Lotto Hamburg Jahresbericht 2018: Verantwortliche warnen vor Online Casinos

Veröffentlicht am: 10. September 2019, 11:54 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 10. September 2019, 11:54 Uhr.

Gestern stellte die Geschäftsführung von Lotto Hamburg gemeinsam mit dem Hamburger Finanzsenator Dr. Andreas Dressel den Jahresabschlussbericht des staatlichen Lotteriebetreibers für 2018 vor. Das Fazit der Verantwortlichen: Die Zahlen sind gut, doch die Glücksspielkonkurrenz aus dem Internet schläft nicht.

Lotto Hamburg Geschäftsführer Heinrich (l.) und Meinberg (r.) mit Finanzsenator Dressel (m.)
Lotto Hamburg Geschäftsführer Heinrich (l.) und Meinberg (r.) mit Finanzsenator Dressel (m.) (Quelle:obs/Lotto Hamburg/ Christophe Sorenti)

Hamburger steigern Einsätze

Die Betreiber von Lotto Hamburg können sich über ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 freuen. Dies zeigte sich gestern bei der Vorstellung des Jahresabschlussberichtes des Lotteriebetreibers. So setzten die Hamburger Spieler 2018 153,4 Millionen EUR beim Lotterieangebot des Unternehmens ein. Dies entspricht einer Steigerung von 3,4 Prozent zu den 148,6 Millionen EUR vereinnahmter Spieleinsätze vom Vorjahr.

Nach Steuern konnte das Betriebsergebnis ein Plus von 16 Prozent verzeichnen. Es stieg im Vergleich zu 2017 um 0,5 Millionen EUR auf 3,8 Millionen EUR.

Zum Hamburger Haushalt trug die städtische Gesellschaft mit 53,3 Millionen EUR bei. Neben Steuer- und Konzessionsabgaben flossen 1,3 Millionen EUR direkt in die Unterstützung des Gemeinwohls.

Die Lotto Hamburg GmbH beschäftigt rund 100 Angestellte und ist in 440 Lotterieannahmestellen vertreten. Hundertprozentige Gesellschafterin des Unternehmens ist die Stadt Hamburg. Das Portfolio der Landeslotterie umfasst Lotto 6aus49, GlücksSpirale, Keno, Toto, Bingo, Eurojackpot, Zusatzlotterien und Rubbellose. Teile der Erträge fließen in Projekte aus den Bereichen Sportförderung, Kultur- und Denkmalschutz, Soziales und Umwelt- und Katastrophenschutz.

Die gestiegenen Einsätze der Hamburger machten sich auch im Beitrag des Lotterieanbieters zum überregionalen Gewinnpool aller deutschen Landeslotterien bemerkbar: Hatte sich Lotto Hamburg im Vorjahr noch mit 72,1 Millionen EUR an den Ausschüttungen beteiligt, stieg dieser Betrag 2018 laut Jahresabschlussbericht auf 74,6 Millionen EUR an.

Jackpots und Webangebote tragen zum Erfolg bei

Hamburg Hafen Landungsbrücken Nacht
Rund ein Viertel aller erwachsenen Hamurger soll regelmäßig Kunde bei Lotto Hamburg sein (Quelle:pixabay.com/noxoss)

Insbesondere die grenzüberschreitende Lotterie Eurojackpot habe zu dem positiven Jahresabschluss beigetragen, so die Lotto Hamburg Geschäftsführer Michael Heinrich und Torsten Meinberg. Auch der Vertrieb der Lotterieprodukte über das Internet trage zum Erfolg des Unternehmens bei.

Mittlerweile nutzten rund 8 Prozent der Hamburger Lotterieteilnehmer die offiziellen Präsenzen lotto.de und lotto-hh.de, um ihre Einsätze zu tätigen. Weitere 5 Prozent bedienten sich der Angebote legaler gewerblicher Spielevermittler im Netz.

Auch für die Nutzer der Produkte der Hamburg Lotto GmbH war 2018 laut Jahresabschlussbericht ein gutes Jahr: Mit rund 81 Millionen EUR lagen die Gewinne in der Hansestadt über dem bundesweiten Durchschnitt.

23 Mal hätten sich Hamburger Spieler über sogenannte Hochgewinne, also Beträge über 100.000 EUR, freuen können. 9 von ihnen gehörten seit dem vergangenen Jahr zum erlesenen Kreis der Lotto-Millionäre. Im Durchschnitt nutzte ein Viertel aller erwachsenen Bewohner der Hansestadt die Lotto Hamburg-Produkte. Auf hohe Jackpots setzte mittlerweile sogar knapp jeder Dritte.

Lotto Hamburg: Schleswig-Holstein in der Kritik

Während die eigenen Bilanzen in Hamburg durchaus für Zufriedenheit sorgen dürften, zeigten sich die Verantwortlichen mit Blick auf den Umgang mit dem Glücksspiel des Nachbarn Schleswig-Holstein weniger erfreut. Das nördlichste Bundesland ist das einzige, das den Betrieb von Online Casinos erlaubt.

Ein Ärgernis für die Betreiber der Lotto Hamburg GmbH. Sie fürchten, dass andere Bundesländer dem Beispiel Kiels folgen und den Markt für private Anbieter öffnen könnten. Eine derartige Ausgestaltung des neuen Glücksspielstaatsvertrages, dessen Einführung für 2021 geplant ist, könne zum Erodieren des gesamten staatlichen Glücksspielsystems führen.

Zum einen drohten massive negative Konsequenzen für die wohltätigen Projekte, die unter anderem durch die Lotto-Gelder gefördert würden. Zum anderen sehen die Lotteriebetreiber bei einer Lizensierung von Online Casinos nach schleswig-holsteinischem Vorbild den Spielerschutz in Gefahr. So erklärte Geschäftsführer Meinberg bei der Vorstellung des Jahresabschlussberichtes in Hamburg:

Diese Online-Casinos sind in höchstem Maße suchtgefährdend. Es ist eigentlich eine Frechheit, die da läuft. Die Schleswig-Holsteiner wollen diesen Weg gehen, aber ich kann nur sagen: Finger weg von diesen Angeboten. Meines Erachtens ist das reine Abzockerei.

Finanzsenator Dressel betonte zudem die Wichtigkeit der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels. Lotto Hamburg stelle als gemeinwohlorientierte Landeslotteriegesellschaft hierbei einen wichtigen Partner dar. Dieser Rolle müsse auch die Fortentwicklung der Glücksspielgesetzgebung Rechnung tragen.

Der von Lotto Hamburg vorgestellte Jahresabschlussbericht zeigt, dass die klassische staatliche Lotterie trotz des Vormarsches des Glücksspiels im Internet nach wie vor auf einem soliden Fundament steht. Inwieweit eine vernünftige Regulierung des Marktes für Online Casinos tatsächlich dem Bedrohungsszenario entspräche, das die Vertreter der Landeslotterien beschwören, kann derzeit nur schwer prognostiziert werden.