Studie: 40 % der Jugendlichen im Schweizer Kanton Freiburg spielen Glücksspiele

Veröffentlicht am: 30. September 2019, 12:31 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 30. September 2019, 01:00 Uhr.

Die Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) des Schweizer Kantons Freiburg veröffentlichte vor kurzem ihre Langzeitstudie „Generation FRee“, welche Aufschluss über das Glücksspielverhalten Freiburger Jugendlicher im Alter zwischen 15 und 24 Jahren geben sollte.

Jugedliche am Handy
40 % der Freiburger jugendlichen spielen Glücksspiele (Bild: Flickr/Jochen Zick / action press)

Die teilnehmenden Jugendlichen wurden dafür seit 2015 begleitet und regelmäßig nach ihren Gewohnheiten und Lebensumständen befragt. Die Studie förderte dabei nach vier Jahren zu Tage, dass die Zahl der jugendlichen Spieler mit jedem Jahr anwächst und auch der Anteil der Problemspieler sich vergrößert.

Minderjährige Glücksspieler

Der Studienzeitraum umfasst die Jahre 2015 bis 2018, wobei die Ergebnisse des ersten Jahres laut Aussage der Autoren nicht in die Gesamtauswertung hätten einfließen können. Die Teilnehmerzahl sei über die Jahre nur geringfügig gesunken.

So hätten 2016/17 insgesamt 1.039 weibliche und 1.207 männliche Jugendliche teilgenommen. Im Studienjahr 2017/18 [Alle Studienberichte auf Französisch] hingegen 911 weibliche und 1.029n männliche Teilnehmer.

Der Altersdurchschnitt habe 2016 bei 16,6 Jahren gelegen, 2017 bei 18,2 Jahren und 2018 bei 18,6 Jahren. Gut die Hälfte aller Teilnehmer habe weiterführende Schulen besucht, die andere Hälfte habe sich in einer bezahlten Ausbildung befunden.

Da das Glücksspiel in der Schweiz erst ab 18 Jahren zulässig sei, bedeuteten die Altersangaben unweigerlich, dass ein Teil der Teilnehmer unerlaubt am Glücksspiel teilgenommen habe. Damit ist die Studie die erste ihrer Art, die diesen Bereich gezielt untersucht.

40 % der Jugendlichen spielen

Grundsätzlich habe der Vierjahresvergleich gezeigt, dass die Zahl der jugendlichen Spieler stark gestiegen sei. Da in den verschiedenen Jahren dieselben Schüler und Auszubindenden befragt worden seien, bestehe eine direkte Korrelation zwischen der Teilnahmen am Glückspiel und dem Alter der Spieler.

Lottoschein Euromillions
Lotto und Sportwetten am häufigsten gespielt (Bild: Pixabay)

So hätten im Jahr 2016 lediglich 14 % der Befragten angegeben, Glücksspiele zu spielen. Im Jahr 2018 seien es mehr als 40 % gewesen. Die Zahl der Risiko- oder Problemspieler sei im selben Zeitraum von 2 % auf 7 % gestiegen.

Die am häufigsten gespielten Glücksspiele seien dabei Lotterien und Sportwetten gewesen. 20 % der Befragten hätten mindestens einmal die Woche an einer dieser beiden Formen des Glücksspiels teilgenommen. Online Glücksspiele seien jedoch nur von knapp 9 % der Befragten gespielt worden.

Im Hinblick auf die Minderjährigkeit im Online Glücksspiel sei interessant gewesen, dass gut 6,3 % der Spieler ohne Erlaubnis die Kreditkarte der Eltern genutzt hätten. Der Großteil jedoch, 36,4 %, hätte mit einer Prepaidkarte eingezahlt.

Unkenntnis über die Gefahren des Glückspiels

Die Autoren fragten die Teilnehmer auch nach deren persönlicher Einschätzung über die Gefahren des Glücksspiels. Zwei Drittel der Befragten hätten angegeben, dass sie das Glücksspiel für gefährlich hielten.

Hier habe es jedoch starke geschlechtsspezifische Unterschiede gegeben. So hätten weibliche Studienteilnehmer dreimal häufiger mit „Ja“ auf die Frage geantwortet, ob das Glücksspiel Gefahren berge, als männliche.

Auch habe es grundsätzliche Unterschiede zwischen Nicht-Spielern, Spielern und Problemspielern gegeben. 75 % der Nicht-Spieler hielten Glücksspiel für gefährlich, bei den normalen Spielern seien es 56 % und bei den Problemspielern 54 % gewesen.

Die rasante Entwicklung zum Problemspieler

Da es sich über die Jahre um dieselben Studienteilnehmer gehandelt habe, sei besonders interessant gewesen, welche Entwicklung das Glücksspielverhalten der einzelnen Teilnehmer durchlaufen sei.

Tastatur Hände in Handschellen
Zahl der Problemspieler drastisch gestiegen (Bild: Pixabay)

So sei ein Drittel der Nicht-Spieler des Jahres 2016 im Jahr 2018 in die Gruppe der Spieler gewechselt. 5 % davon hätten sogar problematisches Spielverhalten entwickelt.

Was die Nicht-Problemspieler von 2016 betrifft, hätten 17 % im Jahr 2018 ein problematisches Spielverhalten oder Spielsucht entwickelt.

Doch auch in entgegengesetzter Richtung habe es Entwicklungen gegeben. So habe ein Drittel der Problemspieler des Jahres 2016 im Jahr 2018 gänzlich mit dem Spielen aufgehört.

Auch bezüglich des problematischen Spielverhaltens habe es große geschlechterspezifische Unterschiede gegeben. So sei die Zahl der Nicht-Spieler bei den weiblichen Teilnehmern zwischen 2016 und 2018 von 90,7 % auf 70,7 % gesunken. Bei den männlichen hingegen von 82,8 % auf 49,4 %.

Im Jahr 2016 seien des Weiteren 0 % der Teilnehmerinnen in die Sparte der Problemspieler gefallen. Im Jahr 2018 hingegen 0,3 %. Bei den männlichen Teilnehmern habe es einen Anstieg von 1,1 % auf 3,2 % gegeben.

Die Studienergebnisse beziehen sich zwar nur auf den Schweizer Kanton Freiburg, liefern jedoch interessante Erkenntnisse für das gesamte Land, gerade im Hinblick auf das neue Geldspielgesetz.