Britische Studie: Kommunikation als Schlüssel zur erfolgreichen Spielsucht-Beratung

Veröffentlicht am: 19. Juni 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Juni 2021, 03:15 Uhr.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Unterstützung spielsüchtiger Personen durch Hilfsangebote liegt in der Kommunikation. Dies legen in dieser Woche veröffentlichte Erkenntnisse der britischen Spielerschutzorganisation GambleAware nahe. Die gemeinnützige Stelle hatte Daten diverser Beratungsangebote der Organisation Citizens Advice ausgewertet.

Frauen im Gespraech
Laut Studie sind die Beratungsgespräche zur Spielsucht gut, aber ausbaufähig (Quelle:unspalsh.com/Toa Heftiba)

Auswertung von 30.000 Beratungsgesprächen

Für die Evaluation wertete GambleAware gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut KantarPublic die glücksspielbezogene Arbeit lokaler Citizens-Advice-Büros in zwölf englischen und walisischen Regionen aus. Insgesamt ging es um Beratungsgespräche mit rund 30.000 potenziell von Spielsucht Betroffenen von Oktober 2018 bis März 2021.

In dieser Woche wurde der Final Evaluation Report [Bericht auf Englisch] veröffentlicht. Er widmet sich auf 59 Seiten explizit dem Gambling Support Service in England & Wales (GSSE&W) der Organisation.

Die nicht-staatliche Hilfsorganisation Citizens Advice beschreibt sich als Anlaufstelle für alle Bürger, die sich mit wie auch immer gearteten Problemen konfrontiert sehen, bei deren Lösung sie Unterstützung benötigen. Als Themengebiete nennt Cititzens Advice unter anderem Finanzen und Schulden, Gesundheit, Wohnen, Familie, Arbeit und Recht. Die Organisation betreibt ein Netzwerk von Angeboten, die sowohl online und telefonisch als auch in Beratungsstellen vor Ort in Anspruch genommen werden können.

Generell zieht die Auswertung ein positives Fazit in Bezug auf die Arbeit der angestellten und freiwilligen Berater. Nichtsdestotrotz gebe es insbesondere bei der Gesprächsführung Verbesserungsmöglichkeiten.

Stigma und Sprachlosigkeit

So falle es sowohl Beratern als auch Klienten teils schwer, die richtigen Worte zu finden. Es gebe meist eine Art Fragenkatalog, der angewandt werde, um eine mögliche Spielsucht beim Hilfesuchenden zu erkennen oder auszuschließen. Allerdings mangele es den Fragen oft an Flexibilität.

Hinzukäme ein nach wie vor im Raum stehendes Stigma, das die Erkrankung gefühlt mit sich bringe. Ebenfalls als Hemmnis werteten die Macher der Studie die teils eingeschränkten Kapazitäten der Beratenden. Entsprechend ergäben sich vor Ort teils deutliche Unterschiede in Bezug auf die Art und Intensität der Spielsucht-Screening-Fragen.

Helen Owen, Leiterin der Abteilung für Evaluation und Monitoring bei GambleAware, kommentiert die Erkenntnisse im Statement:

Diese gründliche Evaluation hat die wichtige Rolle von Citizens Advice bei der Beratung von Menschen, die durch Glücksspiel gefährdet sind oder davon betroffen sind, und bei der Vermittlung von Hilfsangeboten aufgezeigt. Außerdem hat sie dazu beigetragen, die Hauptbarrieren für den Erfolg des Glücksspielservices zu identifizieren. Mit diesem Verständnis haben wir nun eine klare Vorstellung davon, welche Möglichkeiten es gibt, den Service zu verbessern.

Der GambleAware-Abschlussbericht empfiehlt bei der Beratung unter anderem mehr Flexibilität in der Kommunikation. Als ebenfalls hilfreich sehen die Macher die Schaffung von mehr Raum für die Beratenden, sich mit Kollegen auszutauschen. Dabei könne beispielsweise auch die eigene Wahrnehmung bestimmter Gespräche oder Themen als unangenehm aufgearbeitet werden.