Chinas Digitalwährung soll auch das illegale Glücksspiel eindämmen

Veröffentlicht am: 13. November 2019, 01:03 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. November 2019, 01:41 Uhr.

Chinas Regierung plant in naher Zukunft die Einführung einer eigenen Digitalwährung. Diese solle den Nutzern eine gewisse Anonymität garantieren, zugleich jedoch illegale Aktivitäten wie das Online Glücksspiel eindämmen, so Vertreter der Notenbank.

Fahne China Bitcoin
China plant eine große Digitalwährung (Bilder: Pixabay/Kaufdex, Gordon Johnson)

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, habe sich Mu Changchun, Vorsitzender der Forschungsabteilung Digitale Währungen bei der chinesischen Nationalbank People’s Bank of China, am Dienstag auf einer Konferenz in Singapur zu dem Vorhaben geäußert.

Demnach trage die Regierung dem Wunsch ihrer Bevölkerung nach einem Mindestmaß an Anonymität beim Zahlungsverkehr Rechnung. Allerdings sei die neue Währung in diesem Punkt nicht mit Zahlungsmitteln wie Münzen oder Geldscheinen vergleichbar, so Mu Changchun.

Wie andere Kryptowährungen auch, soll Chinas neues digitales Zahlungsmittel auf der Blockchain-Technologie basieren. Damit ähnelt das System Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Facebooks geplanter Libra-Währung. Bisher sichern diese Währungen ihren Nutzern ein Höchstmaß an Anonymität zu, weshalb sie auch von Kriminellen für illegale Transaktionen im Internet genutzt werden. Ziel der chinesischen Regierung ist jedoch, ihre Währung vor derartigen Zahlungsflüssen zu schützen.

Zum genauen Grad der Kontrolle äußerte sich Mu Changchun nicht. Beobachter befürchten deshalb, dass die Nationalbank ihre Rolle missbrauchen könnte, um den nationalen Zahlungsverkehr künftig lückenlos zu kontrollieren. Damit bewege sich das Land weiter in Richtung eines Überwachungsstaats, so die einhellige Kritik.

Effektivere Verfolgung illegaler Transaktionen

Online Casino China
Online Casinos sind in China illegal (Bild: William Hill online)

Mithilfe der neuen Digitalwährung könnten Regierung und Notenbank kriminelle Online Aktivitäten wie Glücksspiel, Geldwäsche oder Pornographie leichter identifizieren und verfolgen. Deshalb dürfte der Kampf der Regierung gegen verbotene Online Casinos und Online Wettbüros an Fahrt aufnehmen, sobald im Internet mit der Digitalwährung bezahlt wird.

Das Kalkül dieser Strategie: Wenn Zahlungen an die staatlich nicht gewünschten Online Casinos künftig eindeutig nachzuweisen seien, könnten potentielle Kunden davon abgehalten werden, dort überhaupt zu spielen. Außerdem würde es die neue Währung den Betreibern erschweren, ihre illegalen Gelder vor dem Staat geheim zu halten.

Die Kryptowährung würde damit zu einem Teil der “großen Firewall”, die Chinas Regierung in ihrem Kampf gegen das illegale Glücksspiel derzeit errichtet. Bereits existierende Bestandteile dieser Mauer sind eine lückenlose Web-Überwachung sowie die Errichtung von Websperren gegen missliebige Anbieter.

Zudem ist die Regierung seit geraumer Zeit bemüht, auch im Ausland auf die Schließung von Glücksspielseiten, die sich an Chinesen wenden, hinzuwirken. So übt die Regierung gegen Nachbarstaaten wie Kambodscha, Vietnam oder die Philippinen seit Monaten Druck aus, damit diese wirksamer gegen die Betreiber vorgehen oder das Glückssiel ganz verbieten.

Keine vollständige Anonymität

Um die staatlichen Kontrollmechanismen zu unterstützen, sollen die Chinesen nach Willen der Nationalbank künftig nicht anonym online bezahlen können. Stattdessen sprach von Mu Changchun einer “kontrollierbaren Anonymität”, welche die kommende digitale Währung bieten werde. Gleichzeitig dämpfte er Befürchtungen, dass die Regierung die eigene Bevölkerung mit dem Zahlungsmittel noch stärker überwachen wolle.

In diesem Zusammenhang sagte Mu Changchun auf der Konferenz:

“Dies ist die Balance, die wir halten müssen, und das ist unser Ziel: Wir streben nicht die volle Kontrolle über die Informationen der Öffentlichkeit an.”

Die neue Währung erhielt den offiziellen Namen Digital Currency Electronic Payment (DCEP) und soll laut Planungen der Finanzbehörde in den nächsten fünf Jahren eingeführt werden. Einen genaueren Termin nannte Mu Changchun jedoch nicht.

Der Vertreter der Nationalbank sagte jedoch, dass die Digitalwährung vom technischen Stand her bereits “so gut wie fertig” sei. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass China das weltweit erste Land sein könnte, welches eine nationale Kryptowährung in großem Maßstab einführt.

Zwar hat Venezuela schon 2018 mit dem “Petro” eine eigene Kryptowährung eingeführt, doch der Versuch des hochverschuldeten Landes, sich auf diese Weise die dringend benötigten Devisen zu beschaffen, wurde zum Flop.

Angesichts der wirtschaftlichen und technologischen Bedeutung Chinas ist zu erwarten, dass sich die aus dem Reich der Mitte kommende Digitalwährung erfolgreicher etablieren wird. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit sie helfen kann, in dem Land das illegale Glücksspiel einzudämmen.