Experte: Lamine Yamal ist Favorit auf den Ballon d’Or – vor Harry Kane

Der deutsche Fußballjournalist Raphael Honigstein sprach mit Casino.org und erklärte, warum er davon ausgeht, dass Lamine Yamal Harry Kane im Rennen um den Ballon d’Or 2026 schlagen wird.

Trotz einer Rekordsaison beim FC Bayern München sieht Honigstein Yamal im Vorteil. Ausschlaggebend seien insbesondere der Gewinn der Weltmeisterschaft sowie seine Rolle als Aushängeschild des spanischen Fußballs.

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PARIS, FRANCE - OCTOBER 20: Lamine Yamal of FC Barcelona celebrates after scoring his team's second goal during the UEFA Champions League 2026/27 League Phase MD3 match between Paris Saint-Germain and FC Barcelona at Parc des Princes on October 20, 2026 in Paris, France. (Photo by Pedro Salado/Getty Images)

Harry Kanes FC Bayern meldete sich mit einem deutlichen 6:1-Sieg gegen RB Leipzig zurück. Trotz der Diskussionen um die Kaderbreite ist Honigstein überzeugt, dass die Münchner über genügend vielseitige Spieler verfügen, die auf unterschiedlichen Positionen eingesetzt werden können.

Borussia Dortmund kam am Wochenende gegen Union Berlin nicht über ein Unentschieden hinaus. Angesichts der anhaltenden Diskussionen über die Spielweise sieht Honigstein den BVB in den vergangenen Jahren hinter den eigenen Möglichkeiten zurückgeblieben. Dortmund müsse den Anspruch haben, regelmäßig nationale Titel zu gewinnen.

Darüber hinaus sprach Honigstein über den beeindruckenden Saisonstart des SC Freiburg in der Bundesliga und würdigte die Arbeit von Fabian Hürzeler bei Brighton & Hove Albion.

„Bayern hat neben PSG die beste Offensive Europas“

Der FC Bayern hat mit einem Sieg wieder in die Erfolgsspur gefunden. Wie wichtig war das nach den jüngsten Punktverlusten?

Raphael Honigstein: Ja, das war ein überzeugender Sieg, und er kam zu einem sehr guten Zeitpunkt, schließlich steht am Mittwoch das Spiel gegen Arsenal an. Nach zwei Unentschieden hatten einige Leute die Mannschaft kritisiert und infrage gestellt. Gemessen an den Ansprüchen des FC Bayern kommt das schon einer kleinen Krise gleich.

Wenn man sich allerdings die tiefergehenden Statistiken und die tatsächlichen Leistungen anschaut, war die Mannschaft von Anfang an ziemlich gut unterwegs. Bayern hat sich das Leben selbst schwer gemacht, indem man gegen Augsburg diese unnötigen Gegentore kassiert hat.

Gegen Leipzig war die Mannschaft deutlich wacher und konzentrierter.

Wir wissen, dass Bayern defensiv sehr stabil und in guter Form nur schwer zu stoppen ist. Ich glaube nicht, dass es in Europa – vielleicht mit Ausnahme von Paris Saint-Germain – eine Offensive gibt, die in Bestform eine vergleichbare Durchschlagskraft, Spielflüssigkeit und beinahe zwangsläufig wirkende Torgefahr entwickelt wie diese Bayern-Mannschaft.

Es war allerdings nur Leipzig, das zudem einen sehr schwachen Auftritt hingelegt hat. Trotzdem denke ich, dass dieser Sieg Bayern dabei helfen wird, vor dem Spiel gegen Arsenal wieder Schwung aufzunehmen und mit mehr Selbstvertrauen aufzutreten.

Michael Olise wird gegen Arsenal fehlen. Einige meinen außerdem, dass dem FC Bayern die Kaderbreite fehlt. Könnte der Verein im Januar auf dem Transfermarkt aktiv werden?

Raphael Honigstein: Nun, die Strategie der vergangenen Jahre war ziemlich bewusst darauf ausgerichtet, einen eher kleinen Kader zu haben. Die Idee dahinter ist, Unzufriedenheit zu vermeiden, die entsteht, wenn wichtige Spieler mit hohen Gehältern zu wenig Einsatzzeit bekommen.

Die aktuelle Kadergröße soll sicherstellen, dass sich jeder wertgeschätzt fühlt und als echter Bestandteil der Mannschaft wahrgenommen wird. Ich denke, das Problem ist auf manchen Positionen größer als auf anderen. Auf den Außenverteidigerpositionen verstärkt man sich gezielt.

Mit Nathaniel Brown kommt ein Spieler, der ebenfalls mehrere Rollen übernehmen kann. Ich denke, das entlastet auch die Zehnerposition, auf der Bayern nun Jamal Musiala und Brown zur Verfügung stehen.

Dort gibt es gute Fortschritte. Außerdem kann Olise auch zentral spielen. Das größte Problem sehe ich auf der linken Seite, wo es keinen wirklichen positionsgetreuen Ersatz gibt, falls Luis Díaz ausfällt.

Allerdings war Díaz bislang äußerst zuverlässig – sowohl mit Blick auf seine Leistungen als auch auf seine Verfügbarkeit. Seine Fitness ist beeindruckend. Vielleicht sieht Bayern deshalb keinen allzu großen Handlungsbedarf. Schließlich könnte man Alphonso Davies auch weiter vorne einsetzen.

Er ist ein Flügelspieler, der im Laufe seiner Karriere zum Linksverteidiger umfunktioniert wurde. Deshalb kann er durchaus auch offensiver spielen.

Aber letztlich ist das etwas, worüber wir wohl nie Gewissheit bekommen werden. Wir werden nie wissen, ob ein oder zwei zusätzliche Spieler in entscheidenden Momenten einen Unterschied gemacht hätten – beispielsweise in einem Champions-League-Halbfinale, in dem die Bank etwas dünn besetzt war.

Vielleicht hätte das tatsächlich geholfen. Auf der anderen Seite stellt sich aber auch die Frage, ob die Mannschaft denselben Teamgeist, Zusammenhalt und dieselbe Harmonie hätte, wenn ein oder zwei weitere Spieler im Kader wären, die ebenfalls große Namen sind und hohe Gehälter beziehen.

Diese Diskussion wird meiner Meinung nach erst dann richtig geführt werden, wenn im Mai die entscheidenden Spiele anstehen – nicht vorher. Wir müssen darauf vertrauen, dass die Bayern-Verantwortlichen an ihrem Plan festhalten und dafür sorgen, dass die Spieler fit bleiben.

„Nathaniel Brown entwickelt sich noch“

Wie beurteilst du Nathaniel Browns bisherige Leistungen beim FC Bayern?

Raphael Honigstein: Insgesamt positiv. Ich glaube allerdings nicht, dass er in dieser Saison bislang durchgehend überragende Leistungen gezeigt hat. Seine Form war etwas wechselhaft. Gegen Leipzig war er sehr gut, unter der Woche hatte er dagegen einige Schwierigkeiten gegen Viking und wurde bereits zur Halbzeit ausgewechselt.

Unterm Strich hat er aber einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Wenn man bedenkt, dass er ein ordentliches Gehalt bezieht und als deutscher Nationalspieler bereits WM-Erfahrung gesammelt hat, erwartet man natürlich, dass er für diese Bayern-Mannschaft eine wichtige Rolle spielt.

Ich denke, der Verein gibt ihm die nötige Zeit. Vincent Kompany ist sehr gut darin, mit Spielern umzugehen und sie zu führen. Er wird Brown nicht übermäßig unter Druck setzen.

Außerdem verfügt Bayern über genügend Alternativen. Deshalb dürfte Brown ausreichend Zeit und Geduld bekommen, um sich einzufinden und das System zu verinnerlichen. Bayern spielt ein sehr komplexes Hybridsystem. Gegen den Ball wird häufig mit Manndeckung agiert, gleichzeitig gibt es Elemente des Gegendrucks, bei denen sich die Spieler auf den Ball konzentrieren und dabei ihre direkten Gegenspieler aus den Augen verlieren können.

Ich denke, es dauert eine Weile, bis all diese Abläufe sitzen. Brown bringt aber meiner Meinung nach sowohl die fußballerischen Fähigkeiten als auch die richtige Mentalität mit, um sich langfristig durchzusetzen.

„Harry Kane liebt München“

Harry Kane soll einen neuen Vertrag unterschreiben. Wie wichtig ist es für Bayern, ihn langfristig gehalten zu haben?

Raphael Honigstein: Natürlich ist das enorm wichtig. Der eigentliche Coup bestand allerdings schon darin, ihn überhaupt nach München zu holen. Damals hätten wohl nur wenige außerhalb Münchens ernsthaft damit gerechnet, dass Harry Kane tatsächlich aus der Premier League zum FC

Bayern wechseln würde. Aber Bayern hat diesen Transfer tatsächlich geschafft.

Ich denke, der Verein hatte dabei auch ein wenig Glück – oder man könnte es als geschicktes Ausnutzen einer günstigen Gelegenheit bezeichnen. In jenem Sommer gab es offenbar keinen besonders großen Wettbewerb um einen Mittelstürmer, wie man ihn aus anderen Transferperioden kennt. Normalerweise suchen jeden Sommer aus unterschiedlichen Gründen mehrere Topklubs nach einer neuen Nummer neun.

Diesmal hatten die großen Vereine andere Prioritäten. Bayern hingegen hatte bereits ein Jahr zuvor die Grundlagen für den Transfer gelegt und schaffte es schließlich, Kane zu überzeugen. Dass er nun offenbar länger bleiben möchte, überrascht mich nicht besonders. Harry Kane betont immer wieder, wie wohl er sich in München fühlt – sowohl auf als auch neben dem Platz.

Sportlich lässt sich beobachten, dass er sogar noch besser geworden ist und sein ohnehin vielseitiges Spiel weiterentwickelt hat. Beeindruckend ist auch, wie er die Mannschaft mit seiner Erfahrung und seiner Ausstrahlung auf dem Platz führt. Seine Präsenz ist wirklich bemerkenswert.

Natürlich hilft es ihm zusätzlich, dass er von solch starken Spielern umgeben ist und Bayern sowohl national als auch international eine dominante Rolle spielt.

Dadurch kommt er häufiger an den Ball, erhält mehr Chancen und erzielt mehr Tore. Das ist ganz einfach die Folge davon, wenn man zu einer Mannschaft wechselt, die bereits zur absoluten Spitze gehört oder diese sogar anführt. Hinzu kommen die Vorteile des Lebens in München, wo er seine junge Familie großzieht.

Die vielen Grünflächen, die Berge, die Seen, die Möglichkeiten zum Skifahren und die Nähe zu Italien und Österreich machen die Stadt zu einem attraktiven Wohnort. Das Gesamtpaket stimmt also. Deshalb überrascht es mich nicht, dass Kane länger bleiben möchte. Und für Bayern ist das natürlich eine ausgesprochen gute Nachricht.

Wird Harry Kane den Ballon d’Or gewinnen?

Raphael Honigstein: Ich denke, er hat gute Chancen. Allerdings liegt Lamine Yamal zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich knapp vor ihm.

Wir sprechen hier allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem die Stimmen bereits abgegeben wurden. Deshalb weiß ich es nicht genau. Aus Spanien hört man jedenfalls, dass Yamal den Preis gewonnen haben könnte. Das wäre durchaus bemerkenswert. Wir werden sehen.

Ich kann nachvollziehen, warum er so viele Fürsprecher hat. Er hat die Europameisterschaft gewonnen und ist das Aushängeschild des spanischen Fußballs. Er ist jung, unglaublich spannend und sorgt mit seiner Spielweise immer wieder für besondere Momente. Außerdem ist er ein ganz anderer Spielertyp als Kane.

Letztlich hängt bei einer solchen Wahl viel davon ab, wer abstimmt und welche Kriterien für die jeweiligen Journalisten ausschlaggebend sind. Geht es um eine Geschichte, um eine bestimmte Erzählung? Möchte man eine erfolgreiche Mannschaft auszeichnen und dann den Spieler auswählen, der besonders herausragt? Oder stehen die reinen fußballerischen Fähigkeiten beziehungsweise die statistischen Zahlen im Vordergrund?

Es gibt also sehr gute Argumente dafür, dass Kane den Ballon d’Or gewinnen kann oder sollte. Gleichzeitig verstehe ich aber auch, warum andere glauben, dass Yamal ihm den Preis am Ende knapp wegschnappen könnte.

„Die Dortmunder Fans erwarten mehr von ihrer Mannschaft“

Wie beurteilst du Borussia Dortmund in dieser Saison?

Raphael Honigstein: Es ist schwierig, die Mannschaft eindeutig einzuordnen. Zu Beginn der Bundesligasaison hat man phasenweise durchaus gesehen, dass Dortmund attraktiven und mitreißenden Fußball spielen kann.

Wie du bereits gesagt hast, haben die Neuzugänge Konstantinos Karetsas & Giannis Konstantelias einen sehr vielversprechenden Eindruck hinterlassen. Einer von ihnen – beziehungsweise der andere – hat inzwischen allerdings ebenfalls mit Fitnessproblemen zu kämpfen.

Daneben gab es einige enttäuschende Auftritte. Dortmund verlor gegen Bodø/Glimt und kam am Wochenende gegen Union Berlin nur zu einem Unentschieden. Da fragt man sich schon, ob die Mannschaft diese gläserne Decke durchbrechen kann.

Ich denke, das wichtigste Ziel besteht darin, sich dauerhaft als zweitbeste Mannschaft Deutschlands zu etablieren. Das ist auch ein Grund dafür, warum der Verein den Vertrag mit Niko Kovač verlängert hat.

Dortmund hat es meiner Meinung nach gut geschafft, diese Position zurückzuerobern, und ich glaube, dass die Mannschaft sie auch behaupten wird. Natürlich träumen die Fans von mehr. Sie wollen, dass Dortmund um Titel mitspielt. Vor allem in den Pokalwettbewerben sollte der Verein regelmäßig konkurrenzfähig sein. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum der BVB nicht hin und wieder den DFB-Pokal gewinnen sollte – gerade angesichts dessen, dass die Mannschaft in den vergangenen Jahren hinter den eigenen Möglichkeiten zurückgeblieben ist.

Genau hier stellt sich die Frage, ob Dortmund tatsächlich Fortschritte macht oder eher auf der Stelle tritt. Die Fans hoffen weiterhin auf mehr. In dieser Saison haben wir durchaus einige spannende Spiele gesehen. Zeitweise spielte Dortmund – wie bereits in der vergangenen Champions-League-Saison – sehr offensiv, ließ viel zu und erzielte gleichzeitig zahlreiche Tore.

Das entsprach nicht unbedingt dem typischen defensiven Ansatz von Niko Kovač.

Inzwischen ist dieser Pragmatismus allerdings zurückgekehrt. Im Ballbesitz tut sich Dortmund mitunter schwer, klare Torchancen herauszuspielen, weil die Mannschaft stärker darauf ausgerichtet ist, defensiv stabil zu stehen und möglichst wenig zuzulassen.

Das entspricht Kovačs grundsätzlicher Herangehensweise. Gleichzeitig verfügt Dortmund derzeit nicht über besonders viele Spieler, die sich für ein schnelles Umschaltspiel eignen.

„Freiburg erlebt einen Traumstart in der Bundesliga“

Wie beeindruckt bist du vom bisherigen Saisonverlauf des SC Freiburg?

Raphael Honigstein: Der Saisonstart ist außergewöhnlich. Freiburg überrascht jedes Jahr aufs Neue und lässt die Skeptiker regelmäßig ziemlich schlecht aussehen.

Die Mannschaft übertrifft immer wieder die Erwartungen – und zwar so deutlich, dass man sich inzwischen fragen kann, ob es überhaupt noch ein Übertreffen der Erwartungen ist oder ob der Verein sein Niveau mittlerweile einfach so weit angehoben hat, dass er ganz selbstverständlich um Titel und um die Champions-League-Plätze mitspielen kann.

Auch beim Umsatz hat Freiburg Rekordzahlen erzielt, nicht zuletzt dank des Laufs bis ins Finale der Europa League. Außerdem erreichte der Verein das Halbfinale im Pokal.

Julian Schuster und die Verantwortlichen leisten dort wirklich hervorragende Arbeit.

Ich denke, Freiburg ist so etwas wie das deutsche Brighton, Bournemouth oder Brentford geworden. Es handelt sich um Vereine, die im Vergleich zu den großen Klubs über begrenzte finanzielle Mittel verfügen, ihren Kader aber ausgesprochen klug zusammenstellen.

Hinzu kommen eine bemerkenswerte Kontinuität auf allen Ebenen, das Vertrauen in die Trainer und die Bereitschaft, ihnen ausreichend Zeit zu geben. Auch der vergleichsweise geringe Druck macht vieles einfacher.

Es gibt kaum unmittelbaren Erfolgsdruck. Die Menschen sind zufrieden damit, ihre Mannschaft zu unterstützen, ohne dass damit überzogene Erwartungen oder das Risiko verbunden sind, unbedingt Titel gewinnen zu müssen.

Für Freiburg ist das eine wunderbare Geschichte und eine beeindruckende Entwicklung. Der Verein möchte zu den Besten gehören, wenn es darum geht, in der Bundesliga nachhaltig und mit den richtigen Methoden zu arbeiten.

„Fabian Hürzeler kann Brighton in die Champions League führen“

Fabian Hürzeler leistet bei Brighton hervorragende Arbeit. Könnten wir erleben, dass sich Vereine in ganz Europa, insbesondere in Deutschland, um ihn bemühen?

Raphael Honigstein: Seine Arbeit ist wirklich beeindruckend. Hürzeler hatte zuvor nur begrenzte Erfahrung auf höchstem Niveau gesammelt und war erst relativ kurze Zeit in der Bundesliga tätig gewesen. Mit dem FC St. Pauli gelang ihm der Aufstieg in die Bundesliga, ehe er anschließend einen Premier-League-Klub übernahm.

Dort wechseln Spieler ständig den Verein, und man verliert praktisch jedes Jahr mindestens ein oder zwei wichtige Leistungsträger. Dass Hürzeler die Mannschaft unter diesen Bedingungen zusammenhält und sie gleichzeitig weiterentwickelt, während sich auch die Ergebnisse verbessern, ist bemerkenswert.

Natürlich gab es auch Rückschläge. Zeitweise blieben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Doch Hürzeler bewahrte die Ruhe, und auch der Verein geriet nicht in Panik.

Mittlerweile mischt Brighton voll im Rennen um die Champions-League-Plätze mit. Vielleicht ist sogar noch mehr möglich, falls Manchester City die Saison in der Premier League nicht wie erwartet zu Ende bringt. Das ist durchaus denkbar.

Es ist also eine außergewöhnliche Entwicklung und eine beeindruckende Leistung, die einmal mehr zeigt, wie gut der Verein geführt wird. Die gute Nachricht für Brighton ist derzeit, dass die großen Trainerposten weitgehend besetzt sind. Vincent Kompany hat seinen Vertrag gerade verlängert. Ich sehe momentan keine unmittelbare Gelegenheit, die für Hürzeler infrage käme.

Zudem stellt sich die Frage, ob ein Wechsel zu einem Verein wie Frankfurt oder Leipzig tatsächlich eine Verbesserung gegenüber Brighton wäre. Das ist keineswegs selbstverständlich. Er arbeitet in der Premier League und kämpft inzwischen mit Brighton um die europäischen Plätze. Ein solcher Wechsel dürfte für ihn nur dann wirklich reizvoll sein, wenn ein noch größerer Verein anklopft.

Da Kompany beim FC Bayern fest im Sattel sitzt und sehr erfolgreich arbeitet, glaube ich deshalb nicht, dass Hürzeler den Verein schon in naher Zukunft verlassen wird.

„In Deutschland wird Man Citys Anklage in 114 Fällen weniger intensiv diskutiert“

Wie wurde in Deutschland auf die 114 Anklagepunkte gegen Manchester City reagiert?

Raphael Honigstein: Vincent Kompany wurde vor etwa einer Woche dazu befragt. Wie so oft fand er eine sehr überlegte Antwort. Er erklärte, dass er als Spieler nur sein Bestes geben und darauf hoffen könne, dass das ausreiche, um zu gewinnen.

Natürlich hatte er keinen Einfluss auf das, was hinter den Kulissen möglicherweise passiert ist. Er hat nicht das Gefühl, in irgendeiner Weise durch diese Vorgänge belastet oder darin verwickelt zu sein.

Gleichzeitig konnte man eine gewisse Sorge heraushören: Sollten die Sanktionen auch nach einem Berufungsverfahren Bestand haben, könnten die sportlichen Erfolge von Manchester City infrage gestellt oder zumindest nachträglich anders bewertet werden.

Als Spieler macht man sich natürlich Gedanken darüber, ob die eigenen Erfolge und die der Mannschaftskollegen infrage gestellt werden könnten – insbesondere dann, wenn Sanktionen bestätigt und möglicherweise sogar Titel aberkannt würden. Das wäre für die Spieler zweifellos schwer zu verkraften.

Kompany ist allerdings ausgesprochen geschickt im Umgang mit den Medien. Er findet stets eine durchdachte und differenzierte Antwort auf solche Fragen. Seine Stellungnahme war offenbar ausreichend, sodass die Menschen damit zufrieden waren und ihn nicht jede Woche erneut darauf ansprachen.

Was die breitere öffentliche Reaktion betrifft, so war es ein deutsches Magazin, das die ganze Geschichte ins Rollen brachte, als es einige durchgesickerte beziehungsweise gehackte E-Mails veröffentlichte. Darin tauchten erstmals die Vorwürfe auf, Manchester City habe bei der Abrechnung von Sponsorengeldern getrickst.

Die Geschichte stand deshalb in der deutschen Fußballberichterstattung lange im Mittelpunkt.

Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr komplexen Fall, der sich nicht leicht erklären lässt. Nach einer gewissen Zeit warten die Menschen deshalb lieber auf neue Entwicklungen, anstatt die Diskussion ständig weiterzuführen.

Die Debatte ist in Deutschland daher nicht ganz so allgegenwärtig wie in der Premier League. Dort wird das Thema deutlich intensiver diskutiert – nicht zuletzt, weil die Vereine weiterhin gegeneinander antreten und die Vorwürfe immer wieder in Erinnerung gerufen werden, besonders dann, wenn Manchester City gewinnt.

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