Geldwäsche in Casinos: Kanadisches Analyse­zentrum veröffentlicht Warnhinweis

Veröffentlicht am: 11. Dezember 2019, 12:32 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. Dezember 2019, 12:32 Uhr.

Das kanadische Finanzanalysezentrum Fintrac warnt in einem offiziellen Statement vor Geldwäscheaktivitäten in Casinos. Insbesondere der Einsatz von Barschecks durch Kunden bedürfe besonderer Aufmerksamkeit, so die staatliche Stelle in ihrem gestern veröffentlichten Hinweis. Kriminelle setzten immer öfter sogenannte unverdächtig wirkende „Maultiere“ ein, um Schwarzgelder in den legalen Markt zu überführen.

Geldbündel in Koffer
Das Analysezentrum Fintrac warnt vor Geldwäsche in Casinos (Quelle:pixabay.com/boslot65)

Neue Formen der Geldwäsche in Casinos

Das Financial Transactions and Reports Analysis Centre of Canada (Fintrac) sieht Hinweise auf einen Wandel der Strategien zur Geldwäsche in kanadischen Casinos. Bislang seien insbesondere Highroller mit großen Bargeldbeträgen eingesetzt worden, um Schwarzgelder zu waschen. Seit dies mit wachsender Aufmerksamkeit beobachtet werde, hätten die verantwortlichen kriminellen Organisationen Anpassungen vorgenommen.

Dies erklärt das dem Finanzministerium unterstellte Institut Fintrac in einem gestern auf seiner Webseite veröffentlichten Warnhinweis (Seite auf Englisch).

Im November vergangenen Jahres veröffentlichten kanadische Medien Recherchen, nach denen kriminelle Organisationen aus China die Glücksspiel- und Immobilienindustrie des Landes massiv zur Geldwäsche nutzten. Es folgte unter anderem eine offizielle Untersuchung der Provinz British Columbia, die nahelegte, dass in Kanada allein im Jahr 2018 umgerechnet rund 32 Milliarden Euro an Schwarzgeldern gewaschen worden seien.

Vom Bargeld zum Barscheck

In seinem Warnhinweis zur Gefahr von Geldwäsche in Casinos weist Fintrac darauf hin, dass Bargeld von jeher das Finanzmittel der Wahl für krimineller Organisationen gewesen sei. Anonymität, schlechte Nachverfolgungsmöglichkeiten und die Unumkehrbarkeit von Transaktionen gewährten den Verantwortlichen ein Maximum an Freiheit.

 

Logo Fintrac
Fintrac analysiert jährlich Millionen von Datensätzen (Quelle:fintrac.com)

Laut Fintrac zeigten jüngste Analysen jedoch, dass sich zwischenzeitlich eine Art Schattensystem etabliert habe, das den bargeldlosen Verkehr von Schwarzgeldern vorantreibe. Mittlerweile errege der Transport und Umtausch enormer Bargeldsummen ungewünschte Aufmerksamkeit und sei somit zum Sicherheitsrisiko für die Verantwortlichen geworden.

Deshalb arbeite die organisierte Kriminalität vermehrt mit einer Vielzahl unauffällig wirkenden Einzelpersonen, deren Spieleinsätze im mittleren Bereich angesiedelt seien. Diese sogenannten Maultiere lösten bei ihren Casinobesuchen vornehmlich Barschecks ein.

Laut Analyse des Zentrums sei oft kaum nachvollziehbar, woher das Geld ursprünglich stamme.

Studenten und Hausfrauen

Laut Statement hätten sich bei der Analyse verdächtiger Casinotransaktionen vor allem zwei Typen von Mittelsmännern und -frauen herauskristallisiert. Zum einen existiere eine Gruppe, deren Angehörige ihren Beruf meist als „Student“ oder „arbeitslos“ angäben. Ihre Bankkonten wiesen ein auffällig hohes Maß an Bareinzahlungen unbekannter Herkunft auf. Die Gelder würden sodann für den Kauf von Barschecks verwendet, welche letztlich von Dritten oder Casinos eingelöst würden.

Zur zweiten Gruppe gehörten Personen, die sich selbst als „Hausfrauen und -männer“ bezeichneten. Auch ihre Kontoaktivitäten fielen durch eine Vielzahl von Bareinzahlungen auf. Erschwerend hinzukämen hier auch diverse Überweisungen von Unternehmen, die oft als Rückzahlungen deklariert seien. Auch diese Gelder würden bevorzugt in Barschecks umgewandelt und in Casinos zum Einsatz gebracht.

Beiden identifizierten Gruppen mutmaßlicher „Maultiere“ sei gemein, so das Fintrac, dass ihre Abhebungen in keinem Verhältnis zu ihren offiziell nachvollziehbaren Einkünften stünden.

Breites Bündnis gegen Geldwäsche in Casinos

Fintrac analysiert jährlich Millionen von Finanzbewegungen. Im Fokus stehen hierbei neben Casinos auch Banken, Finanzdienstleister, Versicherungen und die Immobilienbranche. Allein im vergangenen Jahr, so die Analysten, seien rund 2.300 verdächtige Vorgänge an die kanadischen Polizei- und Sicherheitsbehörden weitergegeben worden.

Der aktuelle Hinweis beruht auf Erkenntnissen des Project Athena. Das Netzwerk staatlicher und privater Akteure setze im Kampf gegen die Geldwäsche auf Informationsaustausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie die Fintrac-Vorsitzende Nada Seeman erklärt:

Mit dieser jüngsten öffentlich-privaten Partnerschaft verpflichten wir uns, mit kanadischen Unternehmen und Aufsichtsbehörden, den Provinzen und Territorien sowie unseren Partnern zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit der Kanadier und die Sicherheit unserer Wirtschaft zu gewährleisten. Unser neuer Warnhinweis wird uns helfen, wichtige Finanzinformationen zur Unterstützung des Projekts Athena und der umfassenderen Bemühungen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Geldwäsche in British Columbia und in ganz Kanada zu generieren.

Konkret fordert Fintrac die Betreiber kanadischer Casinos auf, wachsam zu bleiben. Besonderes Augenmerk müsse hierbei auf die Identifikation verdächtiger Personen und Geldflüsse zu legen. Ob der Appell mehr als nur das Einläuten einer neuen Runde im Katz-und-Maus-Spiel von kanadischen Behörden und der organisierten Geldwäsche ist, wird die Zeit zeigen.