Deutschland in der Nations League: der Abstieg sicher, doch es geht um mehr

Veröffentlicht am: 19. November 2018, 01:20 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. November 2018, 01:20 Uhr.

Deutschlands Beitrag zur ersten UEFA Nations League geht in den Endspurt. Heute Abend tritt die Mannschaft ein letztes Mal gegen die Niederlande an. Der Abstieg in Liga B ist sicher, doch ein Sieg gegen die Oranje hätte mehr als nur symbolische Auswirkungen.

Deutschland vs. Niederlande 19.11.2018 Nations League
Nations League: Deutschland gegen Niederlande (Bild: Wikipedia/Casino.org)

Ein wegweisendes Abschlussspiel

Das deutsche Fußball-Jahr 2018 lief alles andere als gut für die Mannschaft um Bundestrainer Joachim Löw. Die Wunde des frühen WM-Aus klafft noch immer offen und der nun unvermeidbare Abstieg in der Nations League streut noch einmal Salz hinein.

Der 2:0 Sieg der Holländer gegen Frankreich am Freitagabend besiegelte das Nations League Schicksal der DFB-Elf, doch ein letztes Spiel steht noch bevor. Denn heute Abend hat die Mannschaft die Chance auf die große Revanche. In der heimatlichen Veltins-Arena wird Deutschland erneut auf die Niederlande treffen, eine mehr als symbolische Begegnung.

Der Ausgang des Spiels ist aus mehreren Gesichtspunkten von großer Bedeutung. Besonders im Hinblick auf die Qualifikationsspiele für die EM 2020 könnte sich Deutschland durch einen Sieg gegen die Niederlande einen klaren Vorteil verschaffen.

Wie die Nations League die EM beeinflusst

Über die neu eingeführte Nations League können sich Mannschaften zum einen direkt für die EM 2020 qualifizieren und zum anderen ihre Gruppen und Gegner für die Qualifikationsphase festlegen. So kommen die besten zehn Teams der aktuellen Nations League Tabelle in den ersten Lostopf, die nächsten zehn in den zweiten.

Für die EM-Qualifikation werden dann die Mannschaften aus Lostopf 1 gegen jene aus Lostopf 2 antreten. Deutschland ist aktuell auf Platz 11 der Nations League Tabelle und damit im zweiten Topf. Wenn das so bleibt, heißen die Gegner nächstes Jahr beispielsweise Frankreich, Niederlande, Portugal oder England.

Doch mit einem heutigen Sieg gegen die Niederlande könnte die deutsche Elf es doch noch in Topf 1 schaffen und stünde damit gegen eher „schwächere“ Gegner wie Schweden, Österreich oder Wales auf dem Platz.

Ebenfalls an der Schwelle kämpfen derzeit Polen und Kroatien, die sich noch gegen Portugal bzw. England beweisen müssen. Sollten Polen und Kroatien ihre Spiele gewinnen, käme es aufs jeweilige Torverhältnis an, welche Teams es auf die letzten Plätze in Lostopf 1 schaffen.

Die Auslosung der Qualifikationsspiele wird am 3. Dezember in Dublin stattfinden, die Spiele dann im nächsten Jahr zwischen März und November. Indes finden die Finalspiele der Nations League im nächsten Juni statt.

Auch Frankreich hofft auf Deutschlands Sieg

Auch in Frankreich wird aktuell herumgerechnet, denn der derzeitige Gruppensieger hat gegenüber den Niederlanden nur einen Punkt Vorsprung. Um es ins Finale 2019 zu schaffen, muss Frankreich seine Position beibehalten, und das geht nur, wenn die Niederlande heute gegen Deutschland verlieren.

In der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ [Seite auf Französisch] sprach man davon, dass das Schicksal der „les Bleus“ in den Händen des „Lieblingsfeindes Deutschland“ liege.

Frankreich führt die Gruppe derzeit mit sieben Punkten an, dicht gefolgt von den Niederlanden mit sechs Punkten. Deutschland bildet das ferne Schlusslicht mit einem bescheidenen Punkt. Aufgrund einer besseren Tordifferenz würden die Niederlande die Franzosen selbst mit einem Unentschieden in der Tabelle überholen.

UEFA Nations League Gruppe A Punkte
AKtueller Punktestand der Gruppe 1 (Bild: UEFA)

Sehr viel Zuversicht lässt sich der französischen Presse jedoch aktuell nicht entnehmen. So bezeichneten die Journalisten des „Figaro“ die Holländer als „ein Team, das mit exzellenter Dynamik [durch die Nations League] surft“, und stempelte Deutschland gleichzeitig „als bereits abgestiegene Mannschaft, die in dem Wettbewerb nichts mehr zu gewinnen hat“ ab.

Während die Franzosen also ganz eigennützig die Daumen drücken werden, will die deutsche Mannschaft mit aller Kraft um den Sieg kämpfen. Denn von der mutlosen Endzeitstimmung, die sich unsere französischen Nachbarn bei uns ausmalen, ist weder im Trainerstab noch in der Mannschaft die Rede.

Löw trotz Enttäuschung optimistisch

Zwar stand die Enttäuschung über die unabwendbare Zweitklassigkeit dem Bundestrainer ins Gesicht geschrieben, doch zeigte sich der 58-Jährige insgesamt zuversichtlich. Für das anstehende Spiel versprach Löw, dass seine Jungs alles geben würden und man das „schwere Jahr mit einigen Rückschlägen“ nun positiv beenden wolle.

In der Tat gab das Erfolgsspiel gegen Russland einigen Aufschwung und Löws Umbruch-Strategie, mehr auf seine jungen Talente wie Leroy Sané (22), Kai Haverts (19), Thilo Kehrer (22) oder Serge Gnabry (23) zu setzen, zeigte bereits erste vielversprechende Resultate.

Joachim Löw Pressekonferenz
Joachim Löw sichtlich enttäuscht bei der Pressekonferenz (Bild: Sportschau)

Löw und Bierhoff gaben zu, dass das Jahr insgesamt für Frustration gesorgt habe. Über den Nations League Abstieg seien beide „genervt“, doch betonte Bierhoff, dass dies durchaus kein „Weltuntergang“ sei. Löw hingegen versuchte es mit Bescheidenheit und erinnerte daran, dass auch andere Weltklasse-Teams schon schlechte Zeiten durchlebt und überstanden hätten.

In der Tat scheint fürs erste der absolute Tiefpunkt erreicht. Ein ganzes Fußballjahr mit nur 12 deutschen Toren, dafür aber sechs schweren Niederlagen ist ein neuer Negativrekord für den deutschen Fußball.

Löw jedoch schaut lieber nach vorn als zurück und betonte während der letzten Pressekonferenz, dass man aus den Geschehnissen lernen wolle:

Wir wollen uns mit zwei starken Leistungen aus diesem Jahr verabschieden, um uns und den Fans zu zeigen: Wir sind auf einem guten Weg […] Jetzt haben wir mal eine richtige Ohrfeige kassiert. Aber es geht weiter. Wichtig ist, dass wir die richtigen Lehren ziehen und die richtigen Maßnahmen für die nächsten Jahre ergreifen.

In Bezug auf das heute anstehende Spiel fügte Bierhoff hinzu:

Der Abstieg ändert nichts an der Herangehensweise an dieses Spiel. Erstens ist es ein Prestigeduell. Zweitens wollen wir unsere Entwicklung vorantreiben. Und drittens wollen wir uns mit einem Sieg eine gute Ausgangsbasis für die Auslosung der EM-Qualifikation schaffen.

Während die nötige Motivation bei der Mannschaft also vorhanden zu sein scheint, gehen auch die Buchmacher einheitlich davon aus, dass Deutschland gute Chancen auf einen Sieg hat. So liegen die Wettquoten auf eine Niederlage des DFB oder auch auf ein Unentschieden im Durchschnitt doppelt so hoch wie auf den klaren Sieg.

Bei so viel Zuversicht kann heute Abend ja fast schon nichts mehr schiefgehen. Ab 20:45 Uhr kann das Team all seinen Fans zum letzten Mal in diesem Jahr beweisen, was es drauf hat und dass man tatsächlich aus den bisherigen Fehlern gelernt hat.