Spielsucht und häusliche Gewalt: Australische Studie sieht Zusammenhang

Veröffentlicht am: 2. Oktober 2020, 11:50 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. Oktober 2020, 11:50 Uhr.

Eine neue Studie der australischen Frauenschutzorganisation National Research Organisation for Women’s Safety (ANROWS, Seite auf Englisch) hat einen Zusammenhang zwischen Spielsucht und häuslicher Gewalt hergestellt. Gemäß den in dieser Woche vorgestellten Ergebnissen verschlimmere Spielsucht Fälle von Gewalt gegen den Partner.

Symbolbild Gewalt gegen Frauen
Spielsucht verstärkt der Studie zufolge Fälle von häuslicher Gewalt (pixabay.com, Tumisu)

Im Rahmen der Studie seien 116 Interviews mit Männern und Frauen durchgeführt worden. Diese befänden sich jeweils in einer Beziehung, in der einer der Partner spielsüchtig sei und in der seitens des männlichen Partners Gewalt ausgeübt werde.

Spielsucht kann häusliche Gewalt verstärken

Der studienverantwortliche Professor Nerilee Hing der Queensland Universität betont, dass Spielsucht nicht direkt häusliche Gewalt verursache, jedoch erheblich verstärken kann:

Glücksspiel stärkt die geschlechtsspezifischen Triebkräfte von Gewalt. Wenn Sie bereits starre Geschlechterrollen haben, Kontrolle der Männer über die Entscheidungsfindung, Einschränkungen der Unabhängigkeit der Frauen, und Männer, die Gewalt gegen Frauen dulden, dann verschärft ein Glücksspielproblem die Häufigkeit und Schwere von häuslicher Gewalt erheblich.

Gleichzeitig nehme Gewalt in der Partnerschaft zu, wenn die Partnerin unter Spielproblemen leide. In solchen Fällen mache der männliche Partner die Frau oft für bestehende Beziehungsprobleme verantwortlich und rechtfertige hiermit die Gewaltausübung.

Spielsucht und häusliche Gewalt seien zudem vielfach mit finanzieller Ausbeutung und Abhängigkeit verbunden. So berichteten Frauen, dass ihr Partner ihre Finanzen und alle Haushaltsausgaben kontrolliere.

Häusliche Gewalt verstärkt Spielsucht

Frauen, die Gewalt in ihrer Beziehung erlebten, nutzten Glücksspiel häufig als Zuflucht aus der häuslichen Situation, so die Studie. In solchen Fällen fungiere das Glücksspiel-Etablissement als sicherer Raum, der in vielen Gegenden den einzig verfügbaren Zufluchtsort darstelle. Problematisches Spielverhalten werde auf diese Weise verstärkt.

Öffentliches Bewusstsein schaffen

Betreiber von Glücksspiel-Etablissements reagierten den Angaben der Studienteilnehmerinnen zufolge kaum auf Anzeichen von Spielsucht.

Zur Verbesserung der Situation empfiehlt ANROWS daher, dass Betreiber stärker zur Verantwortung gezogen werden müssten, um von Spielsucht Betroffenen zu helfen. Weiterhin raten sie die Schaffung von sicheren Erholungs- und Zufluchtsräumen für Frauen an, in denen kein Glücksspiel angeboten wird.

Der Zusammenhang zwischen Spielsucht und häuslicher Gewalt müsse unterdessen stärker in der öffentlichen Diskussion aufgegriffen werden. Die Studie habe einen eindeutigen Mangel an Verständnis für die Problematik gezeigt, so die Forscher.