Glücksspiel in Skandinavien 2019: zwischen Liberalisierung und Widerstand

Veröffentlicht am: 27. Dezember 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. Dezember 2019, 05:10 Uhr.

Das Jahr 2019 hat für einige europäische Länder große Veränderungen innerhalb der jeweiligen Glücksspielgesetzgebung mit sich gebracht. Vor allem die Liberalisierung des schwedischen Online Glücksspielmarktes hat viel Bewegung in die Wirtschaft des Landes gebracht.

Flaggen skandinavischer Länder
Skandinaviens Glücksspiellandschaft durchlebt Veränderungen (Bild: Flickr/
flöschen)

Schwedens Nachbarländer Norwegen und Dänemark hingegen haben sich in diesem Jahr vor allem den Kampf gegen das illegale Online Glücksspiel gewidmet. Eine Ausweitung des Glücksspielmarktes ist in beiden Ländern nach wie vor nicht zu erwarten.

Schweden von ausländischen Casinos überschwemmt

Das Online Glücksspiel gilt in vielen europäischen Ländern als illegal und nur die wenigsten Gesetzgebungen ermöglichen die Lizenzierung ausländischer Glücksspielanbieter.

Schweden entschied sich im Jahr 2018 dazu, ein neues umfangreiches Glücksspielgesetz zu erstellen, welches seinen Bürgern erstmals das legale Spielen auf ausländischen Online Casino Webseiten ermöglichen sollte.

Ab August des Jahres konnten Glücksspielunternehmen ihre Bewerbungsunterlagen bei der vormaligen Glücksspielaufsicht „Lotteriinspektionen“ einreichen. Ab dem 1. Januar 2019 konnten daraufhin die ersten 18 Unternehmen legal Online Glücksspiele anbieten.

Die Lotteriinspektionen, die in der Vergangenheit lediglich die staatliche Lotterie und den schwedischen Glücksspielmonopolisten Svenska Spel beaufsichtigt hatte, änderte anlässlich der Liberalisierung des Marktes ihren Namen in „Spelinspektionen“.

Die Liberalisierung des schwedischen Online Glücksspielmarktes war in erster Linie eine wirtschaftliche Entscheidung. Da das Online Glücksspiel innerhalb der veralteten Glücksspiel-Gesetzestexte gänzlich unerwähnt blieb, war es nicht per se illegal, in ausländischen Online Casinos zu spielen. Laut der Regierung flossen daher Millionen potentieller Steuergelder ins Ausland.

Doch die neue Glücksspielbehörde stand zu Jahresbeginn vor einer wahrhaftigen Mammutsaufgabe, denn der Stapel der Lizenzbewerber wuchs schneller, als die Behörde diesen abarbeiten konnte.

Am 12. März verkündete die Spelinspektionen, dass insgesamt bereits 116 Lizenzen ausgestellt worden seien, 68 davon an Online Casinos, 44 an Online Buchmacher.

Eine Zwischenbilanz der Spelinspektionen im August belegte den wirtschaftlichen Erfolg des erweiterten Glücksspielmarktes. Im zweiten Quartal lag der Nettoumsatz des gesamten Marktes bei mehr als 6,4 Mio. SEK. Mit 3,45 Mio. SEK stammte der Großteil davon direkt aus dem Online Glücksspiel.

Im dritten Quartal gingen zwar die Gesamtnettoumsätze des regulierten Marktes leicht zurück (5,89 Mio. SEK), doch zeichnete sich im Online Sektor erneut ein Wachstum ab (3,48 Mio. SEK).

Norwegens Türen bleiben zu

Während Schweden mit seiner Gesetzesänderung das einstige Glücksspielmonopol offiziell beendet hat, hält Norwegen weiterhin an dem seinigen fest. Dabei ist das Online Glücksspiel in Norwegen nicht weniger beliebt als bei seinem Nachbarn.

Betfair Online Screenshot
Norwegen verbietet alle ausländischen Online Glücksspielseiten (Bild: Flickr/
Jim Makos)

Da Tausende von Norwegern regelmäßig auf ausländischen Webseiten spielen, arbeiteten die Regierung und die nationale Glücksspielaufsicht Lotteri– og stiftelsestilsynet in diesem Jahr verstärkt an Maßnahmen, die nicht lizenzierten Anbieter vom Markt zu verdrängen.

Im Februar forderte die Behörde daher sämtliche ausländischen Glücksspielfirmen dazu auf, ihre Webseiten per Geoblocking für Norweger zu blockieren. Sechs Glücksspielgrößen (Cherry AB, L&L Europe Players Ltd, Gaming Innovation Group, Kindred Group, Lucky Dino Gaming Ltd) erhielten eine offizielle Verwarnung.

Gleichzeitig wurden alle norwegischen Banken dazu aufgefordert, keine Zahlungen an die in Norwegen illegalen Online Casinos zu autorisieren. Ein Osloer Gericht bestätigte im August die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme.

Die Regierung geht insgesamt davon aus, dass die ergriffenen Maßnahmen große Wirkung zeigen. Die Glücksspiel Monopolisten Norsk Tipping (Lotto, Sportwetten, Casinospiele) und Norsk Rikstoto (Pferdewetten) verzeichnen in der Tat seit Jahren steigende Umsätze.

Nach wie vor ist der Staat daher der Meinung, dass das Glücksspielmonopol die sinnvollste Lösung für das norwegische Glücksspiel darstellt.

Dänemark lässt Vorsicht walten

Auch die Regierung unseres Nachbarlandes Dänemark ist sehr zufrieden mit ihrem vorherrschenden Glücksspielmodell, welches schon des Öfteren als internationales Musterbeispiel bezeichnet worden ist.

Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden darf bereits seit 2012 Lizenzen an nationale und internationale Online Casinos ausstellen. Aufgrund der sehr strengen Richtlinien für Online Glücksspielanbieter gibt es bis heute jedoch lediglich 47 legale Lizenznehmer [Seite auf Englisch].

Im Jahr 2019 hat die dänische Regierung daher erneut den Fokus darauf gelegt, den nicht lizenzierten Anbietern den Garaus zu machen. Mehr als 70 Glücksspielwebseiten konnten bislang erfolgreich per Websperre blockiert werden.

Wie die Spillemyndigheden erst Mitte Dezember bekanntgab, sollen die Richtlinien für Glücksspielanbieter ab dem 1. Januar 2020 sogar noch strenger werden.