Neue Spur für Korruptionsjäger: Ging es Sidlo nie um die Casinos Austria?

Veröffentlicht am: 13. August 2020, 03:22 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. August 2020, 03:22 Uhr.

Eine neuer Ermittlungsansatz könnte die Casinos-Austria-Affäre in ein völlig neues Licht rücken. Wie die österreichische Zeitung Die Presse am Mittwoch berichtet hat, gebe es neue Hinweise darauf, dass es bei der vermeintlichen Postenschacherei rund um Peter Sidlo nicht um einen Deal mit Novomatic, sondern mit der slowakischen Arca-Gruppe gegangen sei.

Johann Gudenus
Wurde Peter Sidlos SMS an Johann Gudenus falsch interpretiert? (Bild © Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS)

Im Zentrum der neuen Annahme stehe die SMS, die Peter Sidlo am 12. August 2018 an den Ex-Klubobmann der FPÖ, Johann Gudenus, geschrieben haben soll. Der Inhalt der Kurznachricht habe die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bisher dazu veranlasst, bei Novomatic nachzuforschen.

Die SMS lautete:

Hallo Joschi. Ich habe mit meinen Freunden bezüglich Casinos gesprochen, sie wären bereit und auch fähig, den Deal zu machen.

Wie die Presse erläutert, liege es jedoch nahe, dass Sidlo sich in seiner SMS auf die geplante Übernahme der Wiener Privatbank durch die Arca-Gruppe, einer slowakischen Investmentfirma, berufen habe.

Sidlo, der zu jener Zeit auch im Aufsichtsrat der Bank gesessen habe, habe diesen Deal für die Gruppe abwickeln sollen.

Sidlos Favorit für CASAG-Anteile

Auf der Suche nach Investmentoptionen in Österreich solle die Arca-Gruppe jedoch auch ihr Interesse an einer Anteilsübernahme der CASAG geäußert haben. In diese Pläne sei Sidlo ebenfalls verwickelt gewesen.

Er sei der Ansicht gewesen, dass der langjährige Eigentümerstreit um die CASAG-Anteile hätte beendet werden können, wenn die tschechische Sazka Gruppe ihre Anteile (zu jener Zeit 34 %) an Arca verkauft hätte. Mittlerweile jedoch ist Sazka mit 55 % der Anteile der Mehrheitseigentümer der CASAG.

Dass zwischen Sidlo und der Sazka Gruppe seit Jahren gegenseitiges Missfallen herrscht, ist der Presse bekannt. So hatte sich auch die Sazka Gruppe damals deutlich gegen die heute umstrittene Bestellung Sidlos in den Aufsichtsrat der Casinos Austria ausgesprochen.

Dennoch neuer Stoff für den Ibiza-U-Ausschuss

Vor dem Ibiza-U-Ausschuss musste Sidlo zuletzt am 1. Juli zur Befragung erscheinen. Ob er im Zuge der neuen Hinweise ein weiteres Mal erscheinen muss, ist noch nicht bekannt.

Wie die Wiener Zeitung jedoch berichtet, könnte es auch in anderer Hinsicht neues Material für den Ausschuss geben. So habe Justizministerin Alma Zadic gestern bestätigt, dass die Handys von 14 Personen sichergestellt worden seien.

Die Daten würden aktuell ausgewertet. Bekannt sei bereits, dass auf den Geräten auch Nachrichten an Kanzler Sebastian Kurz gefunden worden seien. Christian Hafenecker, FPÖ-Fraktionsführer im U-Ausschuss, sagte dazu:

Wir haben jetzt endlich die offizielle Bestätigung, dass Nachrichten von Kanzler Kurz sichergestellt wurden, und umso mehr stellt sich die Frage, warum diese noch nicht im Akt sind.

Das Mobiltelefon des Kanzlers werde jedoch nicht sichergestellt. Dazu bestehe kein Anlass, so die Justizministerin. Gegen Kurz werde zudem auch weiterhin kein Ermittlungsverfahren geführt.