Forscher und Ärzte fordern eine Spielsucht-Klinik für Wales

Veröffentlicht am: 28. Oktober 2020, 01:23 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. Oktober 2020, 01:57 Uhr.

In Wales sind Rufe nach einer auf die Spielsucht-Behandlung spezialisierten Klinik laut geworden. Am Dienstag haben Forscher und Ärzte die Regierung des Landes in einem offenen Brief dazu aufgerufen, eine entsprechende Einrichtung zu schaffen.

Mann Hände Kopf
Spielsüchtigen soll in Wales besser geholfen werden. (Bild: Pixabay/Gerd Altmann)

Das Schreiben entstand unter Leitung von Simon Dymond, Professor an der Swansea University. Zu den Unterstützern zählen neben weiteren Wissenschaftlern Ärzte wie Henrietta Bowden-Jones, die Großbritanniens erste Spielsucht-Klink im Westen von London leitet.

Dymond, der sich auf die Verhaltens- und Glücksspielforschung spezialisiert hat, veröffentlichte den Brief in der renommierten Medizinpublikation Lancet Journal.

Darin fordert er:

Ich denke, es ist an der Zeit, die walisische Regierung aufzufordern, die NHS-Bestimmungen für Glücksspielkliniken in Wales zu prüfen. Wir wissen, dass junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren besonders gefährdet sind.

In der Vergangenheit seien spielsüchtige Waliser wiederholt in spezialisierte NHS-Kliniken nach England überwiesen worden, wo sie aus ihrem familiären Umfeld gerissen worden seien. Dies könne verhindert werden, indem in Wales ebenfalls eine Spielsucht-Klinik eröffnet werde.

Ein wachsendes Problem

Eine bessere Behandlung von Betroffenen sei insbesondere im Hinblick auf die grassierende Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Lockdown nötig. So sei auch in Wales die Zahl der Problemspieler in den letzten Monaten erheblich gestiegen.

In Großbritannien gibt es derzeit sechs vom britischen Gesundheitsdienst NHS betriebene Spielsucht-Kliniken. Aufgrund der wachsenden Anzahl von Problemspielern plant der NHS weitere Einrichtungen. Wales ist in den derzeitigen Überlegungen allerdings nicht enthalten.

Dymonds Angaben werden von mehreren Seiten bestätigt. So erklärte die Spielerschutz-Organisation GamCare [Seite auf Englisch], dass sie in den letzten zwei Jahren einen Anstieg der Anrufe von Hilfesuchenden aus Wales registriert habe.

Eine Studie der Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission kam zu dem Ergebnis, dass 24 % der walisischen Spieler nach eigenen Angaben mehr Zeit und Geld in das Glücksspiel investierten.

Auch aus der Praxis erhält Dymond Unterstützung. Der bei der Glücksspiel-Beratung Cais engagierte Ellis Owen erklärte gegenüber dem Nachrichtensender BBC, dass die mit der Spielsucht verbundenen Probleme vergleichbar mit der Alkoholsucht der 1950er und 1960er Jahre seien.

Eine Spielsucht-Klinik in Wales könne helfen, die Not vieler Betroffener zu lindern.