Russland nimmt Geschäftspartner von Sportwettenanbieter 1xBet ins Visier

Veröffentlicht am: 12. August 2020, 11:57 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. August 2020, 12:39 Uhr.

Russische Behörden haben Haftbefehle gegen drei mutmaßliche Geschäftspartner des Sportwettenanbieters 1xBet erlassen. Wie die Strafermittler aus der Bryansk Region am Dienstag auf ihrer Webseite [Link auf Russisch] mitgeteilt haben, hätten die Tatverdächtigen ohne Genehmigung Systemdienste für den Buchmacher übernommen und damit mehr als 63 Milliarden Rubel (ca. 731 Millionen Euro) verdient.

Moskau bei Nacht
In Russland werden Sportwetten streng kontrolliert. (Bild: Pxhere)

Schwere Anschuldigungen der Behörden

Bei den Verdächtigen soll es sich um die russisch-zypriotischen Staatsbürger Roman Semiokhin, Dmitry Kazorin und Sergey Karshkov handeln. Die Behörden werfen den Unternehmern vor, zwischen Oktober 2014 und Mai 2019 in der russischen Provinz Bryansk an Software für den Sportwettenanbieter 1xBet gearbeitet zu haben.

1xBet ist in Russland auch als 1xStavka bekannt. Medienberichten zufolge war der Glücksspielbetreiber bis Anfang 2019 einer der größten Werbetreibenden auf russischen Internetseiten. In die Kritik geriet die Firma, weil sie verstärkt auf illegalen Filmtauschbörsen Werbung gemacht hatte. Im September vergangenen Jahres hatten auch britische Behörden vor der Werbung für 1xBet gewarnt.

Diese habe der „Organisierung und Durchführung“ von Glücksspiel auf der Seite des Online-Anbieters gedient. Außerdem habe die Gruppe technischen Support für die Internetseite angeboten.

Nach Informationen des Nachrichtenportals 19 RUS hätten die Beteiligten in besagtem Zeitraum jedoch keine Betriebslizenz der russischen Steuerbehörden besessen. Die Männer hätten sich deshalb der Beteiligung am illegalen Glücksspiel strafbar gemacht.

Ferner beschuldigten die Behörden die Verdächtigen, Gelder von Nutzern angenommen zu haben, die in der Folge auf Spieler-Accounts transferiert worden seien:

Das von den Bürgern erhaltene Geld wurde von Mitarbeitern (…) auf virtuellen Konten gutgeschrieben, um diesen die Möglichkeit zu geben, Wetten auf Sportveranstaltungen abzugeben und andere Glücksspiele zu spielen.

Alexander Zheleznikov, Anwalt von Sergey Karshkov, bestritt unterdessen eine enge Verbindung seines Mandanten mit 1xBet. Sergey Karshkov habe lediglich als Marketing-Partner mit dem Online-Buchmacher zusammengearbeitet.

Verdächtige befinden sich auf der Flucht

Laut den Strafverfolgern befänden sich Karshkov, Semiokhin und Kazorin derzeit auf der Flucht. Von Interesse besonderem Interesse sei dies vor allem im Falle von Sergey Karshkov.

Der 39-Jährige sei ein ehemaliges hochrangiges Mitglied des russischen Polizeiapparates gewesen und habe sogar den Rang des Majors erreicht.

Bis 2010 habe er eine Cyber-Crime-Einheit geleitet und dabei im Bereich Computer-Kriminalität und Internet-Betrug ermittelt.