Imagepolitur bei der FIFA: mit UNESCO gegen Kinderarmut

Veröffentlicht am: 25. Januar 2019, 05:34 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. Januar 2019, 05:34 Uhr.

Am Donnerstag wurde im Schweizer Davos die zukünftige enge Zusammenarbeit zwischen FIFA, UNESCO und dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) besiegelt.

Fußball Kinder Afrika Dream
Bessere Bildung durch den Fußball (Bild: PxHere)

Mit dem gemeinsamen Projekt „Fußball an Schulen“ wollen die drei weltweit agierenden Organisationen vereint für eine bessere Bildung, Nahrungsmittelversorgung und Gesundheit von Kindern in den ärmeren Regionen der Welt kämpfen. Für den zuletzt sehr kritisierten FIFA-Chef Gianni Infantino ohne Zweifel eine gute Publicity.

11 Mio. Fußbälle für 700.000 Kinder

Das Jahr 2019 soll für die FIFA ein großes Unterfangen werden. Neben der im Sommer stattfindenden Frauen-Fußball-WM in Frankreich widmet sich der Weltfußballverband in diesem Jahr insbesondere seinen Entwicklungsprojekten. Ganz oben auf der Agenda steht dabei das Projekt „Fußball an Schulen“, das Mitte des Jahres starten soll.

Ziel des Projektes ist, in verschiedenen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, durch den Fußball eine bessere Grundlage für Bildung, Entwicklung und Förderung zu schaffen. Hierbei geht es nicht nur darum, die Kinder im Sportunterricht oder außerschulisch an den Ball zu bringen, sondern das gesamte schulische Umfeld zu verbessern.

FIFA
Fußball auf dem FIFA-Lehrplan (Bild: kremlin.ru)

Konkret erstellt die FIFA Lehrpläne, versorgt Lehrer mit Materialien und technischen Hilfsmitteln, die Kinder mit kostenlosen Mahlzeiten und verteilt, wie könnte es anders sein, 11. Millionen Fußbälle, um den Sport zugänglicher zu machen. Insgesamt sollen auf diesem Wege gut 700.000 Kinder weltweit erreicht werden.

Für die komplette Umsetzung des Projektes sind derzeit drei Jahre eingeplant, für welche die FIFA ein Budget von insgesamt 100 Mio. US-Dollar bereitstellt. Doch nicht nur die FIFA engagiert sich in diesem Projekt. Um tatsächlich eine Änderung herbeizuführen, bedarf es der Zusammenarbeit mit anderen Weltorganisationen.

Um sich gemeinsam für das Projekt zu verpflichten, kamen daher FIFA-Präsident Gianni Infantino, UNESCO-Generaldirektorin Audrey Aroulay und Exekutivdirektor des UN-Welternährungsprogramms, David Beasley, in der Schweiz zusammen, um bei dem feierlich organisierten Treffen die gemeinsame Absichtserklärung zu unterzeichnen.

Die kombinierte Macht von FIFA und UN

Es gibt auf der Welt 195 Länder (plus einige nicht eingerechnete Inseln, Kolonien und abhängige Gebiete). 193 dieser Länder sind Mitglieder der Vereinten Nationen (UN). Der Heilige Stuhl (Vatikanstaat) und Palästina stehen als Nicht-Mitglieder unter dem sogenannten UN-Beobachterstatus.

Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific, and Cultural Organization) ist eine der 17 rechtlich selbstständigen UN-Sonderorganisationen und hat derzeit 195 Mitgliedsstaaten. Die FIFA hingegen ist eine Gemeinschaft aus 211 elf Mitgliedsverbänden und erstreckt sich somit ebenfalls über die gesamte Welt.

Man kann davon ausgehen, dass die FIFA vermutlich mehr Menschen weltweit ein Begriff ist als die UNESCO, denn der Fußball entflammt die Herzen aller Altersgruppen, Bildungs- und Sozialschichten und schafft es auch in die entlegensten Dörfer der ärmsten Regionen der Erde.

Damit genießt der Sport und entsprechend der Weltfußballverband eine große Machtposition und eine noch größere Verantwortung. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin France 24 erklärte Gianni Infantino dazu, dass die FIFA nicht nur für die Organisation von Fußballturnieren zuständig sei, sondern auch eine große soziale Verantwortung habe.

Fußball ist viel mehr als nur ein Spiel. Und wir wissen, dass die FIFA Verantwortung übernehmen muss, nicht nur, was das Spiel betrifft, sondern auch unsere soziale Position. Und wir wollen die Verantwortung in vollem Umfang übernehmen und sind glücklich und stolz, dass wir uns mit der UNESCO und dem WFP zusammentun konnten, um das fantastische Projekt „Fußball an Schulen“ zu launchen und die schulische Bildung damit in den Fokus unserer Arbeit zu rücken.

Auch Audrey Azoulay von der UNESCO sprach in Bezug auf die geplante Zusammenarbeit von einem Gefühl des Stolzes. Ihrer Auffassung nach spiele der Sport in der Tat eine tragende Rolle in der Schulbildung, denn er vermittle Werte wie Teamgeist und Respekt.

Im Rahmen des Programmes werde aber auch darauf abgezielt, den Kindern mehr Selbstvertrauen beizubringen und ein Zeichen in puncto Gleichbehandlung der Geschlechter zu setzen. Somit seien Mädchen und Jungs gleichermaßen in das Projekt und den Fußball eingebunden.

David Beasley vom World Food Project der UN bezeichnete seinerseits das Projekt als „wegweisend“ und betonte, dass die kombinierten Erfahrungen der drei Organisationen Mädchen und Jungen dabei helfen würden, lebenswichtige Kompetenzen zu erwerben..

Infantino der Wohltäter?

Nachdem Infantino mit geradezu bewegenden Worten im Interview [Video auf Englisch] das Projekt beschrieben hatte, stellte die France 24 Journalistin die entscheidende Frage: Ist das Projekt im Lichte der FIFA-Skandale der letzten Jahre nicht einfach eine perfekte PR-Kampagne, um das mehr als angekratzte Image aufzubessern?

Ohne Infantino jedoch in die Bredouille zu befördern, bot sie ihm direkt eine alternative Erklärung an, indem sie vorformulierte, ob das Projekt nicht vielleicht doch schlicht die „veränderten Werte der Organisation widerspiegle“.

Gianni Infantino
Infantino zuletzt häufig kritisiert (Bild: Flickr)

Infantinos Antwort „definitiv“ kam darauf wie aus der Pistole geschossen, gefolgt von weiteren emotionsgeladenen Worten über die Macht des Fußballs und die Faszination, die dieser unter den Kindern der Welt verbreite.

Gerade im Rahmen der Football Leaks Enthüllungen hatten die FIFA und mit ihr Infantino und andere Führungskräfte das Vertrauen vieler Fußballfans verloren. Geheime Pläne von der Super Liga, Steuerskandale, Korruption und Betrug – es erstand der Eindruck, die FIFA sei ein machtgieriger Verband, mit dem alleinigen Ziel, ohne Rücksicht auf Verluste Profite maximieren zu wollen.

Vom „Ende des Fußballs“ war die Rede und die Fans waren schockiert und enttäuscht. Keine Frage also, dass die FIFA einiges wieder zurechtbiegen muss. Ein Projekt, bei dem Bildung, Gesundheit und Sport gefördert werden, ist ein guter Anfang.

Ein Pluspunkt ist zweifelsohne, dass der in dieses Projekt investierte Geldbetrag bei weitem die typischen Spendenbeträge anderer Organisationen oder auch jene der eigenen vergangenen Projekte übertrifft.

Dass die FIFA als milliardenschwerer Weltverband ohne Schwierigkeiten eine derartige Summe aus dem Ärmel schütteln kann, wird von vielen eher kritisch beäugt. Doch viel wichtiger in diesem konkreten Fall ist die Frage, ob die Absichten des Verbands ehrlich sind und ob so den Kindern wirklich geholfen werden kann.