Britischer Spielsüchtiger betrog seinen Arbeitgeber um 3,9 Mio. Pfund

Veröffentlicht am: 21. November 2018, 12:00 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. November 2018, 12:48 Uhr.

Ein 37 Jahre alter Brite hat seine Firma jahrelang betrogen, um seine Glücksspiel-Aktivitäten zu finanzieren. Der spielsüchtige Paul Hawkridge hat in dem Unternehmen insgesamt 3,9 Millionen Pfund unterschlagen, um das Geld zu verzocken und für andere eigene Zwecke auszugeben. Ein Gericht verurteilte ihn nun zu einer Haftstrafe von sechs Jahren.

Gerichtssaal
Paul Hawkridge wurde vom Gericht zu 6 Jahren verurteilt (Bild: Pixabay)

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte über Jahre hinweg große Summen von Firmenkonten in eigene Kanäle abgezweigt hatte, um seine Spielsucht zu finanzieren. Doch die Millionen flossen nicht nur in die Zockerei, denn Hawkridge gab darüber hinaus viel Geld für seinen Lebensstil und zur beschleunigten Abzahlung der Hypothek auf sein Haus aus.

Doch das betrügerische Verhalten hatte nicht nur Auswirkungen auf den Betroffenen selbst. Durch seine Unterschlagungen brachte der Mann die Firma, in der er beschäftigt war, seit er 18 Jahre alt war, in schwere finanzielle Bedrängnis.

Die finanzielle Schieflage wurde durch die Betrügereien von Paul Hawkridge derart gravierend, dass die Orient Worldwide Shipping Firma letztendlich sogar Insolvenz anmelden und schließen musste. Die Folge: 30 Menschen verloren ihre Jobs.

Seit seiner Jugend bei der Firma beschäftigt

Paul Hawkridge
Paul Hawkridge (Bild: Essex Police)

Der Familienbetrieb hatte den jungen Mann seit knapp 20 Jahren unterstützt, ihm unter anderem die Studiengebühren bezahlt und ihn nach seinem Abschluss fest eingestellt. Doch im Jahr 2016 tauchten bei einer steuerlichen Prüfung finanzielle Unregelmäßigkeiten auf.

Die hinzugezogenen Ermittler stellten fest, dass Hawkridge bereits seit 2011 Geld aus der Unternehmenskasse gestohlen hatte, indem er Zahlungen an die Firma auf eigene Konten umleitete. Der Mann wurde daraufhin festgenommen und in diesem Jahr vor Gericht gestellt.

Dort gestand er den Betrug und plädierte auf schuldig. Das Gericht in Basildon, England, verurteilte ihn daraufhin am Dienstag zu sechs Jahren Haft wegen Betrugs und drei Jahren wegen Geldwäsche, die allerdings nicht auf das Strafmaß angerechnet werden.

“Arglistige Täuschung und Hinterhältigkeit”

Die Richter erklärten das harte Urteil mit der Hinterhältigkeit des Angeklagten. Er habe einen familiär geführten Betrieb arglistig getäuscht und dabei nicht davor zurückgeschreckt, die Arbeitsplätze und soziale Absicherung Dutzender seiner Kollegen zu gefährden.

Auch die ermittelnde Beamtin von der Polizei in Essex, Angie Coxon, zeigte sich erschüttert über das Vergehen:

“Hawkridges Betrügereien waren egoistisch, berechnend und hinterhältig. Er stahl Millionen von demselben Arbeitgeber, der ihn in jungen Jahren unter seine Obhut genommen und seitdem stets finanziell und emotional unterstützt hat. Er hat diese Firma zerstört und seine ehemaligen Kollegen traumatisiert und arbeitslos gemacht.”

Die Ermittler hoffen nun, wenigstens Teile des unterschlagenen Geldes aus den bestehenden Vermögenswerten des Verurteilten sicherzustellen, um den Schaden etwas zu lindern.

Paul Hawkridge ist nicht der ersten Betrüger, der seinen Arbeitgeber bestiehlt, um seine Spielsucht zu finanzieren. Erst letzte Woche wurde der britische Grenzbeamte Simon Pellett verurteilt (Artikel auf Englisch), weil er gemeinsam mit seinen Komplizen versucht hatte, Waffen und Drogen im Wert von 3,5 Millionen Pfund ins Land zu schmuggeln.

Obwohl seine Anwälte zur Verteidigung ihres Mandanten dessen Glücksspiel-Probleme hervorhoben, wurde der Mann von den Richtern wegen der Schwere des Delikts zu einer Haftstrafe von 23 Jahren verurteilt.

Spielsucht in Großbritannien

Pferderennen
Pferdewetten sind sehr beliebt (Bild: Pixabay)

Der Umfang des Betrugs von Paul Hawkridge mag wohl eher die Ausnahme sein, doch in ganz Großbritannien sind spielsüchtige Menschen mit ähnlichen Problemen konfrontiert: Das Glücksspiel bringt sie in arge finanzielle Nöte, die auch Familienangehörige und Freunde in Mitleidenschaft zieht.

Glücksspiel ist in Großbritannien weit verbreitet. So geben 57 % der Briten über 16 Jahren an, schon einmal gezockt zu haben. 28 % der Bevölkerung spielen sogar mindestens einmal die Woche, wobei Spielautomaten und Sportwetten in der Popularität weit vorne liegen.

Ihr Glücksspiel-Hobby wird für 1,2 % der Spieler zum Problem, denn sie zählen nach Angaben der britischen Aufsichtsbehörde für das Glücksspiel (Gambling Commission) zu den Spielsüchtigen. Insgesamt haben 3,7 % der Bevölkerung Probleme mit ihrem Glücksspiel-Verhalten.

Auch Jugendliche zocken immer mehr

Das problematische Spielverhalten grassiert quer durch sämtliche Altersschichten und macht auch vor Studenten und Jugendlichen nicht halt. Ganz im Gegenteil, denn jüngste Studien belegen, dass sich die Anzahl der spielsüchtigen Minderjährigen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren in nur 24 Monaten vervierfacht hat.

Eine Erhebung der Gambling Commission führte zutage, dass in dem Land inzwischen über 50.000 Jugendliche ein problematische Spielverhalten aufweisen. Doch damit nicht genug, denn weitere 70.000 Minderjährige laufen Gefahr, in die Spielsucht abzudriften.

Obwohl Glücksspiel für Menschen unter 18 Jahren in Großbritannien illegal ist, verzocken schätzungsweise 450.000 Jugendliche allwöchentlich durchschnittlich 16 Pfund an Spielautomaten, beim Bingo oder in Wettbüros. Diese hohe Zahl lässt befürchten, dass viele von ihnen später mit ähnlichen Problemen wie der nun verurteilte Paul Hawkridge konfrontiert werden – mit unabsehbaren Folgen für ihre Mitbürger.