Philippinen: Präsident gibt Kampf gegen illegales Glücksspiel auf

Veröffentlicht am: 14. Mai 2019, 03:02 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. Mai 2019, 03:02 Uhr.

Präsident Rodrigo Duterte (74) hat bei einer Wahlkampfveranstaltung erklärt, nicht weiter gegen das Glücksspiel auf den Philippinen vorgehen zu wollen. Der Regierungschef folgt damit einem nur schwer einzuordnenden Kurs des Landes im Umgang mit On- und Offline-Glücksspiel-Angeboten.

Rodrigo Duterte
Gibt Präsident Duterte den Kampf gegen das illegale Glücksspiel auf den Philippinen endgültig auf? (Quelle:PCOO EDP, public domain)

Filipinos sollen selbst über Glücksspielteilnahme entscheiden

Laut Angaben lokaler Medien (Seite auf Englisch) erklärte der 74-jährige Duterte bei einem Wahlkampfauftritt in Pasig City, sich künftig nicht weiter mit dem Kampf gegen die illegalen Auswüchse des Glücksspiels in seinem Land beschäftigen zu wollen.

Von nun an, so der Präsident, sei es jetzt den rund 107,5 Millionen Filipinos überlassen, ob sie spielen wollen oder nicht:

Dieses Glücksspiel, ich werde mich da nicht weiter einmischen, aber nehmen Sie nicht daran teil! Ich kann es wirklich nicht kontrollieren […]  Das wird Ihre Angelegenheit sein. Ich versuche nicht, Sie zu ermutigen… Ich kann es ohnehin nicht aufhalten […].

Explizit nannte der Präsident in seinem Exkurs die auf den Philippinen äußerst beliebten illegalen Glücksspiele Jueteng und Hantak. Inwieweit der seit 2016 amtierende Politiker auch den stetig wachsenden asiatischen Online-Glücksspielmarkt bei seinem Statement im Blick hatte, ist unklar.

Bereits im Vorjahr hatte Duterte seine rigorose Haltung dem Glücksspiel gegenüber partiell aufgeweicht. Das über alle gesellschaftlichen Grenzen frequentierte lottoähnliche Zahlenspiel Jueteng halte zumindest den Geldfluss im Lande lebendig, so der Präsident damals, und erklärte, es künftig „laufen zu lassen“.

Zielrichtung unklar

Generell macht der Präsident, der für seinen höchst umstrittenen Kurs gegen die Kriminalität auf den Philippinen bekannt ist, keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen jegliche Form des Glücksspiels. Dennoch ist die Zielrichtung des Landes in diesem Kontext nicht klar zu identifizieren.

Das Glücksspiel auf den Philippinen hat eine lange Tradition und wird seit 1976 von der Glücksspielaufsicht PAGCOR geregelt.

Derzeit sind im Land mehr als 20 Casinos in Betrieb, darunter einige integrierte Resorts.

Neben weiteren legalen Angeboten wie der staatlichen Lotterie, Pferderennen und Hahnenkämpfen erfreuen sich auch diverse Straßenspiele größter Beliebtheit. Die Teilnahme ist Einwohnern der Philippinen ebenso verboten wie der Besuch von Online Casinos.

Während es Betreibern von Online Glücksspiel unter Strafe verboten ist, ihre Angebote für Bewohner der Philippinen zu öffnen, vergibt die Aufsichtsbehörde Philippines Amusement and Gaming Corporation (PAGCOR) Glücksspiellizenzen im sogenannten Philippine Offshore Gambling Operator (POGO) Programm.

Die Konzessionen beziehen sich auf von den Philippinen aus betriebene Online Casinos für andere Länder und bringen dem Land dem Vernehmen nach gutes Geld ein:

Allein die Bewerbung um eine der Offshore Lizenzen soll Casino-Anbieter rund 50.000 US-Dollar kosten, bei Sportwettenangeboten würden 40.000 US-Dollar fällig.

Werde die Bewerbung akzeptiert, könnten die Betreiber mit weiteren Gebühren in Höhe von 150.000 bis 200.000 US-Dollar rechnen.

Ausländische Online-Betreiber unter Druck

Neben der Vergabe offizieller Lizenzen erhöht die Regierung seit kurzem den Druck auf nicht-lizensierte und ausländische Anbieter: In den vergangenen Monaten machten vermehrt Razzien in Bezug auf illegales Glücksspiel im Onlinesektor Schlagzeilen.

Im Fokus der Ordnungshüter stehen zudem meist chinesische Betreiberfirmen, die zwar legal im Land operieren, aber ihre ausländischen Mitarbeiter nicht ordnungsgemäß auf den Philippinen anmelden.

Offiziellen Schätzungen zufolge sollen derzeit rund 67.000 Nicht-Filipinos bei 165 POGOs angestellt sein. Knapp 88 Prozent von ihnen stammen aus China. Mit der nun angestrebten ordentlichen Klassifizierung der Arbeiter erhofft sich das Land Steuermehreinnahmen in Höhe von rund 420 Millionen US-Dollar.

Neue Projekte kurzfristig gestoppt

Boracay, Philippinen
Ein Projekt auf der Insel Boracay wurde kurzfristig vom Präsidenten gestoppt (Quelle:Magalhães, gemeinfrei)

Und auch im Offline Sektor des Glücksspiels sendet das Land widersprüchliche Signale.

Obwohl die Philippinen immer wieder Interesse bekunden, ihren Glücksspieltourismus auszubauen und auf Augenhöhe mit asiatischen Zielen wie Macau und Singapur operieren zu wollen, untersagt seit Beginn 2018 ein Moratorium Dutertes die Errichtung neuer Casino-Resorts im Land.

Ungeachtet dessen vergab die PAGCOR kurz nach Inkrafttreten der Vorgabe zwei weitere Lizenzen zur Errichtung von Casinos.

Kurz nach Baubeginn eines der beiden Projekte erklärte Präsident Duterte persönlich, dass an dessen potenziellem Standort auf der Insel Boracay nicht gebaut werden dürfe.

Das zweite Projekt, ein 1,5 Milliarden-Resort in Manila, wurde bereits am Tag seiner Verkündung wieder abgesagt. Ob es für die Projekte eine Zukunft gibt, ist ungewiss.

Welche Konsequenzen die neueste Einlassung von Präsident Duterte für die Filipinos und den Glücksspielmarkt des Landes für Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist bislang unklar.

Möglicherweise stellt sie aber die Weichen für weitreichende Veränderungen, mit denen sich die Philippinen ein größeres Stück des stetig wachsenden Glücksspiel-Kuchens im asiatischen Raum sichern könnten.