US-Buchmacher tot in Costa Rica aufgefunden

Veröffentlicht am: 18. September 2019, 01:47 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. Oktober 2019, 03:49 Uhr.

Der Leichnam des amerikanischen Buchmachers und Betreibers der Sportwetten-Plattform 5Dimes, William Sean Creighton, 43, wurde letzte Woche in Costa Rica aufgefunden. Die Justiz-Ermittlungsbehörden fanden den Toten fast ein Jahr nach seinem Verschwinden auf einem Friedhof in Quepos, Costa Rica, einem kleinen Fischerdorf.

Polizeifahrzeug, Auto
Polizei findet den Leichnam des amerikanischen Buchmachers William Sean Creighton. (Bild: pixabay.com

Dass es sich hierbei tatsächlich um den amerikanischen Unternehmer handelt, wurde am Montag von den Beamten der Behörde bestätigt [Seite auf Englisch]. Die Todesursache sei derzeit jedoch noch nicht bekannt.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums gab dazu am Montagnachmittag ein Statement ab:

“Wir können bestätigen, dass die Behörden Costa Ricas die Überreste eines US-Bürgers in Costa Rica identifiziert haben. Wir sprechen der Familie unser aufrichtiges Beileid für ihren Verlust aus. Wir verfolgen hinsichtlich der Todesursache aufmerksam die Ermittlungen der örtlichen Behörden. Wir sind bereit, jede angemessene konsularische Hilfe zu leisten.“

William Sean ‘Tony’ Creighton auf mysteriöse Weise verschwunden

William Sean Creighton, TV News
Creighton wurde vor einem Jahr entführt. (Bild: youtube.com)

Creighton betrieb die 1999 gegründete Sportwetten-Plattform 5Dimes mit Hauptsitz in San Pedro. Laut den Ermittlungsbehörden Costa Ricas soll Creighton am 24. September 2018 nach dem Verlassen des 5Dimes Büros entführt worden sein.

Gegen 22 Uhr sei er von zwei Verkehrspolizisten in Granadilla de Curridabat angehalten worden. Kurz darauf sollen vier Männer in einem gemieteten grauen Kleintransporter erschienen sein, die den Mann in ihr Fahrzeug gezerrt haben sollen.

Nach Angaben des Nachrichtensenders ABC seien die Polizeibeamten an der Entführung beteiligt gewesen.

Wer war William Sean Creighton?

Creighton wuchs in Bridgeport, West Virginia, auf. Nach dem Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaft an der West Virginia University im Jahr 1998 zog er nach Costa Rica und gründete ein Jahr später 5Dimes, eine der ersten Sportwetten-Plattformen im Internet.

Obwohl 5Dimes nie in den USA lizenziert wurde, akzeptierte der Sportwetten-Anbieter immer US-amerikanische Spieler. Diese Geschäftspraktiken dürften die Aufmerksamkeit der US-Behörden auf sich gezogen haben.

2016 soll das US-Ministerium für innere Sicherheit Untersuchungen gegen 5Dimes wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeleitet haben. Diese Vermutung fußt auf einem beim US-Bezirksgericht eingereichten Durchsuchungsbefehl.

In diesem Schreiben soll der ermittelnde Beamte angegeben haben, dass 5Dimes seine Kunden mit Sitz in den USA angewiesen habe, Geschenkkarten zu verwenden, um Wetten zu platzieren. Allerdings kam es niemals zu einer Anklage gegen 5Dimes oder Creighton.

Am frühen Morgen des folgenden Tages sollen Creightons Angehörige laut den Ermittlern eine Lösegeldforderung in Höhe von 5 Millionen US-Dollar erhalten haben. Später hätten die Entführer den Lösegeldbetrag auf 1 Million US-Dollar gesenkt, da Creightons Ehefrau nur so viel zur Verfügung gehabt habe. Das Geld sei in Bitcoin gezahlt worden. Die Familie habe anschließend nie wieder etwas von Creighton oder den Entführern gehört.

Bitcoin-Wallet führte die Ermittler zu den Tätern

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Verhaftung von 12 mutmaßlichen Tätern. (Bild: youtube.com)

Zwischen Oktober 2018 und Januar 2019 wurden in Spanien und Costa Rica im Zusammenhang mit Creightons Entführung 12 Festnahmen durchgeführt.

Der in Spanien festgenommene Jordan Morales Vega, der sich laut den Ermittlern am Abend der Entführung im Kleintransporter befunden haben soll, sei dringend tatverdächtig und Ende April von Spanien nach Costa Rica ausgeliefert worden.

Weiterhin sollen Vegas Mutter, Guiselle Vega Aguirre, und seine Partnerin Maria Fernanda Solis Chaves involviert gewesen sein. Auch sie seien nach Costa Rica überführt worden, wo sie nun auf ihren Prozess warteten.

Laut Walter Espinoza, dem Direktor des Organismo de Investigacion Judicial (OIJ), habe der Empfänger der Bitcoin-Wallets aufgespürt werden können, an die das Lösegeld gezahlt worden sei.

Espinoza führte aus, dass die Verdächtigen wahrscheinlich davon ausgegangen seien, dass Bitcoin-Transaktionen völlig anonym seien. Sie hätten es auch versäumt, ihre privaten IP-Adressen zu verbergen, was sich bei den Ermittlungen als hilfreich erwiesen habe.

Der Beamte erklärt weiterhin:

„Es gab eine Zahlung mit virtuellem Geld (Bitcoin). Diese Zahlung erfolgte über 3 virtuelle Geldbörsen. Die OIJ mit seinen Experten konnte feststellen, dass eines der Mitglieder der Organisation Zugriff auf eine dieser Wallets hatte und über eine IP-Adresse mit seinem Haus verbunden war.“

Die ermittelnden Behörden von Costa Rica äußerten sich bis dato nicht dazu, wie die Leiche des US-Geschäftsmanns gefunden worden sei und machten auch keine Angaben dazu, wie die Ermittler die sterblichen Überreste Creightons identifizieren konnten. Es ist davon auszugehen, dass genaue Informationen erst im Verlauf des anstehenden Prozesses publik gemacht werden.