Der Online-Poker-Anbieter partypoker hat am 10. November 2018 eine tschechische Glücksspiellizenz erhalten. Der Schritt erfolgte ein Jahr, nachdem partypoker seine ursprüngliche Bewerbung um eine Lizenz zurückgezogen hatte. Bereits im Jahr zuvor hatte PokerStars seine Operationen in Tschechien wieder aufgenommen.

Prag

Für Online-Poker-Anbieter gehen in Tschechien wieder die Lichter an. (Quelle: Pixabay)

Das Monopol weicht auf

Obwohl partypoker den Lizenzerhalt bisher selbst nicht bestätigte, haben Medien darüber berichtet, dass der Name des Unternehmens und das Lizenzvergabedatum bereits im Lizenzregister der tschechischen Regulatoren auftauchen.

Damit ist partypoker mit seinem Bestreben, wieder auf dem tschechischen Online-Glückspielmarkt zu operieren, der erste ernstzunehmende internationale Konkurrent für PokerStars. Das Unternehmen hatte bereits am 28. Januar 2017, nur kurze Zeit nachdem ein neues Glücksspielgesetz in Tschechien in Kraft trat, eine Glücksspiellizenz erhalten.

Pokerstars bot zu Beginn seiner Operationen unter neuer Lizenz neben Online-Poker auch Casino-Spiele an. Am 08. November 2017 teilte die Starsgroup in einer Pressemitteilung (Link auf Englisch) mit, dass man nun auch eine begehrte Lizenz zum legalen Veranstalten von Sportwetten in Tschechien habe.

Von einem zusätzlichen, international agierenden „Stars“-Kontrahenten könnten tschechische Pokerspieler und Casino-Freunde durchaus profitieren. Zum Beispiel durch Promotions und Angebote, die im Rahmen neuer Markteinführungen nicht selten sind.

partypoker

partypoker ist eine Marke der GVC Holding, die zu den weltweit führenden Anbietern von Online-Glücksspiel gehört. Die Unternehmensgruppe bietet Poker, Casinospiele und Sportwetten an.

partypoker hatte nach dem Black Friday im Jahre 2011 mit einem Rückgang der Spielerzahlen auf seinen Plattformen zu kämpfen, konnte in den letzten Jahren aber ein erstaunliches Comeback hinlegen.

So konnte die Marke im Jahre 2016 eine Steigerung von 35 % bei den Ersteinzahlungen und satte 88 % Steigerung bei den Einzahlungsbeträgen verbuchen. Die Gesamteinkünfte stiegen bis Mitte 2016 um 32 % im Gegensatz zum Vorjahr.

Keine guten Voraussetzungen für Gaming-Anbieter

Dass sich partypoker nun scheinbar doch dazu entschieden hat, wieder auf dem tschechischen Online-Poker-Markt mitzumischen, ist eine kleine Überraschung.

Flagge

Tschechien will seinen Glücksspielmarkt vor unlizenzierten Angeboten schützen. (Quelle: Pixabay)

Denn das am 1. Januar 2017 in Kraft getretene Glücksspielgesetz, das nach langen Debatten um seine Vereinbarkeit mit europäischem Recht vom tschechischen Parlament verabschiedet wurde, sieht härtere Bedingungen für die Lizenzvergabe vor und beinhaltet ein unvorteilhaftes Steuersystem.

Hiernach müssen lizenzierte Online-Gaming-Anbieter bis zu 23 % Steuern auf Sportwetten zahlen. Für Umsätze aus Online-Casino-Spielen werden sogar bis zu 35 % fällig. Hinzu kommt eine Unternehmenssteuer in Höhe vom 19 %.

Ein solches Steuerregime schien das Betreiben einer Online-Pokerseite für Anbieter wie partypoker zu unattraktiv zu machen.

Ein anderer Grund könnte gewesen sein, dass der Gaming-Anbieter die Marktentwicklung abwarten wollte, um zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, ob sich der Lizenzerwerb trotz der hohen Steuern lohnen könne.

Können diese Zahlen lügen?

Während Online-Anbieter in Zukunft sehen müssen, ob sich die Operationen in Tschechien wirklich lohnen, hat das tschechische Finanzministerium bereits erste Zahlen für die Zeit nach der Gesetzeseinführung vorgelegt.

Poker

Online-Poker ist in Tschechien sehr beliebt. (Quelle: Pixabay)

So ist der gesamte Glücksspielmarkt im Jahre 2017 um insgesamt 1,1 % auf 39.8 Milliarden Tschechische Kronen (ca. 1.5 Milliarden Euro) gewachsen. Diese Zahl umfasst Spiele wie Bingo, Automatenspiele, Lotterien und Online-Spiele.

Separat betrachtet haben Online-Anbieter im Jahre 2017 in Tschechien 8.3 Milliarden Tschechische Kronen (ca. 319 Millionen Euro) umgesetzt. Dies ist eine Steigerung von 56 % zum Vorjahr und hängt mit der Vergabe neuer Online-Lizenzen zusammen.

Insgesamt macht der Online-Sektor damit schon mehr als 20 % des Gesamtumsatzes des tschechischen Glücksspielmarktes aus. Es ist daher nicht auszuschließen, dass in der Zukunft noch mehr Gaming-Anbieter ein Stück von diesem Kuchen abhaben wollen.

Behörden in der Kritik

Dass es in Tschechien überhaupt ein neues Glücksspielgesetz gab, war damit begründet worden, dass die Regierung zum einen den Spielerschutz stärken und zum anderen lokale Anbieter, die mit Lizenzen operieren, unterstützen wollte.

Online-Seiten, die ohne Lizenzen ihre Dienste anboten, wollten die Behörden sperren und mit Strafen belegen. Diese Strafen sollten auch diejenigen Online-Anbieter umfassen, die gegebenenfalls in der Zukunft eine Glücksspiellizenz beantragen wollen.

Wie das tschechische Magazin E 15 berichtete, verhängten die tschechischen Behörden seit der Einführung des neuen Glücksspielgesetzes Strafen in Höhe von 18 Millionen Euro gegen Online-Glücksspielanbieter, die ohne Erlaubnis in Tschechien operierten. Bis Oktober 2018 konnte der Staat aber lediglich Bußgelder in Höhe von 9.000 Euro eintreiben.

Dies rief Kritiker auf den Plan, die behaupteten, der tschechische Staat habe zwar die Gesetze, nicht aber die Mittel um gegen unlizenzierte Online-Seiten vorzugehen.

In einer Pressemitteilung äußerte sich das Finanzministerium zu den Berichten kritisch. Es gehe der Behörde nämlich nicht ums Geld allein:

„Der Hauptzweck der Geldbußen ist nicht die Bereicherung des Finanzministeriums, sondern die Einschränkung des illegalen Glücksspielangebots. Geldbußen wirken nicht nur restriktiv, sondern wirken auch präventiv.“

Die verhängten Bußgelder sollten also im Wesentlichen abschreckende Wirkung haben.

Diesem Problem muss sich partypoker nicht stellen. Nach dem rechtzeitigen Rückzug aus dem Markt drohen dem Unternehmen keine Strafen. Ausgestattet mit einer neuen Lizenz können für partypoker die Spiele in Tschechien beginnen.