Asiatische Tech-Giganten investieren in indische Glücksspiel-Apps

Veröffentlicht am: 19. April 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. April 2020, 05:41 Uhr.

Der Markt für Online-Glücksspiel in Indien befindet sich auf rasantem Wachstumskurs. Dies erkennen auch asiatische Tech-Giganten wie Alibaba und Tencent. Sie investieren Hunderte von Millionen in die Entwicklung von Glücksspiel-Apps für indische Kunden.

Straßenszene Indien
Asiatische Tech-Firmen erkennen das Wachstumspotenziel des Marktes für Online-Glücksspiel in Indien (Quelle:pixabay.com/David Mark)

Online-Glücksspiel in Indien auf dem Vormarsch

Rund drei Millionen Inder sollen derzeit auf Fantasy-Sport– und Rummy-Plattformen aktiv sein. Analysten rechnen mit einer Verdoppelung der Spielerzahlen bis Ende dieses Jahres. Im Jahr 2024, so Prognosen, könne der Markt für Online-Glücksspiel in Indien umgerechnet über 3 Milliarden Euro generieren.

Dass dieser Zug Fahrt aufnimmt, scheint auch asiatischen Tech-Schwergewichten wie Alibaba und der japanischen Softbank-Gruppe nicht verborgen geblieben zu sein.

Medienangaben zufolge (Seite auf Englisch) sollen die Internetriesen begonnen haben, Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in die Entwicklung von Glücksspiel-Apps für den indischen Markt zu tätigen. Unter anderem halten beide Anteile an der App PayTM First Games, die derzeit über 200 Spiele anbietet.

Auch Chinas größter Anbieter für Gaming und Social Media Tencent wage den Schritt auf den Glücksspielmarkt des zweitbevölkerungsreichsten Landes der Welt, erklärt Ling Vey-Sern, Analyst des Medienunternehmens Bloomberg Intelligence:

Tencent verfügt bereits über ein starkes Portfolio von Spielen, die es in Indien veröffentlichen kann. Online-Spiele haben hohe Margen, sodass sie von Anfang an profitabel sein können.

Hohe Margen, wenig Aufwand

Der Ausbau dieser Geschäftsfelder sei insbesondere deshalb auch für Unternehmen mit Schwerpunkt außerhalb des Glücksspielsektors attraktiv, weil Betreiber verhältnismäßig wenig Mittel für Logistik oder Inhalte aufbringen müssten. Dennoch erfreue sich das Online-Glücksspiel wachsender Begeisterung, unter anderem, weil immer mehr Inder bei ihren Internet-Aktivitäten vermehrt nach Gewinnen strebten.

Es sei ein weitaus größeres Interesse an Online-Unterhaltungsangeboten zu beobachten, bei denen Sach- und Geldpreise gewonnen werden könnten, als an Video-Streaming oder Computerspielen, die keine solchen Anreize böten.

Indiens Glücksspielgesetzgebung beruht auf dem 1867 von den britischen Kolonialisten eingeführten Public Gaming Act, der das Glücksspiel mit Ausnahme von Lotterien unter Strafe stellt. Das Spiel im Internet fällt in einen rechtlichen Graubereich, unter anderem, weil Wetten auf Fantasy Sports offiziell nicht als Glücksspiel gelten.

Auch die Tatsache, dass rund ein Drittel der 1,3 Milliarden Inder, Tendenz stark steigend, über Zugang zum Internet verfügten und hierbei in den allermeisten Fällen das Smartphone nutzten, mache die Investition in Online-Glücksspiel-Apps besonders attraktiv.

Zweifellos bietet der im Wandel befindliche Glücksspielmarkt Indiens Online-Anbietern die Chance auf große Profite. Es bleibt zu hoffen, dass Politik und Gesellschaft durch vernünftige Regelungen mit den Entwicklungen Schritt halten können.