Gordon Brown: Mit höherer Glücksspiel-Steuer gegen Kinderarmut
Posted on: 07/08/2025, 12:25h.
Last updated on: 07/08/2025, 12:25h.
- Ex-Premier Gordon Brown fordert höhere Glücksspiel-Steuern, um 500.000 Kinder aus der Armut zu holen.
- Der Thinktank IPPR schlägt Steuererhöhungen auf Online-Casinos, Spielautomaten und Sportwetten vor.
- Befürworter betonen, die Glücksspielbranche müsse mehr zur Bekämpfung sozialer Schäden beitragen.
Mit einer gezielten Reform der Glücksspiel-Besteuerung ließen sich laut einem Bericht des Institute for Public Policy Research (IPPR) rund 3,2 Milliarden Pfund (etwa 3,75 Milliarden Euro) zusätzlich einnehmen. Das Geld aus Glücksspiel-Steuern könnte verwendet werden, um die Zwei-Kind-Grenze sowie die Sozialleistungsobergrenze abzuschaffen. Zwei Maßnahmen, die aktuell rund 1,6 Millionen Kinder in Großbritannien betreffen und als Haupttreiber für steigende Kinderarmut gelten. Würden diese Hürden beseitigt, könnten laut IPPR 500.000 Kinder unmittelbar aus der Armut geholt werden.

Gordon Brown unterstützt die Reformvorschläge und nennt sie einen entscheidenden Schritt im Krieg gegen die Kinderarmut. Insbesondere profitable Bereiche wie Online-Casinos, Slotgames und Anbieter mit hohen Einsätzen sollen stärker zur Kasse gebeten werden.
Der Fokus liegt auf auslandsbasierten Unternehmen, die aktuell kaum britische Unternehmens- und Glücksspiel-Steuern zahlen und zudem von der Mehrwertsteuer befreit sind. In seinem Schreiben für Guardian sagt er:
Die Glücksspielbranche ist eine Gelddruckmaschine mit Lizenz. Besteuern Sie sie richtig und beschleunigen Sie den Kampf gegen Kinderarmut. Neues Denken ist jetzt dringend notwendig. Ich habe seit meiner Kindheit in einer Bergbau- und Textilstadt, die von Arbeitslosigkeit geprägt war, keine so tiefe Armut mehr gesehen.
Die geplanten Steueranpassungen umfassen eine Erhöhung der Remote Gaming Duty für Online-Casinos von 21 % auf 50 %. Hinzukommt eine Anhebung der Machine Games Duty für Spielautomaten von 20 % auf 50 % sowie ein Anstieg der General Betting Duty auf sonstige Wetten von 15 % auf 25 %.
Diese Schritte würden die steuerliche Belastung an den Pferderennsport angleichen, wo bereits eine Abgabe von 25 % gilt. Laut IPPR sei nicht zu erwarten, dass durch die Steuererhöhungen die Einnahmen insgesamt sinken, da die Abgaben auf den Umsatz und nicht den Gewinn berechnet werden.
Politische Debatte hält an
Das Betting and Gaming Council (BGC) hat die Vorschläge als wirtschaftlich verantwortungslos zurückgewiesen und warnt vor einem möglichen Anstieg des Schwarzmarkts. Bereits umgesetzte Reformen hätten die Branche über eine Milliarde Pfund gekostet. Weitere Steuererhöhungen könnten laut BGC Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gefährden.
Gordon Brown hingegen argumentiert, dass die Abschaffung der Zwei-Kind-Regelung eine der effektivsten Maßnahmen gegen Armut sei. Angesichts von aktuell 4,8 Millionen armutsbetroffenen Kindern in Großbritannien sei die Zeit für einen einfachen haushaltspolitischen Schritt gekommen. So Brown:
Ohne Maßnahmen zur Verbesserung der Familieneinkommen wird die Zahl der Kinder in Armut nach der eigenen Definition der Regierung bis 2029 auf völlig inakzeptable 4,8 Millionen ansteigen. Das sind die Kinder der Austerität, die Opfer von 14 Jahren konservativer Regierung. Einer Ära, deren grausamste Entscheidung darin bestand, neugeborene dritte und vierte Kinder wie Bürger zweiter Klasse zu behandeln, indem ihnen sämtliche Einkommensunterstützung verweigert wurde, die ihren älteren Geschwistern noch zustand.
Die Regierung kündigte für den Herbst eine Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut an. Bleibt abzuwarten, ob die IPPR-Vorschläge Bestandteil davon sein werden.
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