Das australische Marktforschungsunternehmen Roy Morgan hat am Freitag eine neue Studie publiziert, die das Spielverhalten volljähriger Australier untersuchte. Der wissenschaftliche Report legt die Annahme nahe, dass das Interesse am Glücksspiel bei jungen Menschen in Down Under deutlich zurückgeht.

Opernhaus Sydney

Das Opernhaus von Sydney geriet jüngst wegen einer projizierten Glücksspielwerbung in die Diskussion. (Quelle: Pexel)

Laut dem Bericht (Link auf Englisch), der bereits seit 2008 jährlich in einer aktualisierten Form erscheint, nahmen zwischen Dezember 2017 und Dezember 2018 47,9 % der erwachsenen Australier an einer Form von Glücksspiel teil. Dies bedeutet im Vergleich zum Jahre 2008 einen Rückgang der Spielteilnahme um 16,8 %.

Überträgt man die Ergebnisse der Untersuchung, an der 50.000 Personen teilnahmen, auf die Gesamtbevölkerung des Landes, so setzten im Jahre 2018 nur noch 9.3 Millionen Aussies beim Buchmacher, bei Lotterien, an Spielautomaten und an Spieltischen Geld ein.

Die auf Einzelbefragungen basierende Studie verzeichnete überdies eine für die Glücksspielindustrie bedeutende Tendenz: Von der Negativentwicklung beim Glücksspiel sind nicht nur einzelne Spielvarianten betroffen, sondern die gesamte Branche.

Diese demografischen Gruppen verlieren das Interesse am Glücksspiel

Lottokugeln

Die Lotterie hat in Australien viele Kunden verloren. (Quelle: Pixabay)

Bezüglich der Teilnahme am Glücksspiel förderte der Report einige überraschende Zahlen zutage. So sank die Glücksspielbeteiligung gerade in der Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen um ganze 26,1 %.

Auch bei den 25- bis 34-jährigen, deren Spielbeteiligung noch im Jahre 2008 bei 56,8 % lag, war ein Rückgang um 19,3 % festzustellen.

Mit 61 % Spielteilnahme war die Altersgruppe der 50- bis 64-jährigen die glücksspielaffinste demografische Gruppe.

Sehr auffällig war insbesondere das sinkende Interesse an Lotterien und Rubbellosen. So ging die Zahl der Spieler innerhalb des letzten Jahrzehnts von 56,4 % auf 40,1 % zurück. Auch , Sportwetten, Keno und Tischspiele waren nach dem Bericht von der rückläufigen Entwicklung betroffen.

Woher rührt das sinkende Interesse am Glücksspiel?

Verantwortlich für das schrumpfende Interesse ist nach Auffassung von Norman Morris, seines Zeichens Industrie-Kommunikationsdirektor von Roy Morgan, die verstärkte Aufklärung über problematisches und pathologisches Spielen sowie ein wachsendes Interesse an anderen Unterhaltungsarten:

„Die Tatsache, dass weniger Australier aller Altersgruppen an der wachsenden Zahl von Glücksspielangeboten teilnehmen, ist höchstwahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass die Branche im Vergleich mit anderen Unterhaltungs- und Freizeitaktivitäten in Ungnade gefallen ist. Wachsende Aufklärung über die möglichen Gefahren des Glücksspiels könnte vermutlich dazu geführt haben, dass Personen abgeschreckt werden.“

Wer glaube, der Rückgang am landbasierten Glücksspiel habe mit dem Aufstieg von Online Casinos und Online Sportwetten zu tun, sei im Irrtum, so Morris.

Zwar stiegen zwischen 2012 und 2018 beispielsweise die Nutzerzahlen von Sportwetten-Apps von 5,3 % auf 27,4 % an, die neue Technologie sei aber vor allem bei jungen Australiern besonders unbeliebt und habe fallende wirtschaftliche Zugkraft.

Werbung im Fokus der Behörden

Ein weiterer Grund für die rückgängigen Spielerzahlen könnte die verstärkte Eindämmung von Glücksspielwerbung sein. Australische Behörden waren in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit Geldstrafen gegen die Werbung von Glücksspielanbietern vorgegangen.

Auch für Fernsehen, Internet und Radio gelten in Australien enge Richtlinien bezüglich der Veröffentlichung von Glücksspielwerbung.

So stellt die Australian Communications und Media Authority (ACMA) sicher, dass die Spots von Glücksspielanbietern nicht während Kinder- und Jugendprogrammen laufen und nur zu gewissen Tages- und Nachtzeiten ausgestrahlt werden. Zudem wird Werbung für Online Wetten während Live-Sportveranstaltungen beschränkt.

So wird Glücksspiel in Australien reguliert

Ähnlich wie in einem europäischen, föderalistischen Staatenverband wird Glücksspiel in Australien von den jeweiligen Territorien reguliert, die eigene Regeln für die Vergabe von Glücksspiellizenzen aufstellen. Dies verkompliziert das Überschauen der Gesetzeslage deutlich. So herrschen in den sechs Regionen bezüglich Spielformen wie Poker, Bingo, Spielautomaten, Keno und Sportwetten unterschiedliche Lizenzbestimmungen und gesetzliche Regularien.

Zu berücksichtigen ist, dass das australische Bundesgesetz private Online Casinos und Online Poker verbietet. Ausnahmen können beim Online-Kauf von Lotterietickets bestehen, die über die Territorialgrenzen der australischen Bundesstaaten hinweg bestellt werden können. Private Buchmacher benötigen eine gesonderte Erlaubnis und dürfen keine „in-Game“-Wetten während Live-Sport-Events offerieren.

Was lässt sich aus der Studie schlussfolgern?

Die Studie lässt den Schluss zu, dass die Beschränkung von Glücksspielwerbung während Kinder- und Jugendsendungen tatsächlich Wirkung gezeigt haben könnte. Dies legt zumindest das gesunkene Interesse der Heranwachsenden am Glücksspiel in Australien nahe.

Ähnlich wie in den USA, könnte allerdings auch das veränderte Konsumverhalten der Millennials dazu führen, dass Glücksspielanbieter ihr Unterhaltungsangebot deutlich über das Zocken hinaus erweitern müssen. So könnten womöglich Spiele mit Geschicklichkeitsfaktor oder innovative Varianten von Online Games das junge Publikum anlocken.