Wire Act: US-Justizministerium gibt Unternehmen 90 Tage Zeit, um neuen Regularien zu folgen

Veröffentlicht am: 17. Januar 2019, 02:21 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. Januar 2019, 04:20 Uhr.

US-Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein hat am Dienstag zur Neuinterpretation des Wire Act Stellung genommen. Die veränderte rechtliche Bewertung könnte dazu führen, dass der Wire Act neben Sportwetten zukünftig auch Online-Glückspiel umfasst.

Das Hauptquartier des US-Justizministeriums in Washington D.C. (Quelle: Wikipedia)

Laut Rosenstein wird das US-Justizministerium Unternehmen eine Frist von 90 Tagen einräumen, in denen sie ihre Operationen gemäß den rechtlichen Rahmenbedingungen des am 2. November 2018 fertiggestellten Rechtsgutachtens zum 1961 eingeführten Wire Act anpassen können.

Das Gutachten (Link auf Englisch) des Office of Legal Council des US-Justizministerium bejaht die Anwendbarkeit des Wire Act über die Grenze von Sportwetten hinaus.

Es revidiert damit eine rechtliche Position aus dem Jahre 2011, wonach die gesetzlichen Verbote des Wire Acts nicht auf andere Formen des Glücksspiels anwendbar seien.

Rechtsexperten rechnen nun mit einer Klagewelle gegen die Entscheidung der Behörde.

Der Wire Act

American Football zählt zu den beliebtesten Wettsportarten der USA (Quelle: Pixabay)

Der Wire Act, der im Jahre 1961 von Präsident John F. Kennedy unterzeichnet wurde, ist ein Bundesgesetz und Teil des Titel 18 des United States Code.

Das Strafgesetz untersagt Wettanbietern die interstaatliche Nutzung von Telekommunikations- und Datenübertragungstechnologie zum Zwecke des Abschlusses von Wetten, der Weitergabe wettbezogener Informationen und Finanztransaktionen. 

Ziel des Gesetzes war es, das organisierte Verbrechen in den USA daran zu hindern, illegale Sportwetten über Bundesstaatsgrenzen hinweg zu organisieren.

Die Folgen der Ausweitung des Wire Act

Das am Montag veröffentlichte Rechtsgutachten des Justizministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika, welches die Anwendbarkeit des Wire Act für alle Formen interstaatlichen Glücksspiels affirmiert, könnte substanzielle Folgen für legal in den USA operierende Glücksspielunternehmen haben.

Sollte das US-justizministerium den Inhalt des neuen Rechtsgutachtens in die Praxis umsetzen, könnte davon jedwede Form von Online-Glücksspiel betroffen sein.

Anbieter von Online-Sportwetten, Online-Casinospielen, Fantasy Sports und Lotterien, die in einigen Staaten der USA lizenziert sind, würden dann vor schwierige Herausforderungen gestellt.

Gemeinsame Spieler-Pools, wie sie die Online-Poker-Anbieter in Delaware, Nevada und New Jersey teilen, dürften nach konsequenter Umsetzung des neuen Gutachtens nach Ablauf der 90-tägigen Frist nicht länger existieren.

Da der Wire Act Finanztransaktionen tangiert, müssten sich auch Zahlungsdienstleister auf die neuen Bedingungen einstellen.

Die Auswirkungen auf Finanzdienstleister

Finanzdienstleister wie Banken und Kreditkartenfirmen wurden in den letzten Jahren in den USA auf eine harte Probe gestellt.

Sowohl durch den Wire Act als auch durch den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) wird den Institutionen untersagt, Zahlungen zwischen Privatpersonen und unlizenzierten Online-Glücksspielseiten durchzuführen.

Doch selbst auf legale Online-Glücksspielseiten können Kunden mit Konten bei Chase, Wells Fargo und American Express nicht mehr einzahlen. Als Begründung gaben die Banken hohe, mit Glücksspielverlusten verbundene Kreditkartenrechnungen und Auseinandersetzungen mit Kunden an.

Das große Warten

Rosenstein
US Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein (Quelle: Wikipedia)

Obwohl das US-Justizministerium mit seiner 90-Tage-Frist eine Drohkulisse gegenüber Online-Glücksspielanbietern aufgebaut hat, ist nicht sicher, ob die Behörde nach Ablauf der Frist unmittelbar gegen betroffene Betreiber vorgehen wird.

Gegen ein sofortiges Handeln sprechen gleich mehrere Gründe. Zum einen könnte sich das US-Justizministerium einer Welle von Klagen ausgesetzt sehen, zum anderen ist bisher unklar, welche neuen Unternehmenspraktiken Online-Glücksspielbetreiber überhaupt implementieren müssten, um der Neuinterpretation des Wire Act gerecht zu werden.

Auch gerichtlich könnte dem US-Justizministerium eine Schlappe drohen. Bereits im Jahre 2002 beschäftigte sich das 5. US-Bezirksberufungsgericht mit der Frage, ob der Wire Act auf andere Wettformen als Sportwetten anwendbar sei. Das Gericht kam zu dem Urteil, dass das Gesetz ausdrücklich auf Sportwetten begrenzt ist.

Das sind die Befürworter des Wire Act

Unterdessen hat die Meldung der Entscheidung des US-Justizministeriums nicht überall für hängende Köpfe gesorgt.

Gegner des Online-Glücksspiels begrüßten die Neuinterpretation des Wire Act. Darunter die Coalition to Stop Internet Gambling.

Die Vereinigung, der nachgesagt wird, von Casino-Mogul Sheldon Adelson gesponsort zu werden, sieht in der Ausweitung des Wire Act eine wegweisende Maßnahme, um alle Bevölkerungsgruppen vor den negativen Auswirkungen des Online-Glücksspiels zu schützen.

Kritik von Liberalen

Eine weitere mögliche Einschränkung des amerikanischen Online-Glücksspielmarktes durch den Wire Act hat auch liberale Kommentatoren in den USA beschäftigt.

Michelle Minton, Senior Fellow am Competitive Enterprise Institute, kommentierte das Vorgehen des US-Justizministeriums scharfzüngig.

In einem Kommentar, der auf der Website des Institutes veröffentlicht wurde, schrieb Minton:

„Anstatt das Online-Glücksspiel zu legalisieren, wie es die Gesetzgeber in New York, Kalifornien und anderen Bundesstaaten seit Jahren debattieren, werden sich die Staaten wahrscheinlich zurücklehnen und auf Klarheit des Justizministeriums oder der Gerichte warten, bevor sie Energie verschwenden und Regeln für einen Markt entwickeln, der vielleicht niemals legal wird.“

Es ist tatsächlich fraglich, ob die Sanktionierung des Online-Glücksspielmarktes mit den Grundlagen einer freien Marktwirtschaft vereinbar ist, die in den USA weithin als Grundlage für Demokratie und Wohlstand angesehen wird.