Der Deutschen liebste Laster: Jahrbuch Sucht 2022 sieht Glücksspiel auf dem Rückzug

Veröffentlicht am: 26. April 2022, 02:56 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 26. April 2022, 02:56 Uhr.

Der legale Glücksspiel-Markt in Deutschland ist laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) deutlich geschrumpft. Dies berichtet die Suchtstelle in ihrem heute offiziell erschienen Jahrbuch Sucht 2022. So habe es im Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von rund 11 % gegeben.

Mann mit Zigarette Alkohol Spielkarten
Das Jahrbuch Sucht beleuchtet den Umgang der Deutschen mit Glücksspiel, Alkohol und Zigaretten. (Quelle: unsplash.com/Radu Florin)

Laut DHS habe auch der Zigarettenkonsum in Deutschland erkennbar nachgelassen, dafür steige die Beliebtheit beim Shisha-Tabak. Besorgniserregend bleibe, dass Deutschland in Sachen Alkohol im internationalen Vergleich nach wie vor ein „Hochkonsumland“ sei.

Automatenspiel bleibt Platzhirsch

Alljährlich veröffentlicht die DHS in ihrem Jahrbuch Sucht Zahlen und Daten zum Umgang mit Suchtmitteln in der Bundesrepublik. In diesem werfen die Experten einen Blick auf Entwicklungen beim Konsum von Suchtstoffen wie Tabak und Alkohol. Doch auch Risikofaktoren für stoffungebundene Süchte, wie zum Beispiel das Glücksspiel, werden unter die Lupe genommen.

Wie die DHS in einer Pressemeldung zu ihrem Jahrbuch Sucht mitteilt, sei im Bereich Glücksspiel zuletzt ein klarer Rückgang zu verzeichnen gewesen. So seien die Umsätze der legalen Industrie im Jahr 2020 auf 38,3 Mrd. EUR gefallen.

Dies bedeute ein Minus von 11,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Mächtigster Player des legalen Marktes sei die Automatenbranche mit ihren rund 220.000 Geräten in Spielhallen und Gastro-Betrieben.

Weiter führt die DHS aus:

Die Bruttospielerträge des regulierten deutschen Glücksspiel-Marktes erreichten im Jahr 2020 ein Volumen von 10,112 Mrd. Euro (minus 8,7 %). Auf dem nicht-regulierten (unerlaubten) Markt wurde ein geschätzter Ertrag von 1,568 Mrd. Euro erzielt (minus 29 %). Die glücksspielbezogenen Einnahmen des Staates aus erlaubten Angeboten lagen 2020 bei 5,341 Mrd. Euro (minus 1,3 %).

Shisha statt Zigarette?

Inwieweit die Pandemie in die aktuellen Zahlen des Jahrbuchs reinspiele, lasse sich den Experten nicht zuverlässig ableiten. Laut DHS-Präventionsreferentin Christine Kreider seien jedoch insbesondere bereits vulnerable Personen mit Herausforderungen konfrontiert gewesen. Im Statement erklärt sie deshalb:

Prävention, Frühintervention, Beratung, Behandlung und Sucht-Selbsthilfe braucht es daher nun umso mehr, um Suchtgefährdete und Abhängigkeitserkrankte zu unterstützen. Wir müssen uns mehr denn je um besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen kümmern, beispielsweise Kinder aus Suchtfamilien.

Ebenso wie beim Glücksspiel sei laut DHS auch beim Zigarettenkonsum zuletzt ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen gewesen. So seien 2021 mit knapp 72 Mrd. rund 2,8 % weniger Fertigzigaretten geraucht worden als im Vorjahr.

Der Konsum selbstgedrehter Zigaretten sei sogar um 5,6 % auf etwa 37,3 Mrd. zurückgegangen. Der durchschnittliche Wert von jährlich 863 Zigaretten pro Bundesbürger sei der niedrigste seit der Wiedervereinigung.

 Fertigung von Shisha-Köpfchen
Das Shisha-Rauchen erfreut sich anhaltender Beliebtheit (Quelle:unsplash.com/Alina Plotnikova)

Zugleich habe es laut DHS jedoch einen massiven Anstieg beim Konsum von Pfeifentabak gegeben. Verantwortlich für das Plus von rund 40 % auf knapp 8.400 Tonnen sei den Experten zufolge die insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu beobachtende Beliebtheit des Shisha-Rauchens.

Derweil halte sich der Alkoholkonsum in Deutschland auf besorgniserregend hohem Niveau. Zuletzt erhobene Zahlen hätten ergeben, dass im Schnitt jeder Deutsche im Jahr 2019 rund 10,2 Liter Reinalkohol zu sich genommen habe.

Eine im Jahr 2016 von der Weltgesundheitsorganisation durchgeführte Studie habe die jährliche Anzahl alkoholbedingter Todesfälle in Deutschland mit 62.000 beziffert.