Britische Glücksspiel-Aufsicht zieht Konsequenzen aus Football-Index-Skandal

Veröffentlicht am: 23. September 2021, 01:34 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. September 2021, 01:34 Uhr.

Die britische Glücksspiel-Aufsicht UKGC hat angekündigt, ab sofort mehr Vorsicht walten zu lassen, wenn es um die Lizenzierung „innovativer“ Glücksspiel-Plattformen geht. Damit reagiert die Behörde auf den am Mittwoch von der Regierung veröffentlichten Bericht zum Football-Index-Skandal [Seite auf Englisch].

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Die Grenzen zwischen Glücksspiel und Finanzprodukt verschwimmen laut UKGC zunehmend (Bild: © 2018 Advantus Media, Inc. and QuoteInspector.com)

Die britische Wettbörse Fooball Index hatte für viele überraschend im März dieses Jahres Insolvenz angemeldet. Die Nutzer der Plattform hätten in der Folge zusammengerechnet knapp 90 Mio. GBP verloren. Das auch für Glücksspiel zuständige Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport hat den Vorfall daraufhin untersucht.

Im seinem nun veröffentlichten Untersuchungsbericht erläutert das Ministerium, wie genau es zu dem Vorfall habe kommen können und was sowohl die britische Glücksspielaufsicht als auch die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FCA) hätten anders machen können.

Der Bericht listet mehrere Kernprobleme:

  • Bei Beantragung der Glücksspiellizenz habe BetIndex der UKGC gegenüber nicht ausreichend klar dargelegt, um welche Art von Glücksspiel-Produkt es sich handeln würde.
  • BetIndex habe die Glücksspiel-Aufsicht nach Erhalt seiner Lizenz nicht über die anschließend vorgenommenen Produkt-Änderungen informiert.
  • Die Glücksspiel-Aufsicht hätte den Anbieter nach der Lizenzvergabe eingehend überprüfen und dabei auch auf die verwendete Sprache auf der Webseite achten sollen.
  • Die UKGC hätte nach dem Aufkommen erster Zweifel oder Probleme schneller Entscheidungen treffen und diese dann schneller umsetzen sollen.
  • Die mit der UKGC kooperierende FCA hätte schneller auf die Anfragen der Glücksspiel-Aufsicht reagieren und sich konsistenter in Bezug auf ihre eigenen Regulierungs-Pflichten positionieren sollen.

Der erst in dieser Woche frisch ernannte Glücksspiel-Minister, Chris Philp, appelliert nun an die UKGC und die FCA, aus dem Vorfall zu lernen und dafür zu sorgen, dass sich ein derartiger Skandal nicht wiederholen wird.

In einem Kommentar zum Bericht sagt der Minister, dass er von den Behörden einen konkreten Aktionsplan erwarte. In diesem sollen sie unter anderem klar darlegen, wie sie ihre Zusammenarbeit in Zukunft optimieren würden.

Bessere Kontrolle bei neuartigen Glücksspiel- und Finanz-Produkten

Die UKGC hat ihrerseits bereits auf den veröffentlichten Bericht reagiert. Die Behörde erkenne ihre Fehler an und wolle die vom Ministerium formulierten Empfehlungen für die zukünftige Regulierungsarbeit umsetzen. Das bedeute, dass vor allem bei neuartigen Glücksspiel-Produkten besser aufgepasst werden solle.

Der im Juni ernannte Interims-CEO der UKGC, Andrew Rhodes, erklärt, dass der Online-Glücksspiel-Markt in den letzten Jahren zunehmend komplizierter geworden sei. Die Grenzen zwischen Glücksspiel und anderen Produkten wie Finanzdienstleistungen und Computerspiele seien zunehmend verschwommen. Rechtfertigen wolle er das Geschehene damit jedoch nicht, schreibt Rhodes.

Keine Anzahl von Erklärungen darüber, was mit Football Index passiert ist, kann den gerechtfertigten Schmerz und die Wut der Kunden mindern, die beim Zusammenbruch des Glücksspiel-Unternehmens Geld, darunter lebensverändernde Summen, verloren haben. Wir erkennen an, dass wir früher einen Schlussstrich unter unsere Bemühungen hätten zielen sollen.

Dennoch betont Rhodes auch, dass die Behörde die Kunden gänzlich vor Verlusten hätte schützen können. Darüber hinaus habe die UKGC die von der Insolvenz des Anbieters betroffenen Kunden von Beginn an unterstützt.

In Bezug auf die Kooperation mit der FCA erklärt die Glücksspiel-Aufsicht, dass beide Behörden ihre Absichtserklärung bereits vertieft hätten. Produkte, bei denen die Unterscheidung zwischen Glücksspiel und Finanzdienstleistung schwierig sei, sollen künftig von beiden Behörden besser reguliert werden.