Österreich: AdvoFin AG reicht Sammelklage gegen Online Casinos ein

Veröffentlicht am: 13. Mai 2019, 01:15 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. Mai 2019, 01:15 Uhr.

Am Wochenende berichtete die österreichische Zeitung „Kurier“, dass die Prozessfinanzierung AdvoFin AG eine Sammelklage gegen Online Casinos einreichen werde. Da die vielen internationalen Glücksspiel-Plattformen in Österreich illegal seien, könnten österreichische Spieler ihre verlorenen Einsätze zurückfordern.

Richterhammer
Klage gegen Online Casinos in Österreich (Bild: MaxPixel)

„Tatort Österreich“

Österreich ist für Online Glücksspiel Anbieter ein äußerst lukrativer Markt geworden, denn ebenso wie die Deutschen spielen auch die Österreicher gern in Online Casinos oder geben online Sportwetten ab. Zur Auswahl stehen dabei Tausende Websites, die mit guten Quoten, Bonusgeldern oder riesiger Spielauswahl locken.

Laut Angaben der österreichischen Prozessfinanzierung AdvoFin AG verspielen die Österreicher dabei jeden Tag gut 400.000 Euro. Auf das Jahr gerechnet machen die Anbieter zusammengerechnet insgesamt 144 Mio. Euro Gewinn in Österreich allein. Was vielen Spielern dabei nicht klar ist: Alle ausländischen Online Casinos in Österreich sind illegal.

AdvoFin hat sich genau diese rechtliche Tatsache zum Ansatzpunkt genommen, um eine Massenklage gegen Online Casinos einzureichen, bei denen Spieler aus Österreich Geld verloren haben. Jeder Österreicher, der innerhalb der letzten 30 Monate mindestens 3.000 Euro an ein Online Casino überwiesen hat, kann sich auf der Website der Firma zur Klage anmelden.

Advofin Prozessfinanzierung AG
AdvoFin übernimmt das Prozessrisiko (Bild: Wikipedia)

Das Unternehmen verspricht, das gesamte Prozessrisiko zu übernehmen, so dass dem einzelnen Kläger bei Prozessverlust keine Kosten entstehen. Sollte ein Prozess gewonnen werden, behält AdvoFin 37 % des zurückerstatteten Betrags ein. Bei außergerichtlichen Einigungen liegt der Anteil bei 19 %.

Das Unternehmen berichtet, dass es seiner Erfahrung nach in sehr vielen Fällen zu einer außergerichtlichen Lösung käme. Die Betreiber von Online Casinos bevorzugten es, den „Konflikt“ mit einer direkten Entschädigungszahlung zu lösen, statt es auf einen gerichtlichen Streit ankommen zu lassen.

Die Prozessfinanzierung AdvoFin AG wurde im Jahr 2001 in Österreich als Prozessfinanzierungsgesellschaft gegründet und ist heute der Marktführer im Land, was die Prozessfinanzierung von Sammelverfahren anbelangt.

Laut eigener Angabe habe das Unternehmen seither gut 265 Mio. Euro für gut 24.000 Kunden erstreiten können. Neben der Sammelklage gegen Online Casinos laufen derzeit unter anderem auch Klagen gegen das LKW-Kartell, die Daimler AG oder den ORF.

Fast alle Anbieter in Österreich illegal

Gut 1.500 Online Casinos, die aus Österreich zugänglich sind, werden von denselben 15 Anbietern betrieben. Keine dieser Website ist legal, denn laut österreichischem Recht, hat allein die Casinos Austria AG das Monopol auf das Glücksspiel im Land.

Für das Online Glücksspiel richtete der Konzern bereits im Jahr 1998 die Website „win2day“ ein, auf welcher Österreicher legal Spielautomaten, Videopoker, Roulette oder Blackjack spielen können.

Doch auf der Suche nach dem besten Spielangebot, den besten Bonusaktionen oder den besten Wettquoten wandern immer mehr Kunden an die Konkurrenz aus dem Ausland ab.

Spieler, die bei diesen Anbietern dann große Geldsummen verlieren, könnten diese theoretisch zurückfordern, da das Spiel selbst für ungültig erklärt werden könnte. Für eine Klage muss der Spieler nachweisen, sich zum Zeitpunkt des Glücksspiels in Österreich befunden zu haben. AdvoFin-Chef Dr. Gerhard Wüest sagte dazu gegenüber dem „Kurier“:

Die Spieler spielen nachweislich in Österreich. Das können wir mit den Internet-Protokoll-Adressen belegen. Es gibt eine weitere elektronische Spur. Der Spieler kauft diese Spiel-Pakete meist über namhafte Zahlungsdienstleister. Wir können durch die Belege den Nachweis erbringen, wie viel ein Spieler dabei verloren hat.

Wie steht es um die Erfolgschancen?

Für die Betreiber der Online Casinos, die ihren Sitz vorwiegend in Malta, Gibraltar oder Großbritannien haben, sind derartige Klagen nichts Neues. Die EU-weite Rechtslage sorgt dafür, dass Online Casinos sich in vielen Ländern eher in einer rechtlichen Grauzone befinden, als komplett illegal zu sein.

EU Flagge Paragraph
EU-Recht mit Landesrecht in Konflikt (Bild: Pixabay)

Gern hervorgehoben werden dabei die Gesetze zur Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 – 62 AEUV), nach denen Unternehmen, die eine Zulassung in einem EU-Land haben, auch in allen anderen Mitgliedsstaaten tätig sein dürfen.

Laut AdvoFin sei diese Form der Dienstleistungsfreiheit jedoch nicht mit dem in Österreich gesetzlich vorgesehenen Spielerschutz vereinbar. Da der geforderte Spielerschutz nur über eine österreichische Lizenz garantiert werden könne, sei er automatisch bei den ausländischen Anbietern nicht gegeben.

Problematisch in Bezug auf die aktuelle Klage jedoch sei, dass die Casinos diese schlicht ignorieren können, da sie selbst keinen Sitz in Österreich haben und somit ein Stück weit unantastbar seien. AdvoFin erklärte jedoch, dass man in jedem Fall nach österreichischen Konten schauen werde und diese dann blockieren lassen könne.

Wie viele Menschen durch die aktuelle Sammelklage aber letztendlich ihre verlorenen Geldbeträge zurückerhalten werden, bleibt abzuwarten.