Nach neun Monaten Pause: China vergibt wieder Videospiel-Lizenzen

Veröffentlicht am: 12. April 2022, 12:01 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. April 2022, 12:48 Uhr.

Für Gaming-Entwickler und -Fans in China steht das Ende einer neunmonatigen Durststrecke bevor. Einem Reuters-Bericht [Seite auf Englisch] zufolge erklärte die zuständige chinesische Kontrollbehörde am Montag, Lizenzen für 45 neue Videospiele erteilt zu haben.

Videospiel, Controller Hände
Videospiele sind auch in China sehr populär (Bild: Pixabay)

Die Lizenzen sind für die Hersteller Voraussetzung, um ihre Games in China auf den Markt bringen zu können. Unter den Lizenznehmern befinden sich laut Reuters mit Baidu und XD Inc. Große chinesische Entwicklerstudios, die sehnsüchtig auf die Veröffentlichung ihrer Gaming-Titel gewartet haben dürften.

Zu den weiteren Begünstigten zählten bekannte chinesische Studios wie Yoozoo Games, iDreamSky und G-bits Network. Neue Videospiele, die in den USA oder Europa unter Gamern populär seien, befänden sich nicht darunter.

China ist der weltweit größte Markt für Videospiele. Beobachter schätzen, dass die Gaming-Umsätze in diesem Jahr auf über 61 Mrd. Euro steigen dürften. Damit entfalle knapp ein Drittel der globalen Umsätze auf das Reich der Mitte.

Im Juli vergangenen Jahres hatten die Behörden die Lizenzvergabe für Videospiele ausgesetzt. Dieser Schritt hatte bei IT-Konzernen wie Tencent zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt. Chinesische Medien berichteten zudem, dass der Stopp zur Schließung von etwa 14.000 kleineren Studios geführt habe.

Teil der Anti-Gaming-Kampagne

Als Grund für die Aussetzung hatten Chinas Gaming-Regulatoren einen besseren Schutz der meist jugendlichen Spieler angegeben. Die negativen Auswirkungen des „geistigen Opiums“ müssten zurückgedrängt werden, so die Aufseher.

Im September wurde Entwicklern untersagt, „unmännliche“ Charaktere, „verweichlichende Inhalte“ oder die „Verherrlichung von Geld“ in ihren Games auftauchen zu lassen. Bei Verstößen droht Unternehmen seitdem der Lizenzentzug.

Das rigide Vorgehen der chinesischen Behörden gegen den Gaming-Bereich zeigt sich auch anhand anderer Maßnahmen. So dürfen Minderjährige seit vergangenem August wöchentlich nur noch höchstens drei Stunden mit Videospielen verbringen.

Branchenexperten gehen davon aus, dass die Regulierungsbehörde in den kommenden Monaten weitere Lizenzen freigeben könnte. Bis Ende des Jahres, so die Schätzung, könnten auf diese Weise zwischen 500 bis 700 zusätzliche Spiele auf den Markt kommen.

An der Börse reagierten die Händler schon jetzt erfreut. Nach Bekanntgabe der Vergabe stiegen die Kurse von Firmen wie NetEase um bis zu 8 %. Ob der neue Lizenzierungsprozess weitere Erleichterungen für die Gaming-Branche in China nach sich zieht, müssen die kommenden Monate zeigen.