Transfer-Experte: Nach Brentford-Absage spricht vieles für Dortmund
Constantin Eckner sprach mit Casino.org und gab einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem deutschen Transfermarkt.
Der Bundesliga-Experte erklärte, dass die Zukunft von Said El Mala maßgeblich in den Händen seiner Mutter liege, nachdem die Familie einen Wechsel zum FC Brentford abgelehnt habe. Dadurch seien die Chancen auf einen Transfer zu Borussia Dortmund deutlich gestiegen.

Neben Einschätzungen zur Zukunft des vereinslosen Jadon Sancho und zu Newcastle-Profi Nick Woltemade sprach Eckner auch über Jürgen Klopps Pläne für die deutsche Nationalmannschaft im Hinblick auf die ersten Länderspiele im September.
Victor Montagliani die beste Option als neuer FIFA-Präsident
Frage: Gianni Infantino steht zunehmend unter Druck, sein Amt niederzulegen. Sollte er tatsächlich zurücktreten – wer könnte seine Nachfolge antreten und wen würde Deutschland als Nachfolger bevorzugen?
Constantin: Nach den Ereignissen der vergangenen Woche überrascht es nicht, dass inzwischen mehrere nationale Fußballverbände ihre Unterstützung für Gianni Infantino zurückziehen. Noch vor einer Woche sah alles nach einem Selbstläufer aus, weil potenzielle Gegenkandidaten wie Aleksander Čeferin eine Kandidatur ausgeschlossen hatten. Damals schien es schlicht aussichtslos, gegen Infantino anzutreten.
Inzwischen hat sich die Lage allerdings verändert – und sie verändert sich weiter. Der DFB hat bereits im Juni erklärt, dass er das Unterstützungsschreiben beziehungsweise die Empfehlung für Infantinos Kandidatur bei der FIFA-Wahl im März nicht unterzeichnen werde. Damit war der Verband seiner Zeit sogar ein Stück voraus. Ich glaube, dass innerhalb der UEFA – also unter den 55 FIFA-Mitgliedsverbänden aus Europa – inzwischen die meisten, wenn nicht sogar alle, gegen Infantino sind.
Der Präsident des tschechischen Fußballverbands hat sich etwas zurückhaltender geäußert und angedeutet, dass das FIFA-Programm „Forward“ durchaus Vorteile für seinen Verband bringen könnte. Dennoch bin ich überzeugt, dass die überwältigende Mehrheit der UEFA-Mitglieder gegen Infantino ist – ebenso wie die Verbände aus der CONCACAF sowie ein erheblicher Teil der AFC-Mitglieder. Katar etwa, das ebenfalls der AFC angehört, unterstützt den gebürtigen Katarer Gianni Infantino weiterhin ausdrücklich.
Was mögliche Gegenkandidaten betrifft, schien eine Kandidatur gegen Infantino vor einer Woche noch praktisch aussichtslos. Inzwischen halte ich Victor Montagliani, den Präsidenten der CONCACAF und Kanadier, für die aussichtsreichste Alternative. Er steht seit 2012 an der Spitze der CONCACAF und könnte gerade aufgrund seiner Herkunft ein interessanter Kandidat sein.
Er kommt nicht aus der UEFA und ist kein Europäer. Damit repräsentiert er einen anderen Teil der Fußballwelt. Gleichzeitig stammt er aus Kanada – einem Land, das derzeit sowohl zu den USA als auch zu Infantino ein kompliziertes Verhältnis hat. Warum sollte man ihn also nicht unterstützen? Natürlich bräuchte er dafür die Rückendeckung der UEFA, seiner eigenen Konföderation CONCACAF sowie vermutlich zahlreicher AFC-Mitglieder.
Frage: Glauben Sie, dass Deutschland einen solchen Kandidaten unterstützen würde?
Constantin: Davon gehe ich aus, denn das wäre ein kluger Schritt. Natürlich könnte man auch einen europäischen Kandidaten ins Rennen schicken – sogar Nasser Al-Khelaifi, der zwar Katarer ist, aber als Präsident von Paris Saint-Germain und einer der einflussreichsten Akteure im europäischen Fußball gilt. Formal wäre auch er ein Kandidat aus dem europäischen Fußball.
Ich denke jedoch, dass den UEFA-Mitgliedern bewusst ist, dass ein europäischer Kandidat derzeit nicht die beste Lösung wäre.
Viele Verbände aus anderen Teilen der Welt, die Infantino bei den vergangenen Wahlen oder Abstimmungen auf dem FIFA-Kongress unterstützt haben, erwarten vor allem finanzielle Hilfen und Investitionen in die Infrastruktur. Der europäische Fußball ist den meisten anderen Regionen wirtschaftlich und sportlich ohnehin weit voraus.
In Afrika und in Teilen Asiens herrscht vielfach die Ansicht, dass Europa den Weltfußball bereits dominiert. Deshalb besteht dort wenig Interesse an einem weiteren Europäer als FIFA-Präsidenten. Zwar ist auch Infantino Europäer, doch seit seinem Amtsantritt im Jahr 2016 hat er gezielt dafür gesorgt, die Verbände in den übrigen Teilen der Welt stärker zu unterstützen.
Jürgen Klopp setzt als Bundestrainer auf die junge Generation
Frage: Wie wird Jürgen Klopp Ihrer Einschätzung nach seine Mannschaft im Hinblick auf die Länderspiele im September aufstellen? Wird er sich vor allem auf erfahrene Spieler verlassen oder ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit jungen Spielern einen Neuanfang einzuleiten?
Constantin: Ich glaube, dass er den Fokus klar auf junge Talente legen wird. Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um diesen Umbruch einzuleiten. Einige erfahrene Spieler werden wohl aussortiert werden, weil ihnen signalisiert wird, dass sie in den langfristigen Planungen der Nationalmannschaft keine große Rolle mehr spielen.
Das heißt nicht, dass diese Spieler nicht mehr gut genug sind. Viele von ihnen sind allerdings inzwischen über 30 Jahre alt, und da stellt sich die Frage, warum man mit Blick auf die nächsten beiden großen Turniere noch auf sie bauen sollte. Jürgen Klopp besitzt derzeit einen Vertrag bis 2030. Sein Fokus liegt daher ganz klar auf der Europameisterschaft in Großbritannien und Irland sowie auf der Weltmeisterschaft 2030, deren endgültige Austragungsmodalitäten zwar noch nicht vollständig geklärt sind.
Gehen wir aber davon aus, dass Deutschland wie erwartet an der WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko teilnehmen wird. Genau auf diese beiden Turniere richtet Klopp seine Planungen aus. Deshalb gehe ich davon aus, dass er verstärkt auf junge Talente setzen und Schritt für Schritt eine neue Mannschaft aufbauen wird.
Seit dem WM-Titel 2014 – oder spätestens seit dem Halbfinaleinzug bei der Europameisterschaft 2016 – hat Deutschland auf der internationalen Bühne nur selten überzeugen können. Von der Heim-EM 2024 einmal abgesehen, verliefen die meisten großen Turniere eher enttäuschend. Insgesamt ist die Entwicklung in den vergangenen Jahren nicht so verlaufen, wie man es sich vorgestellt hatte.
Dabei stehen bereits einige vielversprechende Nachwuchsspieler bereit, die auf ihre erste Nominierung warten. Said El Mala vom 1. FC Köln ist ein gutes Beispiel. Hinzu kommt Kenneth Izekor, der kürzlich zu Bayer Leverkusen gewechselt ist, aktuell allerdings aufgrund einer Erkrankung ausfällt. Er ist gerade einmal 17 Jahre alt.
Außerdem gibt es Lennart Karl, den Flügelspieler des FC Bayern München. Diese Spieler stehen für die Zukunft des deutschen Fußballs, und ich bin überzeugt, dass Jürgen Klopp sie nach und nach in die Nationalmannschaft integrieren möchte.
El Malas Zukunft könnte bei Borussia Dortmund liegen
Frage: Wie sieht die Zukunft von Said El Mala beim 1. FC Köln aus?
Constantin: Der 1. FC Köln hat eine klare Preisvorstellung: Wer 50 Millionen Euro bezahlt, kann ihn verpflichten.
Brighton & Hove Albion hat sich über einen längeren Zeitraum intensiv um El Mala bemüht. Nach allem, was ich aus gut informierten Kreisen gehört habe, gab es mehrere Angebote. Allerdings kam ein Transfer letztlich nie zustande, weil Brighton nie bereit war, die geforderten 50 Millionen Euro zu zahlen. Die Offerten lagen darunter, was angesichts seines Alters auch nachvollziehbar ist. El Mala ist erst 19 Jahre alt und wird Ende August 20. Zudem hat er gerade erst seine erste komplette Bundesliga-Saison absolviert.
Davor spielte er auf Leihbasis in der 3. Liga bei einem anderen Kölner Verein. Er ist also weiterhin ein sehr junger und entwicklungsfähiger Spieler, bei dem trotz seines großen Potenzials noch gewisse Unsicherheiten bestehen. Entsprechend zögern viele Vereine, eine derart hohe Ablösesumme zu investieren, solange nicht sicher ist, dass er sich auf höchstem Niveau dauerhaft durchsetzen wird.
Brighton hat sich inzwischen aus dem Rennen zurückgezogen. Brentford war dagegen bereit, rund 40 bis 50 Millionen Euro zu bieten und sich damit der Kölner Forderung anzunähern. Die Familie El Mala lehnte einen Wechsel jedoch ab. Seine Mutter trifft die entscheidenden Entscheidungen in dieser Angelegenheit. Ihr Wunsch ist es, dass Said – ebenso wie sein Bruder, der für die zweite Mannschaft des 1. FC Köln spielt – möglichst in Köln oder zumindest in der Region bleibt.
Genau deshalb ist Borussia Dortmund ins Spiel gekommen. Dortmund liegt nicht weit von Köln entfernt – mit dem Auto ist die Strecke in etwa einer Stunde zu bewältigen. Diese räumliche Nähe entspricht den Vorstellungen von El Malas Mutter.
Borussia Dortmund hat bereits ein Angebot abgegeben und rund 34 Millionen Euro plus einige Millionen an Bonuszahlungen geboten. Damit blieb der BVB zwar unter der geforderten Ablösesumme, wollte den Offensivspieler aber verpflichten, nachdem Karim Adeyemi den Verein in Richtung FC Barcelona verlassen hat.
Köln hat dieses Angebot zunächst abgelehnt. Derzeit deutet jedoch vieles darauf hin, dass Dortmund seine Offerte nachbessern könnte. Denkbar wäre eine Erhöhung der festen Ablösesumme von 33 oder 34 Millionen Euro auf etwa 40 Millionen Euro, dafür mit geringeren Bonuszahlungen.
Am Ende könnten sich beide Vereine auf einen Kompromiss einigen, sodass Said El Mala künftig das Trikot von Borussia Dortmund trägt. Das ist zumindest der aktuelle Eindruck, denn nach dem Wunsch seiner Mutter soll er möglichst in der Nähe seiner Heimat bleiben – und Dortmund ist in dieser Hinsicht die attraktivste Option.
Rückkehr in die Nationalmannschaft für Jadon Sancho unwahrscheinlich
Frage: Gibt es Neuigkeiten zur Zukunft von Jadon Sancho?
Constantin: Nach allem, was ich weiß, wird er nicht zu Borussia Dortmund zurückkehren. Innerhalb der Dortmunder Vereinsführung gab es zwar Diskussionen darüber, ob man ihm nach seiner Leihe in der Rückrunde der Saison 2023/24 noch einmal eine Chance geben sollte.
Sancho hatte den BVB 2021 verlassen, nachdem sein Name über Monate hinweg immer wieder mit einem Wechsel zu Manchester United in Verbindung gebracht worden war. Damals war der Hype um ihn riesig. Davon ist heute allerdings nichts mehr übrig.
Er ist inzwischen vereinslos und damit ablösefrei zu haben. Dortmund hat eine Rückholaktion durchaus geprüft, allerdings herrschte intern keine Einigkeit. Einige Verantwortliche waren der Ansicht, dass Sancho mittlerweile kein Spieler mehr ist, der den Unterschied ausmachen kann. Das ist auch einer der Gründe, weshalb viele europäische Klubs derzeit zögern.
Deshalb erscheinen die Gerüchte über einen möglichen Wechsel in die Golfstaaten inzwischen deutlich realistischer. In den vergangenen Jahren hat Sancho weder beim FC Chelsea noch bei Manchester United nachhaltig überzeugt.
Hinzu kommt sein enormes Gehalt bei Manchester United. Wer ein derart hohes Einkommen gewohnt ist, ist in der Regel nicht bereit, auf die Hälfte seines Gehalts zu verzichten. Auch deshalb kam eine Verpflichtung für Dortmund letztlich nicht infrage. Zwar wäre keine Ablösesumme fällig geworden, doch sein Gehalt wäre weiterhin enorm gewesen – und angesichts seiner Leistungen seit 2022 wollte der Verein dieses finanzielle Risiko nicht eingehen.
Nick Woltemade könnte unter Jaissle einen Neustart schaffen
Frage: Wie wird Nick Woltemade Ihrer Meinung nach unter dem neuen Newcastle-Trainer zurechtkommen, nachdem Eddie Howe den Verein verlassen hat?
Constantin: Der Trainerwechsel kam natürlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Dass Matthias Jaissle erst drei Wochen vor Beginn der Premier-League-Saison übernimmt, ist alles andere als ideal.
Trotzdem glaube ich, dass Nick Woltemade gut zu Jaissles Spielidee passen könnte. Matthias Jaissle stammt aus der Red-Bull-Schule. Er war Trainer von Red Bull Salzburg, bevor er zu Al Ahli nach Saudi-Arabien wechselte, wo er zweimal die AFC Champions League gewann. Das sollte man nicht außer Acht lassen.
Sein Fußball ist stark von den Prinzipien der Red-Bull-Philosophie geprägt. Intensität gehört zu den wichtigsten Merkmalen seiner Mannschaften. Er ist zwar kein Trainer wie Ralf Rangnick, dessen Spiel fast ausschließlich auf Pressing und Gegenpressing basiert, dennoch sind viele dieser Elemente auch bei Jaissle klar zu erkennen.
Deshalb glaube ich, dass Woltemade mit seiner hohen Spielintelligenz sehr gut in dieses System passen könnte. Bei Nick Woltemade gibt es allerdings ein weit verbreitetes Missverständnis. Das habe ich bereits im vergangenen Jahr gesagt, als Newcastle ihn verpflichtete. Aufgrund seiner Körpergröße von rund 1,98 Metern denken viele automatisch an einen klassischen Mittelstürmer vom Typ Peter Crouch. Tatsächlich ist er aber ein ganz anderer Spielertyp.
Natürlich hat er sich im Kopfballspiel verbessert, doch seine größten Stärken liegen eher als hängende Spitze oder in einer freieren Offensivrolle. Wenn man ihn sieht, erwartet man automatisch einen großen Strafraumstürmer, der auf Flanken wartet. Genau das ist er aber nicht.
Ich denke, genau deshalb wurde Woltemade lange Zeit falsch eingeschätzt.
Auch bei Newcastle spielte er häufig im Sturmzentrum, wo deutlich wurde, dass er kein klassischer Torjäger oder besonders effizienter Vollstrecker ist. Seine Qualitäten liegen vielmehr im Kombinationsspiel, in seiner Spielübersicht und darin, seine Mitspieler in Szene zu setzen.
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