Spielmani­pulation und Wettbetrug: Sportradar meldet Rekordzahlen

Veröffentlicht am: 4. March 2022, 12:22 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. March 2022, 12:22 Uhr.

Der Schweizer Anbieter von Sportintegritätslösungen Sportradar hat am Donnerstag seinen Jahresbericht 2021 [Seite auf Englisch] veröffentlicht. Insgesamt seien im letzten Jahr 903 Fälle von „verdächtigen Wettaktivitäten“ im Profisport von Sportradars Universal Fraud Detection System (UFDS) gemeldet worden. Dies sei der höchste Stand in der 17-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Sportarten, Statistik
Die meisten Fälle von Spielmanipulation gibt es im Fußball. (Pressebild Sportradar)

Sportradar hob in seinem Bericht „Betting Corruption and Match-fixing in 2021“ hervor, dass 903 verdächtige Wettaktivitäten in zehn Sportarten in 76 Ländern aufgetreten seien. Dies entspreche einem Anstieg von 2,4 % im Vergleich zum bisherigen Höchststand von 882 Verdachtsfällen im Jahr 2019.

1,45 Billionen Euro Wetteinsätze weltweit im Jahr 2021

Die Zunahme verdächtiger Aktivitäten sei zusammen mit den Rekordhöhen bei weltweiten Sportwetten-Umsätzen entstanden, die laut Sportradar im Jahr 2021 mehr als 1,45 Billionen Euro betragen hätten. Davon seien 745 Mrd. Euro auf den Fußball entfallen, was 51 % des Gesamtumsatzes entspreche. Tennis folge mit 190 Mrd. Euro und Basketball mit 185 Mrd. Euro.

Dem Bericht zufolge seien letztes Jahr rund 165 Mio. Euro an Wettgewinnen aus Spielmanipulationen erwirtschaftet worden. Syndikate der organisierten Kriminalität finanzierten sich durch Einnahmen aus Wettbetrug. Diese könnten damit wiederum andere illegale Aktivitäten finanzieren. Die Gesamtsumme, die im vergangenen Jahr durch Wettkorruption generiert worden sei, schätze Sportradar sogar noch höher ein, da die vorliegenden Daten keine anderen potenziellen illegalen Aktivitäten wie Geldwäsche enthielten.

Wettmanipulation: Fußball ist Spitzenreiter

Aus dem Bericht geht hervor, dass Fußball mit einem von 201 Matches die höchste Häufigkeit verdächtiger Spiele aufweise. Besonders stark betroffen seien die dritte Liga sowie der Regional- und Jugendfußball. In Kooperation mit seinen Partnern habe Sportradar im Fußball und im Tennis 65 Sanktionen unterstützt. Davon seien 46 rein sportliche Sanktionen und 15 strafrechtliche Sanktionen.

Vier Sanktionen hätten sowohl strafrechtliche als auch sportbezogene Konsequenzen nach sich gezogen. Acht Athleten seien lebenslange Sperren auferlegt worden.

Der Managing Director von Sportradar Integrity Services, Andreas Kranich, rechne im Jahr 2022 mit einer ähnlichen Anzahl verdächtiger Spiele. Eine kurzfristige Lösung für das Problem der Spielabsprachen gebe es nicht.

Kranich erläuterte:

Mit der Entwicklung des Marktes hat sich auch die Bedrohung durch Spielmanipulationen weiterentwickelt. Jetzt gehen die potenziellen Korrumpierer immer direkter an Spielmanipulationen und Wettbetrug heran, indem sie die Sportler direkt über Social-Media-Plattformen ansprechen.

Sportradar glaube auch weiterhin an seinen Ansatz des Schutzes der Integrität des Sports durch die Überwachung der Wettaktivitäten und das Sammeln von Informationen. Dies führe nachweislich zu Sanktionen all jener, die an Spielmanipulationen beteiligt seien.

Doch auch präventive Maßnahmen wie Aufklärung von Sportlern und Interessenvertretern seien von entscheidender Bedeutung im langfristigen Kampf gegen Spielmanipulation.