Deutscher Sportpsychiater warnt vor Glücksspielsucht bei Profifußballern

Veröffentlicht am: 15. Dezember 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. Dezember 2019, 04:38 Uhr.

Dass immer mehr Fußballvereine von Sportwetten-Anbietern gesponsert werden, ist bekannt. Doch dass die Profikicker auch zur Risikogruppe der Spielsüchtigen gehören können, wird bislang kaum öffentlich diskutiert.

Ein Mann greift sich an den Kopf
Mediziner wollen verstehen, wieso Profisportler zur Spielsucht neigen. (Quelle: Pixabay)

Dr. Tobias Freyer, Sportpsychiater an der Oberbergklinik Wiesbaden Schlangenbad, hat sich mit dem Thema beschäftigt und verlangt mehr Verantwortung von Verbänden und Vereinen. Wie das Presseportal am Donnerstag meldete, fordere der Mediziner mehr Schutz für Profifußballspieler.

Schon wegen ihres Berufs befänden sich die Fußballprofis unter Druck und seien deshalb besonders anfällig für Glücksspiel und Wetten:

„Profikicker sind leistungsorientiert und gierig nach Erfolgserlebnissen. Ein perfekter Pass, ein Traumtor, all das kann eine Art Rausch erzeugen. Ihr Belohnungssystem ist daher besonders sensibilisiert. Um das Hochgefühl auch abseits des Fußballplatzes zu erleben, suchen sie den Kick woanders, zum Beispiel im Glücksspiel, beim Wetten oder Gaming.“

Entwickelten Fußballspieler während ihrer Karriere eine Spielsucht, so Freyer, bliebe diese meist über lange Zeit unentdeckt. Häufig führe das pathologische Spielen aber auf Dauer zu einem Leistungsabfall, der durch mangelnden Schlaf und verkürzte Regenerationsphasen verursacht werde.

Bliebe das krankhafte Spielen unbehandelt, bestehe das Risiko von Folgeerkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Unbehandelt könne die Spielsucht sogar Selbstmord zur Folge haben.

Der Rückzug in die digitale Welt

In den letzten Jahren wird immer offensichtlicher, dass Fußballprofis nicht nur in Casinos, auf Pferderennstrecken und in Pokerräumen zocken. Stars wie Harry Kane und Neymar Jr. posten in den Sozialen Medien immer wieder Bilder und Videos, die sie beim Spielen von Videogames zeigen.

Auch darin sehen die Suchtexperten eine Gefahr. Steve Pope, ehemaliger Psychologe der britischen Fußballvereine FC Burnley und Manchester United, warnt davor, dass die Videospielsucht „unter dem Radar fliegt“.

Während Alkohol, Drogen und Wettsucht beobachtet würden, sei Gaming-Sucht bei Fußballprofis bisher ein unterschätztes Problem.

Diese Fußballstars machten wegen hohen Spielverlusten Schlagzeilen

  • Der britische Fußballstar Wayne Ronney soll allein im Jahre 2006 mehr als 700.000 GBP (ca. 830.000 Euro) bei Hunderennen, Pferderennen und bei Fußballwetten verloren haben.
  • Ex-Bundesliga-Spieler Dietmar Hamann beichtete in seiner Autobiographie, mehr als 288.000 GBP (ca. 335.000 Euro) bei einer Cricket-Wette verloren zu haben. Sein Spielproblem sei Folge eines Nervenzusammenbruchs gewesen.
  • Eiður Guðjohnsen, ehemaliger Stürmer des FC Barcelona, toppt alle bekannten Fälle. Ihm werden Spielverluste in Höhe von 6 Millionen GBP (ca. 7,1 Millionen Euro) nachgesagt. Laut Medienberichten habe sich die Spielsucht des Isländers während einer Verletzungspause entwickelt.

Die Folgen treffen nicht nur die Spieler

Spielsucht ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern auch das unmittelbare Umfeld. Nicht selten führen hohe Verluste zu Wettschulden, die auch der Integrität des Sports schaden können.

So wurde der ehemalige Bundesliga-Spieler René Schnitzler im Jahre 2011 vom DFB gesperrt, weil er von einem Wettpaten 60.000 Euro angenommen hatte. Im Gegenzug sollte der verschuldete Stürmer fünf Spiele seines Clubs FC St. Pauli manipulieren. Schnitzler manipulierte die Spiele zwar nie, der Fall machte jedoch Schlagzeilen und führte vor Augen, dass die finanziellen Folgen der Spielsucht enorme Auswirkungen auf Fans, Vereine und den gesamten Profifußball haben können.

Wie kann den kranken Profis geholfen werden?

Suchtexperte Freyer rät den Vereinen dazu, früher zu handeln, um die Spieler vor der Entwicklung einer Suchterkrankung zu schützen. Hierzu müsse das Krankheitsbild allerdings enttabuisiert werden, so Freyer:

„Der Umgang mit suchtkranken und psychisch kranken Menschen ist im Spitzensport genauso ein Tabu wie im Rest der Bevölkerung. Die meisten Clubs legen mehr Wert auf Leistungsoptimierung als auf die seelische Gesundheit ihrer Spieler.“

Damit sich dies ändert, seien in den letzten Jahren immer mehr Anlaufstellen für Verbände und Vereine geschaffen worden. Diese um Hilfe zu bitten, ist allerdings Aufgabe der Clubs.