Christian Ziege: Deutschlands WM-Leistung überrascht nicht
Der frühere Bayern-Profi und deutsche Nationalspieler Christian Ziege hat im Gespräch mit Casino.org auf das Abschneiden Deutschlands bei der Weltmeisterschaft zurückgeblickt, nachdem die DFB-Auswahl im Sechzehntelfinale an Paraguay gescheitert war.

Der frühere Bayern-Profi und deutsche Nationalspieler Christian Ziege hat im Gespräch mit Casino.org auf das Abschneiden Deutschlands bei der Weltmeisterschaft zurückgeblickt, nachdem die DFB-Auswahl im Sechzehntelfinale an Paraguay gescheitert war.
Der Europameister von 1996 erklärte, dass ihn das enttäuschende Abschneiden Deutschlands angesichts der Kaderzusammenstellung und der Verletzungssorgen wichtiger Spieler nicht überrascht habe.
Außerdem sprach Ziege über die Zukunft von Harry Kane und Michael Olise beim FC Bayern, blickte auf die kommende Bundesliga-Saison und traut Florian Wirtz eine starke zweite Spielzeit beim FC Liverpool zu.
Harry Kane sollte seine Karriere beim FC Bayern München beenden
Interviewer: Harry Kane hat angekündigt, dass er seinen Vertrag beim FC Bayern gerne verlängern würde. Welchen Vertrag würden Sie ihm anbieten, wenn man bedenkt, dass er bald 33 Jahre alt wird?
Christian Ziege: In diesem Alter wird natürlich immer darüber gesprochen, dass ein Spieler langsam älter wird. Andererseits gibt es genügend Beispiele von Profis, die auch in diesem Alter noch auf höchstem Niveau abliefern. Man sieht Cristiano Ronaldo, man sieht Luka Modrić – Spieler, die ihre Karriere bis weit in die Vierziger fortsetzen.
Harry Kane ist genau der Typ Profi, dem ich das ebenfalls zutraue. Er lebt für den Fußball und ich kann mir gut vorstellen, dass er auch in diesem Alter noch auf höchstem Niveau spielen wird. Deshalb halte ich einen neuen Dreijahresvertrag für eine gute Lösung.
Von außen betrachtet wirkt es außerdem so, als fühle er sich beim FC Bayern rundum wohl. Die Spielweise der Mannschaft kommt ihm entgegen und der Verein ist mit ihm mehr als zufrieden.
Ich glaube, für beide Seiten wäre es das Beste, wenn er so lange wie möglich in München bleibt. Solange er weiterhin solche Leistungen zeigt wie bisher, sehe ich eigentlich keinen Grund für einen Wechsel. Meinetwegen kann er seine gesamte Karriere beim FC Bayern beenden.
München ist schließlich eine fantastische Stadt zum Leben – und das nicht nur wegen des FC Bayern. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, sich an einem Ort wohlzufühlen. Wenn man Vertrauen in sein Umfeld hat, sich selbst wohlfühlt und auch die Familie in der Stadt angekommen ist, hat das einen enormen Einfluss.
Bei mir war das damals in London während meiner Zeit bei Tottenham ähnlich. Dort hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, wirklich zu Hause zu sein – obwohl ich nicht in meinem Heimatland gelebt habe. Ich glaube, genau das trägt auch dazu bei, warum Harry Kane aktuell so stark spielt. Man weiß nie, was passiert, wenn man den Verein wechselt und sich auf ein völlig neues Umfeld einlassen muss.
Deutschlands WM-Debakel kommt nicht überraschend
Interviewer: Wie bewerten Sie das Abschneiden Deutschlands bei der Weltmeisterschaft?
Christian Ziege: Es ist natürlich enttäuschend. Ich glaube allerdings, dass die wenigsten Menschen in Deutschland wirklich überrascht waren. Nach den beiden vergangenen Weltmeisterschaften sind wir jeweils schon in der Gruppenphase ausgeschieden – dieses Mal haben wir immerhin eine Runde mehr überstanden.
Die Vorbereitung auf das Turnier verlief alles andere als optimal. Natürlich sind wir enttäuscht, denn mit der Qualität, die wir im Kader haben, sollte mindestens das Viertelfinale, wenn nicht sogar das Halbfinale, das Ziel sein.
Aber am Ende geht es nicht nur um die Qualität einzelner Spieler. Entscheidend ist, dass eine Mannschaft als Einheit funktioniert und einen klaren Spielstil hat.
Ich finde, wir hatten in vielen Bereichen Probleme. Das fing schon auf der Torwartposition an, als Manuel Neuer kurz vor der Weltmeisterschaft zurückkehrte. Darüber wurde wochenlang diskutiert und jeder hatte seine eigene Meinung dazu.
Dann fiel mit Kai Havertz ein überragender Spieler unmittelbar vor dem Turnier verletzt aus. Auch Jamal Musiala hatte mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Insgesamt hatten wir drei oder vier Spieler, die körperlich nicht bei 100 Prozent waren und trotzdem in der Startelf standen.
Leroy Sané konnte ebenfalls nicht sein gewohntes Leistungsniveau abrufen, spielte aber dennoch immer. Dazu kam die Diskussion um Deniz Undav. Er ist ein hervorragender Stürmer, stand aber nicht von Beginn an auf dem Platz.
Hinzu kommt Joshua Kimmich, der als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde. Meiner Meinung nach gehört er zu den besten – wenn nicht sogar dem besten – zentralen Mittelfeldspieler Deutschlands.
Man hat gesehen, dass wir viele gute Fußballer im Kader hatten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob letztlich auch die richtige Mannschaft auf dem Platz stand.
Ein Beispiel: Wir haben immer wieder Flanken von außen geschlagen, aber im Strafraum war im Grunde nur Kai Havertz präsent. Florian Wirtz, Jamal Musiala und Leroy Sané sind keine Spieler, die sich von Natur aus ständig im Strafraum bewegen.
Sie kommen lieber aus der Tiefe, suchen das Dribbling, schließen selbst ab oder setzen ihre Mitspieler ein. Vielleicht haben einige Bausteine am Ende einfach nicht richtig zusammengepasst.
Interviewer: Warum gelingt es den Bayern-Spielern in der Nationalmannschaft nicht, an ihre Leistungen aus dem Verein anzuknüpfen?
Christian Ziege: Zunächst einmal muss man sich die Rollenverteilung anschauen. Wenn Manuel Neuer im Tor steht und Jonathan Tah in der Innenverteidigung spielt, rückt Joshua Kimmich auf die rechte Abwehrseite.
Beim FC Bayern spielt er normalerweise gemeinsam mit Aleksandar Pavlović im zentralen Mittelfeld. Wenn man ihn als Rechtsverteidiger aufstellt, nimmt man einer Mannschaft einen ihrer stärksten Mittelfeldspieler in seiner besten Position.
Dann ist da Jamal Musiala. Er ist ohne Frage ein außergewöhnlicher Fußballer, war aber sechs oder sieben Monate verletzt. Da war es fast unvermeidlich, dass er während des Turniers nicht sofort wieder sein absolutes Topniveau erreichen konnte.
Ein weiterer großer Unterschied zum FC Bayern ist die Offensive. Dort hast du mit Harry Kane einen Weltklasse-Stürmer und mit Spielern wie Luis Díaz Akteure, die Spiele entscheiden und viele Tore erzielen können.
Genau solche Spielertypen fehlen Deutschland im Moment in der Offensive – und das macht am Ende einen entscheidenden Unterschied.
Die Champions-League-Hoffnung des FC Bayern München
Interviewer: Mit Blick auf die kommende Saison des FC Bayern: Die Mannschaft hat in der vergangenen Spielzeit attraktiven Fußball gespielt und mehr als 100 Tore erzielt. Was wäre für den Verein eine erfolgreiche Saison? Muss die Champions League gewonnen werden?
Christian Ziege: Das ist beim FC Bayern immer das große Ziel. Der Verein will die Champions League gewinnen.
Das ist der wichtigste Titel, den Bayern holen kann. In den vergangenen zwölf Jahren haben sie die Bundesliga, wenn ich mich nicht täusche, elfmal gewonnen.
Nur in außergewöhnlichen Spielzeiten kann diese Dominanz einmal gebrochen werden – so wie damals, als Liverpool die Premier League gewann. Ansonsten gilt: Wenn eine Saison ihren normalen Verlauf nimmt, hat eigentlich keine andere Mannschaft realistische Chancen auf den Meistertitel.
Die Meisterschaft gehört beim FC Bayern praktisch zum Pflichtprogramm. Wenn am Ende nur die Bundesliga gewonnen wird, reicht das den Ansprüchen des Vereins nicht. In der vergangenen Saison kam noch der Pokalsieg hinzu, was die Spielzeit natürlich aufgewertet hat. Das eigentliche Ziel bleibt aber immer der Gewinn der Champions League.
Wenn man sich anschaut, wie Bayern in der vergangenen Saison gespielt hat – insbesondere die beiden herausragenden Halbfinalspiele gegen Paris Saint-Germain –, dann können sie mit ihrer Leistung sehr zufrieden sein. Natürlich wollten sie auch die Champions League gewinnen, aber insgesamt war es eine sehr starke Saison, in der sie erneut gezeigt haben, wie stark diese Mannschaft ist.
Der FC Bayern München ist in der Bundesliga konkurrenzlos
Interviewer: Wie beeindruckt sind Sie von Vincent Kompany, seit er Trainer des FC Bayern ist?
Christian Ziege: Ich bin ein großer Fan von ihm. Vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaften Fußball spielen, trägt ganz klar seine Handschrift. Mir gefällt außerdem, wie er mit seinen Spielern umgeht, wie er in Pressekonferenzen auftritt und wie souverän er mit den Medien arbeitet.
Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie gut er ist. Ich finde, der FC Bayern hat mit seiner Verpflichtung eine hervorragende Entscheidung getroffen. Viele haben damals gesagt, er sei nur die vierte oder fünfte Wahl gewesen. Aber was er in seiner ersten Saison geleistet hat, war außergewöhnlich.
Ich bewundere die Spielweise seiner Mannschaften. Es macht fast immer Spaß, dem FC Bayern zuzusehen, weil sie in nahezu jedem Spiel offensiv auftreten und Fußball spielen wollen. Das ist ganz klar sein Verdienst.
Interviewer: Wen sehen Sie als größten Konkurrenten des FC Bayern in der Bundesliga? Borussia Dortmund wurde am Ende Zweiter – kann der BVB im Titelrennen wirklich mithalten?
Christian Ziege: Wie ich schon gesagt habe: Wenn der FC Bayern über die gesamte Saison sein Niveau erreicht, dann gibt es eigentlich keinen echten Titelkonkurrenten. Dann wird Bayern Meister.
Es gibt einige starke Mannschaften, aber das größte Problem der anderen Vereine ist die fehlende Konstanz. Sie schaffen es nur selten, ihr Leistungsniveau über eine komplette Saison hinweg zu halten.
Auch Bayern hat hin und wieder schwächere Phasen. Doch häufig sind die Verfolger nicht nah genug dran, um daraus Kapital zu schlagen, weil sie selbst immer wieder Punkte liegen lassen.
In der vergangenen Saison war Borussia Dortmund für mich der stärkste Herausforderer. Dahinter würde ich RB Leipzig und den VfB Stuttgart einordnen. Danach wird es allerdings schon deutlich schwieriger.
Michael Olise sollte dem FC Bayern München treu bleiben
Interviewer: Christian, sollte Michael Olise Ihrer Meinung nach beim FC Bayern bleiben oder zu Real Madrid wechseln?
Christian Ziege: Wenn er klug ist, bleibt er mindestens noch ein oder zwei Jahre beim FC Bayern. Das ist eine ähnliche Situation wie bei Harry Kane.
Er befindet sich in einem sehr guten Umfeld, lebt in einer großartigen Stadt und spielt für einen Verein, der Jahr für Jahr zu den Kandidaten auf das Halbfinale oder sogar das Finale der Champions League gehört. Natürlich ist Real Madrid ein riesiger Klub, aber als Spieler ist es dort nicht immer einfach.
Über die Jahre gab es rund um diesen Verein unzählige Geschichten und einen enormen Druck. Viele sagen, das Trikot von Real Madrid sei das größte, das man im Fußball tragen könne. Diese Ansicht teile ich allerdings nicht uneingeschränkt.
Gerade in Deutschland wird meiner Meinung nach manchmal unterschätzt, wie groß der FC Bayern tatsächlich ist. Für mich ist das Bayern-Trikot mindestens genauso besonders.
Das Gleiche gilt für Vereine wie Liverpool, Manchester City oder Arsenal. Das sind absolute Weltklubs. Real Madrid hat zweifellos eine außergewöhnliche Geschichte, aber im heutigen Spitzenfußball gibt es mehrere Vereine, die auf diesem Niveau unterwegs sind.
Deshalb würde ich Michael Olise im Moment auf keinen Fall zu einem Wechsel raten. Vielleicht sehen Spieler das manchmal anders, aber wenn er mich um Rat fragen würde, würde ich ihm empfehlen, mindestens noch ein oder zwei Jahre in München zu bleiben.
Interviewer: Welchen Rat würden Sie Florian Wirtz für seine kommende Saison beim FC Liverpool geben? Er ist für eine enorme Ablösesumme gekommen und wird entsprechend unter großem Druck stehen.
Christian Ziege: Für mich war von Anfang an klar, dass es wegen der hohen Ablösesumme nicht einfach werden würde – auch wenn Liverpool dafür einen außergewöhnlichen Fußballer verpflichtet hat.
Außerdem ist es das erste Mal, dass Florian im Ausland spielt. Für ihn ist also alles neu. Er muss sich an den Fußball in der Premier League gewöhnen, der sich deutlich von der Bundesliga unterscheidet.
Dazu kommen all die Dinge abseits des Platzes. Er lebt in einem neuen Land, in einer neuen Stadt und muss sich erst einmal an dieses komplette Umfeld gewöhnen.
Hinzu kommt, dass Liverpool zuletzt nicht mehr ganz das Niveau der Jahre zuvor erreicht hat. Er ist zu einem Verein gekommen, der sich ohnehin in einer schwierigen Phase befand.
Auch Mohamed Salah hatte – gemessen an seinen eigenen hohen Maßstäben – keine einfache Saison, und vieles von dem, was Liverpool in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat, war zuletzt nicht mehr in der gleichen Form zu sehen.
Mein Rat wäre deshalb ganz einfach: Vertraue auf deine eigenen Stärken, denn Florian Wirtz ist ein herausragender Fußballer.
Er sollte sich nicht zu sehr von dem beeinflussen lassen, was rundherum geschrieben oder gesagt wird. Das Wichtigste ist: keine Zeitungen lesen, nicht zu viel fernsehen und sich nicht von den Diskussionen im Umfeld verrückt machen lassen.
Er sollte sich auf sich selbst konzentrieren, an seine Qualität glauben und jeden Tag hart arbeiten. Wenn er das tut, bin ich überzeugt, dass er erfolgreich sein wird. Er bringt alles mit, um sich zu einem Topspieler in der Premier League zu entwickeln.
Das Wichtigste ist allerdings, geduldig zu bleiben. Nach einem teuren Transfer erwarten viele, dass ein Spieler vom ersten Tag an den Unterschied macht. Aber so funktioniert Fußball nicht immer.
Manchmal braucht es einfach etwas Zeit, bis man sich an einen neuen Verein, eine neue Liga und einen anderen Fußball gewöhnt hat.
Wenn Liverpool und die Fans ihm diese Zeit geben, bin ich überzeugt, dass sie das Beste von Florian Wirtz sehen werden. Er ist ein außergewöhnliches Talent.
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Jasmin ist seit 2016 fester Bestandteil der Online Casino Welt. Als Content Expertin mit redaktionellem Hintergrund durchleuchtet sie Anbieter, bewertet Spiele und nimmt Bonusprogramme unter die Lupe. Immer mit dem Ziel, komplexe Themen verständlich und glaubwürdig aufzubereiten.


