuerst das Las Vegas Review-Journal berichtete, könnte es in den Kapellen von Las Vegas schon bald endgültig heißen: „Elvis has left the Building“. So sollen mehrere Betreiber der besonderen Hochzeitslocations Post von der Rechteverwertungsfirma ABG erhalten haben. Diese hält die Rechte an einer Vielzahl hochkarätiger Marken, darunter auch Marylin Monroe und Muhammed Ali.

Zu den Adressaten gehörten Wedding Chapels, die sich auf Elvis-Trauungen spezialisierten und/oder den King im Namen oder im Logo tragen. Unter anderem hätten die Unternehmen Viva Las Vegas/Vegas Weddings, The Elvis Chapel, Elvis Weddings und Las Vegas Elvis Chapel das Schreiben erhalten.

Die Hochzeitsindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Las-Vegas-Bundesstaates Nevada. Sie soll jährlich rund 2 Mrd. USD generieren. Allein in der Glücksspiel-Metropole gibt es 55 freistehende Hochzeitskapellen. Jede von ihnen bietet die Trauung mit Elvis-Imitator an.

In diesem, so das Review-Journal unter Berufung auf Originaldokumente, habe die ABG den Verzicht auf die Nutzung der geschützten Marken “Elvis”, “Elvis Presley” und “The King of Rock and Roll” gefordert. Die Unterlassungsaufforderung beziehe sich auf „Elvis Presleys Namen, Bildnis, Stimmenbild und anderen Elementen von Elvis Presleys Persona in Werbung, Waren und Anderweitigem“.

Hochzeit Kapelle Las Vegas
In Las Vegas gibt es Dutzende von Wedding Chapels (Quelle: pxhere.com)

Das Schreiben sei den Wedding-Chapel-Betreibern am 19. Mai zugegangen. Zur Umsetzung sei eine Frist bis zum 27. Mai gesetzt worden. Bei weiterer unbefugter Verwendung der Marken, so der unterzeichnende ABG-Jurist, werde er der Mandantschaft dazu raten, rechtliche Schritte einzuleiten. Laut Review-Journal sei bis zum Montag, dem 30. Mai keine der betroffenen Kapellen erneut seitens der Verwertungsgesellschaft kontaktiert worden.

Kapellen-Betreiber unter Schock

Unter den Kapellen-Betreibern und Elvis-Imitatoren habe der ABG-Vorstoß Schockwellen ausgesandt, so das Review-Journal. Nach den massiven Umsatzeinbrüchen aufgrund der Pandemie seien viele von ihnen gerade erst wieder auf dem Weg der Erholung. Melody Willis-Williams, die zwei der betroffenen Unternehmen leitet, zeigte sich im Statement entsetzt:

Das könnte unserer Branche sehr schaden. Die meisten von uns sind kleine Unternehmen, und wir haben es mit einer Supermacht zu tun, die sehr viel Geld hat. Die Anwaltskosten für diesen Kampf könnten uns ruinieren, wenn wir dagegen ankämpfen. Elvis-Hochzeiten sind ein Synonym für Las Vegas. Wir halten Elvis lebendig.

Die Situation erfahre weitere Dramatik, da teils jahrelang im Voraus gebuchte Elvis-Hochzeiten anstünden. Insgesamt, so Willis-Williams, ohne auf genaue Zahlen einzugehen, führten ihre Unternehmen jährlich „Tausende“ derartiger Trauungen durch.

Markenschutz oder Lizenzpoker?

Inwieweit die ABG rechtlich auf der sicheren Seite stehe und den Elvis-Trauungen in Las Vegas tatsächlich ein Ende setzen könne, müsse nun geprüft werden, so die Betreiber.

Aktuell lanciert das Unternehmen ein Elvis-Presley-Metaverse [Seite auf Englisch]. In diesem solle Fans laut Verantwortlichen eine „Reihe von bahnbrechenden Erlebnissen, generativen Sammlungen, seltenen Konzerten, Fan-Erlebnissen und echten Events“ geboten werden. Zur Zahlung dienten Elvis-NFTs.

Derweil scheint es nicht ausgeschlossen, dass es dem Rechteverwerter weniger um das Aus der Elvis-Hochzeiten in Las Vegas als um die Versilberung selbiger gehen könnte.

So läuft aktuell die Maschinerie um das neue Biopic „Elvis“ auf Hochtouren. Bei den in dieser Woche zu Ende gegangenen Internationalen Filmfestspielen von Cannes wurde der Film uraufgeführt.

Geladene Gäste und Kritik feierten das Werk von Regisseur Baz Luhrmann, das ab dem 23. Juni auch in deutschen Kinos zu sehen ist.

Sollte der Elvis-Film auch bei einem breiten Publikum derartig gut ankommen, könnte dies einen neuen Boom der Elvis-Hochzeiten in Las Vegas bedeuten. Gut möglich also, dass sich die ABG zuvor mit mutmaßlich teuren Lizenzvergaben seinen Teil des lukrativen Elvis-Geschäfts der Kapellen sichern möchte.