Mike Tyson im Exklusivinterview: Sieht er seine Zukunft im Boxen?
Tyson versichert, dass ein möglicher Showkampf gegen Mayweather trotz
Verzögerungen weiterhin „ziemlich verlockend“ seiEr verrät, dass die Zurückhaltung seiner Familie nach dem Kampf gegen Jake Paul
Einfluss auf zukünftige Fights haben könnteEr hält Conor Benn für „absolut konkurrenzfähig“ und fordert, dass Boxer wieder
häufiger in den Ring steigen
Mike Tyson ist auch mit 59 noch voll da. Der Mann, der einst als „bösester Mann der Welt“ galt
und bis heute für viele der größte Knock-out-König der Schwergewichtsgeschichte ist, steht
noch immer im Rampenlicht des Boxsports, während sein 60. Geburtstag immer näher rückt.
Etwas mehr als ein Jahr liegt Tysons letzter Profikampf zurück. Sein damaliger Gegner, die
aktuelle Mediensensation des Boxsports Jake Paul, ist rund drei Jahrzehnte jünger als „Iron
Mike“.

DALLAS, TEXAS -- 14. NOVEMBER: Mike Tyson beim Wiegen für LIVE auf Netflix: Jake Paul vs. Mike Tyson in der Toyota Music Factory am 14. November 2024 in Dallas, Texas. (Foto: Brett Carlsen/Getty Images für Netflix © 2024)
Obwohl Tyson gegen Paul verlor, hielt er über die vollen acht Runden gegen den wesentlich
jüngeren Gegner durch und zeigte damit, dass er noch immer im Ring mithalten kann.
Der seit den 90er-Jahren in Las Vegas lebende Tyson macht bislang keinerlei Anstalten, sich
zur Ruhe zu setzen. Ein möglicher Kampf gegen Floyd Mayweather Jr. steht weiterhin im
Raum.
Auch wenn der ursprünglich angepeilte Termin am 25. April nicht zustande kam (Berichten
zufolge wegen Mayweathers Problemen mit dem US-amerikanischen Finanzamt), wolle Tyson
ein mögliches Duell der beiden Superstars nicht ausschließen.
„Viel kann ich dazu nicht sagen, aber es ist ziemlich verlockend“, sagt er im Exklusivinterview
mit Casino.org, „Ich bin einfach froh, dass ich in einer Verfassung bin, die es mir ermöglicht,
genau das auf diesem Niveau zu tun.“
Der Kampf gegen Paul war Tysons erster Profikampf seit 2005, damals gegen Kevin McBride.
Nach seinem ursprünglichen Rücktritt vom Boxsport bestritt Tyson 2020 nur einen einzigen
Showkampf gegen Roy Jones Jr. Die Boxlegende erklärt, dass er sich heutzutage für einen
Kampf drei bis vier Monate im Voraus vorbereiten und täglich trainieren müsse, um in
Topform zu sein.
Auf die Frage, ob er noch andere mögliche Gegner im Kopf habe oder wann er die Handschuhe
endgültig an den Nagel hängen wolle, will Tyson seiner Laufbahn kein konkretes Enddatum
geben.
„Ich weiß nicht, wann“, sagt der gebürtige New Yorker. „Ich denke nur dann darüber nach,
wenn mir jemand einen Scheck in die Hand drückt. Mir fallen eine ganze Menge Leute ein,
gegen die ich kämpfen möchte.“

Jake Paul dominierte den 58-jährigen Mike Tyson in ihrem Kampf am Freitag, der für rekordverdächtige
Wettzahlen sorgte. Bild/Getty
Tyson: Die Familie muss hinter künftigen Kämpfen stehen
In den späten 80er- sowie den gesamten 90er-Jahren dominierte Tyson die Welt des Boxsports:
Er gewann seine ersten 19 Profikämpfe durch K.o., 12 davon bereits in der ersten Runde. Sein
Name war in aller Munde und er stieg zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten der
Sportwelt auf.
Natürlich gab es in Tysons Leben auch tiefe Abstürze und dunkle Momente, darunter der
berüchtigte Ohrbiss gegen Evander Holyfield. Zudem meldete er Anfang der 2000er-Jahre
Privatinsolvenz an.
Inzwischen hat Tyson jedoch ein erfolgreiches Comeback als Geschäftsmann und
Markenbotschafter hingelegt. Er ist Mitbegründer von Carma HoldCo, unter deren Dach er
seine Cannabisprodukte vertreibt. Die Firma nennt sich Tyson 2.0.
Wenn es um mögliche zukünftige Kämpfe geht, berücksichtigt der ehemalige
Schwergewichtschampion nach eigenen Angaben inzwischen die Gefühle seiner Familie,
bevor er einen Kampf annimmt. Ein klarer Unterschied zu seiner Denkweise, als er noch
zwanzig, dreißig Jahre alt war.
„Über solche Dinge muss ich mit meiner Familie sprechen, da muss ich ehrlich sein“, sagt
Tyson. „Ich muss wissen, was sie bereit sind, mitzumachen. Der letzte Kampf hat ihnen nicht
gefallen. Sie mochten das Leiden und das ganze Drumherum nicht. Sie sind der Meinung, dass
es ein Sport für junge Leute sei. Deshalb muss ich mich wirklich mit ihnen zusammensetzen,
reden und gemeinsam entscheiden, was wir machen.“
Tyson macht deutlich, dass der zentrale Punkt in seinem Leben heute seine Familie sei.
„Sie ist mein Glück“, erklärt Tyson. „Mein Glück ist meine Familie. Das Glück eines jeden
besteht darin, sich im Leben stetig etwas aufzubauen und anderen zu helfen. Genau darum
geht es. Das habe ich erkannt. Es geht darum, Menschen zu helfen. Wie lange werden wir
schon leben? Wie kann ich all das genießen? Wir werden nicht ewig hier sein.“
„Es geht darum, etwas zurückzugeben“, führt Tyson fort. „Früher hielt ich das für völligen
Blödsinn, aber je älter ich wurde, desto mehr habe ich verstanden, dass es genau darum geht.
Heute komme ich mir richtig dumm vor. Damals dachte ich, die anderen wären naiv.“
Das ist für Tyson eine komplette Kehrtwende, denn er gibt offen zu, dass es ihm in seinen
besten Jahren schwerfiel, ein fürsorglicher Vater zu sein.
„Als ich jung war, in den 80ern und 90ern, wusste ich überhaupt nicht, wie man eine Familie
aufbaut“, sagt Tyson. „Ich dachte, Geld regelt alles. Meine Frau und ich haben ganz unten
angefangen. Wir mussten gemeinsam leiden. Ich war nie wirklich bei meinen Kindern oder
meiner Familie. Ich habe jeden verdammten Tag die Sau rausgelassen. Heute kann ich für sie
da sein, aber am Anfang habe ich fast den Verstand verloren. Ich dachte, ich würde verrückt
werden, wenn ich die ganze Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau zusammen bin. Ich war
es gewohnt, unterwegs zu sein, Geld rauszuhauen und jede Menge Scheiß zu reden. Ganz
ehrlich, ich wäre fast durchgedreht.“

Mike Tyson vor dem Schwergewichtskampf zwischen Tyson Fury und Francis Ngannou in Riad, Saudi-Arabien, am 28. Oktober 2023. (Bild: Justin Setterfield/Getty)
Tyson: Conor Benn ist „absolut konkurrenzfähig“
Auch wenn die Familie für Tyson inzwischen wichtiger ist als das Boxen, sagt er, dass er den
Sport nach wie vor liebe und ihn weiter aufmerksam verfolge.
„Natürlich“, bestätigt Tyson. „Mike Tyson ist nicht größer als der Boxsport. Niemand ist größer
als das Boxen. Boxen ist das, was ich bis zu meinem Tod schauen werde.“
Auf die Frage, welche Boxer ihm aktuell besonders auffallen und ihn an sein jüngeres Ich
erinnern, nennt Tyson gleich mehrere Namen: „Es gibt so viele gute Boxer. Nenn mir eine
Gewichtsklasse. David Benavidez. Tank (Gervonta Davis). Shakur Stevenson. Keyshawn Davis,
großartiger Kämpfer. Es gibt so viele hervorragende Boxer, die gerade auf dem Weg an die
Spitze sind.“
Besondere Erwähnung findet der viel kritisierte Conor Benn: „Und dann ist da noch dieser
junge Typ, der sich beweisen will, Conor Benn. Viele sagen, er sei ein Versager, aber glaub mir,
er hat das Zeug dazu, ganz vorn mitzumischen. Ich weiß, dass er gern provoziert und manche
Leute damit nervös macht, aber er ist absolut konkurrenzfähig. Er scheut sich vor keinem
Kampf.“
Gleichzeitig macht der US-Amerikaner klar, dass er den jungen Boxern nicht aktiv Ratschläge
aufzwinge. Aus seiner Sicht wüssten sie sehr genau, was sie da draußen tun.
„Ich sehe sie und zolle ihnen Respekt“, sagt Tyson. „Ich bin nicht einer von denen, die sagen:
‚Hört mir zu, ich weiß, was richtig ist.‘ Ich sehe sie als eigenständige Persönlichkeiten. Sie sind
mir ebenbürtig. Ich stehe über niemandem. Ich betrachte sie als Freunde. Mit Herzlichkeit und
Respekt. Ich versuche nicht, ihnen das Boxen beizubringen. Diese Jungs boxen schon lange. Sie
haben mehr Erfahrung als ich. Viele von denen haben mit fünf oder gar drei Jahren
angefangen. Was soll ich ihnen da noch erzählen?“
Tyson: Top-Boxer müssen öfter kämpfen
Für Tyson ist eines der größten Probleme des modernen Boxens die geringe Kampfhäufigkeit;
damit der Sport wieder die Popularität erlange, die er zu seiner Glanzzeit hatte, müssten die
Athleten wieder mehr in den Ring steigen.
„Hört zu: Ihr müsst weiterkämpfen“, ermahnt Tyson. „Ich habe in einem einzigen Jahr 15
Fights bestritten. Diese Jungs kämpfen vielleicht zweimal im Jahr. Es geht um Aktivität und
Präsenz. Je öfter die Leute dich sehen, desto eher baust du dir eine Fangemeinde auf. Wenn sie
dich nicht sehen, dann bist du aus den Augen, aus dem Sinn. Deine Anhänger müssen dein
Gesicht ständig sehen. Je öfter sie dich sehen, desto öfter wollen sie dich auch sehen.“
Seiner Ansicht nach sollten Spitzenboxer mindestens drei Kämpfe pro Jahr bestreiten.
„Drei Kämpfe im Jahr und schon verdienst du Geld“, verdeutlicht Tyson. „Es ist ja nicht so, als
würdest du das gratis machen und als wäre es langweilig. Du verdienst Geld. Darum geht es im
Boxen: Tritt gegen den aufregendsten Gegner an und hole dabei so viele Siege wie möglich
heraus. Es geht darum, Geld zu verdienen, um für deine Familie zu sorgen und möglichst
unversehrt aus der Sache rauszukommen.“
Auf die Frage, was der beste Rat für junge Athleten und angehende Unternehmer sei,
antwortet er: „Werte schaffen und an sich selbst glauben.“
„Glaubt an euch selbst, habt Selbstvertrauen und seid immer bereit zu arbeiten“, sagt Tyson.
„Seid bereit, alles zu tun. Werdet zu wertvollen Menschen, versteht ihr? Ich bin wohlhabend,
weil ich wertvoll bin, nicht umgekehrt. Darauf bin ich stolz. Ich bin stolz darauf, wertvoll zu
sein. Das ist die wichtigste Grundlage für Erfolg: wertvoll zu sein. Viele Menschen sind reich,
aber tragen nichts zur Gesellschaft bei.“
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