Die Entscheidung ist gefallen: Die EM 2024 kommt nach Deutschland

Veröffentlicht am: 28. September 2018, 10:19 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. September 2018, 11:04 Uhr.

Gestern hat UEFA Präsident Aleksander Ceferin in Nyon, Schweiz, verkündet, dass die Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2024 in Deutschland ausgetragen werden soll.

Ball und deutsche Fahne
Die EM 2024 kommt nach Deutschland (Bild: pixabay.com)

Bei der Abstimmung entschieden sich 12 Mitglieder des Exekutivkomitees der UEFA für Deutschland, 4 für die Türkei und ein Mitglied hat sich enthalten oder seine Stimme war ungültig. Genaueres scheint nicht bekannt zu sein. Die Wahl erfolgte geheim mit einem Punktesystem.

Das Exekutivkomitee setzte sich zusammen aus:

UEFA Präsident: Alexander Ceferin (Slowenien)

UEFA Vizepräsidenten: Karl-Erik Nilsson (Schweden), Fernando Gomes (Portugal), Grigori Surkis (Ukraine), Michele Uva (Italien), David Gill (England)

UEFA Exekutivkomitee: Zbigniew Boniek (Polen), Sandor Csanyi (Ungarn), John Delaney (Irland), Peter Gillieron (Schweiz), Florence Hardouin (Frankreich), Borislaw Michajlow (Bulgarien), Juan Luis Larrera Sarobe (Spanien), Davor Suker (Kroatien), Michael van Praag (Niederlande), Andrea Agnelli (Italien), Ivan Gazidis (Südafrika/Großbritannien)

Nachdem die Entscheidung des Komitees gefallen war, lief eine Welle der Erleichterung durch die deutsche Delegation, bestehend aus dem DFB Präsidenten Reinhard Grindel, dem künftigen EM Botschafter und ehemaligen Nationalspieler Philipp Lahm und Nationaltrainer Joachim Löw.

Der Moment der Entscheidung

Nach der Europameisterschaft 1988 wird Deutschland nun zum zweiten Mal eine EM ausrichten. Nun hofft der DFB auf eine Wiederholung des Sommermärchens bei der WM 2006, zumal die deutsche Elf bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland eine herbe Niederlage einstecken musste.

Die WM 2006 wurde in Deutschland ausgetragen und war ein voller Erfolg. Die guten Witterungsbedingungen sowie die begeisterten Zuschauer sorgten für eine gute Atmosphäre.

In Anlehnung an „Deutschland, ein Wintermärchen“, einem Gedicht von Heinrich Heine, wurde die WM 2006 als „deutsches Sommermärchen“ bezeichnet.

Italien holte sich 2006 den Weltmeistertitel im Endspiel gegen Frankreich, Deutschland belegte den dritten Platz.

Grindel bedankte sich nach Bekanntgabe für das Vertrauen und sagte:

„Ich spüre Verantwortung. Ich weiß, was dieses Turnier, die EM 2024, für die UEFA bedeutet und wir werden ab morgen alles dafür tun, den Erwartungen gerecht zu werden. Ich freue mich aber auch, dass wir mit unseren Argumenten, mit unserem Konzept, gezeigt haben, dass man eine solche Bewerbung erfolgreich gestalten kann. Und es zeigt, dass Transparenz und Offenheit […] zu so einem Erfolg beitragen können, und das erfüllt mich mit großer Freude.“

Wo wird 2024 gespielt?

Bereits vor einem Jahr hat der DFB festgelegt, wo die Spiele im Falle einer Entscheidung für Deutschland ausgetragen würden. Die Mannschaften werden sich in den Stadien der Hauptstadt Berlin, in Frankfurt/Main, Gelsenkirchen, München, Düsseldorf, Dortmund, Leipzig, Köln, Hamburg und Stuttgart begegnen.

Insgesamt werden 51 Spiele ausgetragen, die voraussichtlich 2,78 Millionen Zuschauer live verfolgen werden. Weiterhin sind zahlreiche große Fanmeilen geplant, auf denen die Fans vor riesigen Monitoren ihre Mannschaften unterstützen können.

Reaktionen aus Politik und Sport

Cem Özdemir
Cem Özdemir freut sich über Entscheidung. (Bild: flickr.com)

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat ist ebenfalls sehr erfreut über den Zuschlag. Innenminister Horst Seehofer gab seine Freude in einem Tweet zum Ausdruck und sagte, dass die Vergabe der Fußball EM nach Deutschland ein toller Erfolg für den DFB und ganz Sportdeutschland sei.

Er fügte hinzu, dass die deutsche Bewerbung mit ihrem weltoffenen und verlässlichen Ansatz überzeugt habe. Er freue sich bereits jetzt auf ein großes und friedliches Fußballfest.

Cem Özdemir, Bündnis 90/die Grünen, sagte noch vor der Entscheidung:

„Also, ich würde es den Fans in der Türkei auch gönnen. Die Türkei hat sich mehrfach vergeblich beworben. Die Fans hätten es sicherlich verdient, das Regime allerdings nicht, da bin ich sehr klar.“

Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses twitterte Özdemir;

„Hammer! Die #EM2024 findet in Deutschland statt. Lasst uns Europa willkommen heißen und gemeinsam wettstreiten. Feiern vereint in Vielfalt, Sportsgeist und Menschenrechten!“

Bundestrainer Jogi Löw sagte, dass alle sehr aufgeregt gewesen seien, aber jetzt seien sie glücklich und es werde alles getan, um eine großartige EM auszurichten.

Die wichtigsten Aspekte für die Entscheidung des Komitees

Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die UEFA mit ihrer Entscheidung auf sicherem Boden bewegen wollte, denn Deutschland verfügt über eine ausgebaute und gut funktionierende Infrastruktur und steht auch wirtschaftlich gut da. Auch die Stadien werden bei den Spielen voraussichtlich gut gefüllt sein.

Weiterhin ist sicher, dass auch nach der EM 2024 die Stadien weiterhin genutzt werden, ganz im Gegensatz zu der Ukraine, Brasilien und Griechenland, wo Stadien nach den Spielen ungenutzt verfallen könnten.

Ausschlaggebend könnte ebenfalls gewesen sein, dass Deutschland für seine gute Organisationsfähigkeit bekannt ist. Ob die Entscheidung auch so eindeutig ausgefallen wäre, wenn sich die Türkei nicht mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert sähe, ist unklar.

Die Reaktion in der Türkei

Nach den Bewerbungen um die EM 2008, 2012 und 2016 war die Türkei nun ein weiteres Mal erfolglos. Der türkische Verband hatte im April 2018 die entsprechenden Unterlagen vorgelegt.

Allerdings folgten wenige Tage vor der Nominierung des vorläufigen EM Kaders Berichte in der Presse, die die umstrittenen Fotos mit den deutschen Nationalspielern Özil und Gündogan zeigten. Es folgten monatelange Diskussionen. Am Ende schied Özil aus der deutschen Nationalmannschaft aus.

Die Trennung des Deutschtürken von seiner Mannschaft verlief ebenfalls nicht problemlos, denn Özil warf Grindel vor, rassistisch und respektlos zu sein.

Nun steht fest, dass die EM 2024 wieder nicht in der Türkei stattfinden wird. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt, vor allem bei der türkischen Presse. Die Zeitungen TRT Spor, Fotomac, Fanatic und Hürriyet ließen durchblicken, dass man mit der Entscheidung nicht einverstanden sei.

So stand beispielsweise in Hürriyet, dass man in Deutschland den „Rassismus gegen Mesut Özil und Ilkay Gündogan ignoriert“ habe. Auch Sportminister Mehmet Kasapoglu äußerte sein Missfallen und sagte:

“Dass die UEFA trotz all unserer Stärken die EM nicht an unser Land vergeben hat, ist eine traurige Situation – für die UEFA und die EURO 2024.”

Warum die EM nicht in der Türkei ausgetragen wird

Mezud Özil
Affäre um Özil sorgte für negative Schlagzeilen. (Bild: wikipedia.org)

Der Grund dafür, dass Deutschland und nicht die Türkei das Gastgeberland für die EM 2014 sein wird, liegt allerdings nicht daran, dass sich Özil und die Nationalmannschaft entzweit haben.

Vielmehr wurde laut des vor einer Woche veröffentlichten Evaluierungsberichts der UEFA negativ bewertet, dass in der türkischen Bewerbung das „Fehlen eines Aktionsplans in Sachen Menschenrechte“ problematisch sei.

Darüber hinaus sieht die UEFA aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung in der Türkei die Gefahr, dass das Land die notwendigen Arbeiten hinsichtlich der Infrastruktur nicht bewerkstelligen könne, zumal der Zeitrahmen recht knapp bemessen ist.

Es ist ebenfalls möglich, dass Erdogan selbst das Problem sein könnte. Berichte über politische Gefangene, manipulierte Medien und eine Opposition, die stark unter Druck steht, sind natürlich auch der UEFA bekannt.

Doch der türkische Präsident gibt nicht auf. Bereits jetzt soll er angekündigt haben, dass die Türkei sich um die Olympischen Winterspiele bewerben werde, die in Erzurum ausgetragen werden könnten. Dies wird jedoch erst 2019 entschieden.

EM 2024 – eine neue Chance?

Was wäre geschehen hätte die Türkei den Zuschlag erhalten? Möglicherweise wäre die Kritik an Reinhard Grinden und dem DFB wieder lauter geworden. Es hätte vielleicht auch Rücktrittsforderungen Grindel gegenüber gegeben, wie sie bereits nach der Özil-Affäre und dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalelf hörbar waren.

Friedrich Curtius, Generalsekretär des DFB, sagte dazu:

“Es ist leider normal, dass im Falle eines Misserfolgs wieder Struktur- und Personaldiskussionen geführt werden, auch wenn dies vielleicht nicht immer gerecht ist.”

Kann sich die deutsche Mannschaft den Titel holen? Sicher ist die Messlatte sehr hoch und auch die Zeiten haben sich geändert, sowohl auf dem Fußballplatz als auch sportpolitisch.

Vieles ist misslungen, angefangen bei der Affäre um Özil, über die Proteste der Fans gegen die Kommerzialisierung des Fußballsports bis hin zur blamablen Niederlage bei der WM 2018 in Russland.

Die EM 2024 ist eine gute Chance für Deutschland und den Fußballsport, vieles wieder ins rechte Licht zu rücken. Allerdings wird dafür eine gute Mannschaft benötigt. Glücklicherweise ist bis dahin noch genügend Zeit.